Das Modul Materialwirtschaft MM hat die Aufgabe, die in der Praxis auftretenden
Prozesse und Funktionen eines gesamten Beschaffungszyklus zu unterstützen. Es
umfasst die Abläufe der Materialdisposition, des Einkaufs, der Bestandsführung, der
Lagerverwaltung und der Rechnungsprüfung in Verbindung mit einem
Logistikinformationssystem. Die Materialwirtschaft besitzt also Berührungspunkte zu
fast allen anderen Modulen. Es bestehen besondere Verbindungen zur
Lagerverwaltung sowie zur Produktionsplanung - und -steuerung. Im Folgenden werden Grundlagen wie Organisationsaufbau und Stammdaten sowie
die genannten Prozesse der Materialwirtschaft näher erläutert.
Abbildung 2 im Anhang zeigt die Schnittstellen des MM zu anderen Modulen. [...] Mandant
Ein Mandant bildet die oberste Stufe dieses hierarchischen Aufbaus. In dieser Ebene
werden mehrere rechtlich selbständige Einheiten mit identischem Zweck
zusammengeschlossen (z.B. Konzern mit mehreren Tochterfirmen).
Auf der Ebene eines Mandanten wird auf die gleiche Datenbasis (z.B. Verwaltung
von Lieferantenadressen oder zentralen Steuertabellen) zugegriffen. Der Mandant
kann mehrere Buchungskreise umfassen, wie z.B. den zentralen und dezentralen
Einkauf. Buchungskreis
Ein Buchungskreis ist die kleinste organisatorische Einheit des externen
Rechnungswesens, für die eine vollständige, in sich abgeschlossene Buchhaltung
abgebildet werden kann.
Ein Buchungskreis kann wiederum in mehrere Unterelemente gegliedert sein, die
Einkaufsorganisationen.
Einkaufsorganisation
Diese Organisationsform ist eine organisatorische Einheit, die für die Beschaffung
von Materialien und Dienstleistungen verantwortlich ist. Sie kann sich dabei auf ein
oder mehrere Werke beziehen. Zu ihrem Aufgabenbereich zählen auch die
Verhandlungen mit Lieferanten über allgemeine Einkaufsbedingungen. Somit ist
diese Einheit nach außen für alle Beschaffungsvorgänge verantwortlich.
Die Einstellungen des Systems können dabei flexibel erfolgen. Diese sind
beispielsweise beim zentralen Einkauf (eine Einkaufsorganisation ist für die
verschiedenen Buchungskreise und Werke innerhalb eines Konzerns verantwortlich),
anders als bei einem dezentralen Einkauf (unterschiedliche Einkaufsorganisationen
sind für bestimmte Buchungskreise und Werke verantwortlich). In diesem
Zusammenhang sind auch Mischformen möglich. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Material Management als übergreifendes Modul
2. Organisationsstrukturen
2.1 Aufbau der Organisationseinheiten
2.2 Organisationseinheiten in der MM
3. Stammdaten des Material Management
3.1 Einteilung der Stammdaten
3.1.1 Materialstammdaten
3.1.2 Lieferantenstammdaten
3.1.3 Einkaufsinfosatz
3.1.4 Orderbuch
3.1.5 Quotierung
3.1.6 Stücklisten
3.1.7 Konditionen
3.2 Klassifizierung der Stammdaten
4. Prozesse des Material Management
4.1 Materialdisposition
4.1.1 Dispositionsverfahren
4.1.1.1 Materialprognose
4.1.1.2 Bestellpunktdisposition
4.1.1.3 Stochastische Disposition
4.1.1.4 Rhythmische Disposition
4.1.2 Nettobedarfsrechnung
4.1.3 Losgrößenverfahren
4.1.4 Dispositionsergebnis
4.2 Einkauf
4.2.1 Bestellanforderung (Banf)
4.2.2 Ermittlung der Bezugsquelle
4.2.3 Bestellung
4.2.4 Bestellüberwachung
4.2.5 Lieferantenbeurteilung
4.2.6 Auswertungen im Einkauf
4.3 Bestandsführung
4.3.1 Belegkonzept
4.3.2 Warenbewegungen
4.3.2.1 Wareneingang
4.3.2.2 Warenausgang
4.3.2.3 Umbuchung und Umlagerung
4.3.3 Bestandsarten
4.3.3.1 Reservierungen
4.3.3.2 Sonderbestände
4.3.3.3 Qualitätsprüfbestände
4.3.4 Bestandscontrolling
4.3.5 Inventur
4.4 Lagerverwaltung
4.4.1 Kennzahlen in der Lagerverwaltung
4.4.2 Lagerstruktur
4.4.3 Lagerstrategien
4.4.3.1 Einlagerungsstrategien
4.4.3.2 Auslagerungsstrategien
4.4.4 Innerbetriebliche Warenbewegungen
4.4.5 Lagereinheitenverwaltung
4.5 Rechnungsprüfung
4.5.1 Aufgaben der Rechnungsprüfung
4.5.2 Ablauf der Rechnungsprüfung
4.5.2.1 Durchführung der Rechnungsprüfung
4.5.2.2 Sperrung und Freigabe der Rechnung
4.5.2.3 Buchung der Rechnung
4.6 Materialbewertung
4.6.1 Bewertungsvorgänge
4.6.2 Bilanzbewertung
4.7 Kommunikationsinstrumente
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die grundlegenden Prozesse und Funktionen des SAP R/3 Moduls Materialwirtschaft (MM) detailliert zu erläutern und deren Einbindung in den gesamten Beschaffungszyklus eines Unternehmens aufzuzeigen.
