1. Einleitung
„Ich kenne nichts Schwereres als die Schande.“
Diese Proklamation Luises in Schillers „Kabale und Liebe“ als Zeichen von Ehrenhaftigkeit und Würde verweist auf eine Problematik, welche vom Menschen in seiner Geschichte von jeher gefürchtet und verabscheut wird. Sprichwörter wie „Besser mit Schaden als mit Schande klug werden.“, „Schande hindert Tugend.“, „Nichts können ist keine Schande, aber nichts lernen.“ verweisen auf die hohe Bedeutung von Eigenschaften wie Ehre, Anstand, Authentizität und Ansehen für die menschliche Identität. Wenn man die Geschichte betrachtet wird deutlich, dass neben unterschiedlichen kulturellen Definitionen der Terminologie „Schande“, welche von den jeweiligen gesellschaftlichen Normen, Werten bzw. Anschauungen abhängig sind, auch unterschiedliche Formen des Umgangs hiermit existieren. So wird sich eine Gesellschaft, welche auf eine schuldbeladene Vergangenheit zurückblickt vermutlich zweier unterschiedlicher Strategien der Bewältigung gegenübergestellt sehen. Entweder entscheidet sie sich für eine öffentliche, (selbst)kritische Reflektion der vergangenen Verfehlungen oder für eine kollektive Verdrängung im Sinne eines selbst auferlegten Verstummens bzw. Verbergens. Erstere Möglichkeit setzt ein Bewusstsein und die Übernahme von Verantwortung für die vergangenen Fehltritte voraus, um deren lückenlose Aufarbeitung gewährleisten zu können. Beim Prinzip der Verdrängung hingegen versetzt sich eine Gesellschaft hinsichtlich ihrer vergangenen „Schande“ bewusst in einen Zustand des Erstarrens. Beide Vorgehensweisen verfolgen jedoch trotz des gegensätzlichen Umgangs mit der Vergangenheit eine gemeinsame Intention: Der Wunsch, das Geschehene hinter sich zu lassen, um einer neuen Ausrichtung zu folgen.
Mit dieser Arbeit sollen die Ursachen und Folgen des Verdrängungsprinzips am Beispiel der spanischen transición unter Verwendung des Romans „Corazón tan blanco“ von Javier Marías untersucht werden. Im Zentrum der Betrachtungen wird hierbei der Begriff des „pacto de borrón“, welcher eine kritische spanische Selbsteinschätzung bezüglich des Umgangs mit der Vergangenheit darstellt, stehen. Dabei soll überprüft werden, inwiefern man hinsichtlich der politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen nach 1975 von Generalamnesie oder kollektivem Schweigen der Spanier in Bezug auf Bürgerkrieg und Diktatur sprechen kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichtlicher Hintergrund des „pacto de borrón“
3. „pacto de silencio“ und „pacto de olvido“
3.1 Verwendung der Begriffe
3.2 Definitionsanalyse des Schweigens und des Vergessens
4. Die Bedeutung des Schweigens, Vergessens und Verdrängens im Roman „Corazón tan blanco“
4.1 Ranz als Analogie zur Franco-Generation
4.2 Juan als Analogie zur Nachfolge-Generation
5. Resümee
6. Literaturverzeichnis
Questions fréquentes
Qu'est-ce que le « pacto de borrón » dans le contexte espagnol ?
Le « pacto de borrón » désigne une auto-évaluation critique de la société espagnole concernant sa gestion du passé après 1975, oscillant entre amnésie collective et silence volontaire sur la guerre civile et la dictature de Franco.
Quel est le rôle du roman « Corazón tan blanco » dans cette étude ?
Le roman de Javier Marías sert d'analogie pour examiner les mécanismes de refoulement, de silence et d'oubli au sein de la société espagnole, notamment à travers les personnages de Ranz et Juan.
Quelle est la différence entre le « pacto de silencio » et le « pacto de olvido » ?
Le travail analyse ces deux termes pour distinguer le silence imposé (silence) de la volonté collective de ne plus se souvenir (oubli) des atrocités passées pour favoriser la transition politique.
Comment la transition espagnole a-t-elle géré la culpabilité historique ?
L'étude examine si l'Espagne a choisi une réflexion autocritique ou une répression collective, aboutissant potentiellement à une amnésie générale concernant la période franquiste.
Quelles sont les conséquences du principe de refoulement selon l'auteur ?
Le refoulement place la société dans un état de paralysie face à son passé de « honte », avec pour intention de repartir sur de nouvelles bases sans traiter les fautes antérieures.
Pourquoi la notion de « honte » est-elle centrale dans ce travail ?
La honte, liée à l'identité humaine et aux normes sociales, détermine si une société assume la responsabilité de ses erreurs passées ou choisit de les cacher.
- Quote paper
- Albrecht Kober (Author), 2010, Pacto de borrón - ein Pakt des Schweigens oder des Vergessens?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213866