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Ursachen, Formen und Risiken mann-männlicher Prostitution

Title: Ursachen, Formen und Risiken mann-männlicher Prostitution

Bachelor Thesis , 2012 , 58 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Stephanie Angenendt (Author)

Social Work
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Summary Excerpt Details

Es wird vom „ältesten Gewerbe der Welt“ oder einer „ahistorischen Konstante“ gesprochen,
wenn es um Prostitution geht. Jedoch handelt es sich hierbei nicht nur,
wie vielleicht zunächst angenommen, um die klassische Prostitution von Frauen,
sondern ebenso um die der Männer. Die Mann-männliche Prostitution ist keinesfalls
ein Phänomen der heutigen Zeit. Ganz im Gegenteil ist sie bis in die Antike, etwa bis
ins 7. Jahrhundert vor Christus, zurückzuverfolgen. Bereits zu dieser Zeit machte
die gleichgeschlechtliche Sexualität in Griechenland auf sich aufmerksam. Diese
Form der Sexualität war nicht nur anerkannt, sondern wurde als gesellschaftliche
Pflicht aufgefasst. Vor allem bei jungen Männern, die sich meist noch in der Pubertät
befanden, sollte eine gleichgeschlechtliche Liebe zu einer guten Erziehung beitragen.
Auch im antiken Rom war die Mann-männliche Prostitution ein fester Bestandteil
der Gesellschaft. In beiden Fällen waren meist Sklaven, Soldaten und Kriegsgefangene
männliche Prostituierte, freigeborenen Männern war es stets verboten ihren
Körper der käuflichen Liebe und Sexualität zur Verfügung zu stellen. Um 217 nach
Christus war die männliche Prostitution in Rom gesellschaftsfähig und anerkannt,
was auch unter wechselnder Herrschaft andauerte. Erst durch den Beginn der Feudalwirtschaft
und die Aufhebung der Sklaverei wurde die männliche Prostitution in
solchem Ausmaße diskreditiert, dass der oströmische Kaiser Justinian im Jahr 541
nach Christus mit der Todesstrafe für ihre Ausübung drohte. Obwohl die männliche
Prostitution seither offiziell verboten war, machte sie im 15. Jahrhundert wieder von sich Reden. Zwischenzeitlich galt sie gesellschaftlich sogar wieder als akzeptiert. Im deutschen Strafgesetzbuch wurde 1927 der §175 geschaffen (auch Schwulenparagraph genannt), welchen man damit begründete, dass die männliche Prostitution eine besondere Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung dargestellt hätte. Gesellschaftliche Anerkennung wurde der Mann-männlichen Prostitution seither nicht mehr zuteil, bis die rechtlichen Aspekte der Homosexualität sich veränderten, indem der § 175 ersatzlos aus dem Strafgesetzbuch gestrichen wurde. Lediglich der Aspekt
des Jugendschutzes wurde weiterhin bedacht, so dass homo- sowie auch heterosexuelle Kontakte zu Kindern unter 14 Jahren und unter bestimmten Voraussetzungen zu Jugendlichen zwischen 14 und 16 Jahren strafbar sind. Hierauf wird im weiteren Verlauf der Arbeit noch explizit eingegangen.[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begrifflicher Rahmen