- Strukturierung der Organisations- und Stammdaten innerhalb des Material Managements.
- Analyse der verschiedenen Dispositionsverfahren zur bedarfsgerechten Materialplanung.
- Erläuterung der operativen Einkaufsprozesse, von der Anforderung bis zur Lieferantenbeurteilung.
- Methodik der Bestandsführung, Lagerverwaltung und der integrierten Rechnungsprüfung.
- Darstellung der Materialbewertungsmechanismen und Kommunikationsinstrumente innerhalb des SAP-Systems.
Auszug aus dem Buch
3. Stammdaten des Material Management
Stammdaten bilden die Grundlage zur Abwicklung von Prozessen in der Materialwirtschaft. Diese Stammdaten werden in SAP R/3 in Form von Stammsätzen hinterlegt. Das System greift bei der Bearbeitung der Prozesse auf die Stammsätze und die darin gespeicherten Daten zu. Um Datenredundanzen zu vermeiden, werden die Stammdaten nur einmal angelegt und können in allen Modulen (SD, PP,…) verwendet werden. Die wesentlichen Merkmale von Stammdaten sind:
ÿ Die Anlage eines neuen Stammsatzes wird durch den Verweis auf bestehende Stammsätze erleichtert.
ÿ Alle Änderungen der Stammsätze werden dokumentiert und sind daher nachvollziehbar.
ÿ Hinterlegung von verschiedenen Sprachen.
ÿ Automatische Übernahme von Textbausteinen.
ÿ Vereinfachung der Suchfunktion durch Matchcodes.
Der Zugriff auf die Materialstammdaten kann durch firmeninterne Regelungen eingeschränkt sein. Ein limitierter Zugang verhindert, dass nicht zuständige Personen Materialstammdaten ändern können. Einkäufer können sich zwar generell sämtliche Daten zu einem gewünschten Material anzeigen lassen, ändern dürfen sie jedoch nur einkaufsspezifische Daten. Bestimmte Benutzer können allerdings die Berechtigung erhalten, Daten zentral zu modifizieren, d.h. sie sind befugt, sämtliche Daten in einem Materialstammsatz, auch Einkaufsdaten, anzulegen und zu ändern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Material Management als übergreifendes Modul: Das Kapitel führt in die Aufgabe des Moduls Materialwirtschaft ein, Beschaffungszyklen zu unterstützen und dessen zentrale Vernetzung mit anderen Modulen aufzuzeigen.
2. Organisationsstrukturen: Hier wird der Aufbau des Unternehmens in SAP R/3 durch Mandanten, Buchungskreise und Werke erläutert, um die notwendige Struktur für die Materialwirtschaft zu schaffen.
3. Stammdaten des Material Management: Dieses Kapitel behandelt die Bedeutung und Struktur von Stammdaten, wie Material- und Lieferantenstämme, Einkaufsinfosätze und Konditionen, die als Basis für alle Geschäftsprozesse dienen.
4. Prozesse des Material Management: Das Hauptkapitel beschreibt detailliert die logistischen Kernprozesse: Disposition, Einkauf, Bestandsführung, Lagerverwaltung und Rechnungsprüfung sowie deren Verzahnung.
Schlüsselwörter
Materialwirtschaft, SAP R/3, Materialstammdaten, Lieferantenstammdaten, Einkaufsinfosatz, Disposition, Bestandsführung, Lagerverwaltung, Rechnungsprüfung, Materialbewertung, Beschaffungsprozess, Stammsätze, Kontierung, Lagerstrategien, Warenbewegung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der funktionalen Abbildung und Unterstützung des gesamten Beschaffungszyklus eines Unternehmens durch das Modul Materialwirtschaft (MM) im SAP R/3-System.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen den Aufbau von Organisationsstrukturen, die Verwaltung von Stammdaten, die Materialdisposition, operative Einkaufsprozesse, die Bestandsführung, Lagerverwaltung sowie die Rechnungsprüfung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein tiefgreifendes Verständnis für die logistischen Prozesse innerhalb von SAP R/3 zu vermitteln und die Verzahnung der einzelnen Komponenten in der Praxis zu erläutern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine strukturierte prozessorientierte Beschreibung auf Basis betriebswirtschaftlicher SAP-Standards und logistischer Methoden zur Beschaffungsoptimierung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Beschreibung der Stammdatenverwaltung, die verschiedenen Dispositions- und Lagerstrategien sowie die Prozessabläufe im Einkauf, bei der Bestandsführung und in der Rechnungsprüfung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Materialwirtschaft, SAP R/3, Stammdaten, Disposition, Bestandsführung, Lagerverwaltung und Rechnungsprüfung.
Wie werden die Dispositionsverfahren in SAP unterschieden?
SAP unterscheidet primär zwischen plangesteuerter Disposition (orientiert an Kundenaufträgen) und verbrauchsgesteuerter Disposition (orientiert an vergangenen Verbrauchswerten).
Was ist der Zweck des Einkaufsinfosatzes?
Der Einkaufsinfosatz stellt die Verknüpfung zwischen einem Material- und einem Lieferantenstammsatz dar und enthält einkaufsrelevante Informationen wie Preise und Konditionen.
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- Nicole Wolf (Autor:in), 2003, Materialmanagement, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22622