2.1 Mann-männliche Prostitution

2.2 Stricher

2.3 Freier

3. Profil der Stricher

3.1 (sexuelle-) Identität der Stricher

3.2 Motivation

4. Profil der Freier

4.1 Freiertypen

4.2 Bedeutung des Freiers für den Stricher

5. Soziale Lebenswelten der Stricher

5.1 Die Familie

5.2 Freundschaften

5.3 Partnerschaften

5.4 Arbeit

6. Lebenslagen der Stricher

6.1 Wohnungslosigkeit/Obdachlosigkeit

6.2 Wohnungsangebot durch den Freier

6.3 Kurzunterbringung in Beratungsstellen

6.4 Reiseaktivität der Stricher

7. Orte der Prostitution

7.1 Die reale Stricherszene

7.1.1 Kneipen

7.1.2 Boy-Clubs/Escort

7.1.3 Apartments

7.1.4 Bahnhöfe

7.1.5 Parkanlagen

7.1.6 Raststätten

7.1.7 Saunen

7.1.8 Klappen

7.1.9 Pornokinos und Sexshops

7.1.10 Geheimclubs

7.2 Die virtuelle Stricherszene

8. Problemlagen der Stricher

8.1 Körperliche Gesundheit

8.1.1 Geschlechtskrankheiten

8.1.2 Aids/ HIV

8.2 Suchtverhalten

8.3 Psychische Belastung

8.3.1 Doppelte Stigmatisierung

8.3.2 Identitätsprobleme

8.4 Gewalt in der Stricherszene

8.4.1 Sexuelle Gewalt

8.4.2 Strukturelle Gewalt

8.4.3 Gewalt durch und gegen den Freier

8.4.4 Gewalt unter Strichern

9. Rechtliche Situation

9.1 Das Prostitutionsgesetz

9.2 Das Prostitutionsgesetz bezüglich der Situation männlicher Prostituierter

9.3 Das Infektionsschutzgesetz

10. Sozialarbeiterische Hilfeansätze

10.1 Aufsuchende Sozialarbeit

10.2 Anlaufstellen

10.3 Einzelfallhilfe und Beratung

10.4 Beziehungsarbeit

10.5 Medizinische Versorgung

10.6 Zukunftsperspektiven der sozialen Arbeit mit Strichern

11. Schlussbetrachtung

12. Persönlicher Rückblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit analysiert die Situation und die Lebenswelten männlicher Prostituierter ("Stricher"), um ein tieferes Verständnis für die komplexen Ursachen, die Vielfalt der Erscheinungsformen sowie die damit verbundenen physischen und psychischen Risiken zu entwickeln, und leitet daraus notwendige sozialarbeiterische Hilfeansätze ab.

  • Historische Einordnung und Begriffsdefinition der männlichen Prostitution.
  • Analyse der Beweggründe und Sozialisationshintergründe von Strichern.
  • Kategorisierung der Freiertypen und deren Bedeutung für die Stricher.
  • Untersuchung der Lebenslagen (Wohnungs- und Obdachlosigkeit, Mobilität) und Problemlagen (Gesundheit, Sucht, Gewalt).
  • Darstellung der rechtlichen Rahmenbedingungen und bestehender sozialarbeiterischer Interventionsmöglichkeiten.

Auszug aus dem Buch

Die Flucht aus der Familie oder aus Heimen

Nicht selten ist der Grund, dass junge Männer in der Prostitution landen, die Flucht aus der eigenen Familie oder dem Heim, in welchem sie gelebt haben. Durch unangenehm oder repressiv empfundene Lebensumstände ziehen die Jungen es vor, ein Leben auf der Straße zu führen. Sie sind geprägt durch Alkoholismus innerhalb der Familie, (sexuelle-) Gewalt, Stiefväter mit mangelndem Interesse an der eigenen Person, als auch durch die Überlastung der häufig alleinerziehenden Mütter. Das Leben auf der Straße, vor allem im Sexgewerbe, scheint zunächst eine vielversprechendere Perspektive zu bieten. Einige Freier schenken den Jungs ihre volle Aufmerksamkeit und bieten ihnen bessere Wohnverhältnisse, als diese bisher gekannt haben. Durch den Wettbewerb um die eigene Person bekommen die Jungen die Möglichkeit, sich ihre „Wahlfamilie“ frei aussuchen zu können. Einen realistischen Blick bezüglich ihrer Zukunftsperspektive können die Jungs daher kaum aufrecht erhalten und empfinden die Situation in der Prostitution, im Vergleich zu der in der eigenen Familie, somit als angenehmer.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Historische Herleitung und Verortung der mann-männlichen Prostitution als komplexes, tabuisiertes gesellschaftliches Phänomen.

2. Begrifflicher Rahmen: Klärung zentraler Begriffe wie Stricher und Freier sowie Abgrenzung zu professionelleren Formen der männlichen Prostitution.

3. Profil der Stricher: Auseinandersetzung mit der (sexuellen) Identitätsfindung und den vielfältigen Motivationslagen für den Einstieg in die Prostitution.

4. Profil der Freier: Differenzierung verschiedener Freiertypen und Analyse der Bedeutung des Freiers als Ersatzbezugsperson.

5. Soziale Lebenswelten der Stricher: Analyse der Sozialisation, familiärer Hintergründe, Freundschaftsstrukturen und der Arbeitswelt der Betroffenen.

6. Lebenslagen der Stricher: Untersuchung prekärer Lebensbedingungen wie Obdachlosigkeit, Wohnraumsituation durch Freier und hoher Mobilität.

7. Orte der Prostitution: Detaillierte Darstellung realer und virtueller Räume, in denen Prostitution stattfindet, von der Kneipe bis zum Internet.

8. Problemlagen der Stricher: Umfassende Analyse physischer und psychischer Gesundheitsrisiken, Suchtproblematiken, Stigmatisierung und Gewalterfahrungen.

9. Rechtliche Situation: Erörterung des Prostitutionsgesetzes, des Infektionsschutzgesetzes und deren Auswirkungen auf die Lebensrealität männlicher Prostituierter.

10. Sozialarbeiterische Hilfeansätze: Überblick über Kernbereiche wie Streetwork, Anlaufstellen, Einzelfallhilfe und die notwendige psychologische Beziehungsarbeit.

11. Schlussbetrachtung: Zusammenfassendes Fazit über die Komplexität des Themas und den dringenden Bedarf an gesellschaftlicher Aufklärung und verbesserten Hilfsangeboten.

12. Persönlicher Rückblick: Reflexion des Autors über die Auseinandersetzung mit dem Thema im Rahmen der Bachelorarbeit.

Schlüsselwörter

Männliche Prostitution, Stricher, Freier, Sozialisation, Identität, Sucht, Gewalt, Obdachlosigkeit, Soziale Arbeit, Prostitutionsgesetz, HIV, Stigmatisierung, Lebenswelten, Streetwork, Prävention.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht das Phänomen der mann-männlichen Prostitution aus einer sozialwissenschaftlichen Perspektive und analysiert die Lebensumstände, Identitätsprobleme und sozialen Problemlagen von männlichen Prostituierten sowie deren Berührungspunkte mit der sozialen Arbeit.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?

Zentrale Schwerpunkte sind die Definition der Akteure (Stricher und Freier), die Analyse der Orte des Geschehens, die gesundheitlichen Risiken, Gewalterfahrungen, rechtliche Aspekte sowie die konkreten Hilfeansätze der sozialen Arbeit.

Was ist die zentrale Forschungsfrage der Untersuchung?

Das Ziel ist es, ein möglichst umfassendes Bild über die Hintergründe, Bedingungen und Risiken der männlichen Prostitution zu zeichnen, um daraus die Notwendigkeit und Möglichkeiten für professionelle sozialpädagogische Hilfeansätze abzuleiten.

Welche wissenschaftliche Methodik wurde für die Arbeit gewählt?

Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Analyse der vorhandenen Fachliteratur, aktueller empirischer Befunde und sozialarbeiterischer Leitlinien, um ein komplexes Phänomen theoretisch zu strukturieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Lebenslagen, den verschiedenen Orten der Prostitution, den physischen und psychischen Problemlagen und der konkreten Ausgestaltung sozialarbeiterischer Interventionsmöglichkeiten.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Stricher", "Sozialisation", "Identitätsbildung", "Stigmatisierung", "Gewalt in der Szene" und "niedrigschwellige Hilfsangebote" geprägt.

Welche Rolle spielt die "Wahlfamilie" in der Motivation junger Stricher?

Viele junge Stricher stammen aus zerrütteten Elternhäusern und suchen in der Prostitution nach Ersatz für die fehlende väterliche oder familiäre Anerkennung, Schutz und emotionale Zuwendung.

Warum ist die Unterscheidung zwischen "professionellen" und "klassischen" Strichern so bedeutsam?

Diese Differenzierung ist zentral, da die beiden Gruppen unterschiedliche Bewusstseinsgrade, Motive, gesundheitliche Risikoprofile und Umgangsweisen mit der eigenen Identität aufweisen, was unterschiedliche Herangehensweisen in der sozialen Arbeit erfordert.

Warum spielt die Anonymität im Internet eine so große Rolle für Freier?

Das Internet bietet Freiern, die oft einem bürgerlichen, heterosexuellen Leben nachgehen, Schutz vor gesellschaftlicher Entdeckung und Sicherheit bei der Kontaktaufnahme.

Welche Herausforderungen bestehen bei der medizinischen Versorgung dieser Zielgruppe?

Die medizinische Versorgung wird durch fehlende Krankenversicherungen der Stricher, Scham, Ängste vor Behörden sowie oftmals einen unsicheren Aufenthaltsstatus erschwert, was Arztbesuche selten macht.

Excerpt out of 58 pages  - scroll top

Details

Title
Ursachen, Formen und Risiken mann-männlicher Prostitution
College
University of Applied Sciences Düsseldorf
Grade
2,3
Author
Stephanie Angenendt (Author)
Publication Year
2012
Pages
58
Catalog Number
V214020
ISBN (eBook)
9783656424543
ISBN (Book)
9783656433149
Language
German
Tags
ursachen formen risiken prostitution
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stephanie Angenendt (Author), 2012, Ursachen, Formen und Risiken mann-männlicher Prostitution, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214020
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