Durga Puja Zeremonien waren das Hauptfestival der Bengalischen Hindus des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts in Calcutta. Seit dieser Zeit verbindet eine literarische Tradition Durga mit dem nationalen Schicksal. Durga ist dabei gleichzeitig ideale Tochter und Mutter und tapfere Siegerin über Dämonen, ein Symbol von „guter“ Familie und politischer Kraft, die als „das Gute“ im kosmischen Sinne „das Schlechte“ besiegt. Sie ist damit auch ein Symbol für den Kreislauf des Lebens, schafft Reinheit als Voraussetzung für Neues, denn nach dem Tod kommt nach hinduistischen Vorstellungen die Wiedergeburt. Die neue Symbolik der Göttin und die Veränderung des Status ihrer Puja während des 19. Jahrhunderts erzeugten eine spezifische zivile Empfindlichkeit und förderten damit die Konstruktion bestimmter Identitäten, wie „Gemeinschaft“ und „Nation“. Dieses Zusammenspiel von Modernität, Religion, Gemeinschaft und Identität wird im Folgenden am Beispiel der historischen Veränderungen im kolonialen Calcutta des 19. Jahrhunderts dargestellt. Dabei wird gezeigt, wie sich die Durga Puja von einem religiösen Familienfest der Reichen und Mächtigen zu einem Volksfest mit religiösem Charakter wandelte, durch das die Göttin Durga, mit veränderter Zuschreibung, symbolisch die erfolgreiche Konstruktion von urbaner Identität in Calcutta, und darüber hinaus, von nationaler Identität in Indien unterstützte.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Die Durga Puja als urbane Identität
- 3. Der Platz des „Anderen“
- 4. Durga und das neue Hinduistische Nationalbewusstsein
- 5. Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Entwicklung der Durga Puja in Calcutta im 19. Jahrhundert und ihren Einfluss auf die Konstruktion urbaner Identität. Die Analyse beleuchtet, wie die Durga Puja, ein traditionelles hinduistisches Ritual, im Kontext der kolonialen Moderne zu einem wichtigen Symbol für nationale Identität wurde.
- Die Durga Puja als Ausdruck von Macht und Herrschaft im vor-kolonialen Kontext.
- Die Durga Puja als Instrument der Gestaltung urbaner Identität im kolonialen Calcutta.
- Die Rolle der Durga Puja im aufkommenden Hinduistischen Nationalismus.
- Die Verbindung von Religion, Moderne und nationaler Identität in der Durga Puja.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung
Die Einleitung stellt den Kontext der Durga Puja im traditionellen Indien dar und beleuchtet die Instrumentalisierung religiöser Rituale für politische Zwecke. Im Kontext der kolonialen Modernität werden die Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen religiösem Glauben und dem modernen Moment sowie die Entstehung einer urbanen kolonialen Öffentlichkeit beschrieben.
2. Die Durga Puja als urbane Identität
Dieses Kapitel beleuchtet die Entwicklung Calcuttas zur Hauptstadt der Britischen Ostindien-Kompanie im 18. Jahrhundert und die Notwendigkeit der Briten, die Unterstützung der bengalischen Eliten zu gewinnen. Es werden die Folgen der von den Briten erlassenen neuen sozialen und ökonomischen Ordnung sowie die Entstehung neuer urbaner Strukturen und Praktiken dargestellt.
3. Der Platz des „Anderen“
Dieses Kapitel setzt sich mit dem Diskurs über „private Sphäre“ und „moderne Öffentlichkeit“ im Kontext des britischen Kolonialismus auseinander. Es werden die Veränderungen in der Rolle der Durga Puja als Ausdruck von „traditionellen Werten“ in der neuen öffentlichen Sphäre beschrieben, sowie die Entstehung einer neu definierten hinduistischen Gemeinschaft mit eigenen Symbolen und Praktiken.
4. Durga und das neue Hinduistische Nationalbewusstsein
Dieses Kapitel untersucht die Nutzung der Durga Puja als Symbol für ein neu entstehendes hinduistisches Nationalbewusstsein im späten 19. Jahrhundert. Es werden die Symboliken und Bedeutungen der Göttin Durga im Kontext der kolonialen Unterdrückung und der Suche nach nationaler Identität betrachtet.
Schlüsselwörter
Durga Puja, Calcutta, Kolonialismus, Moderne, Identität, Religion, Nationalismus, Hinduismus, urbane Entwicklung, Tradition, Symbolismus, „private Sphäre“, „öffentliche Sphäre“.
Häufig gestellte Fragen
Wie veränderte sich die Durga Puja im 19. Jahrhundert?
Sie wandelte sich von einem privaten religiösen Familienfest der Reichen und Mächtigen zu einem öffentlichen Volksfest, das die urbane Identität Calcuttas prägte.
Welche Symbolik hat die Göttin Durga?
Durga gilt als ideale Tochter und Mutter, aber auch als tapfere Siegerin über Dämonen. Sie symbolisiert politische Kraft und den Sieg des Guten über das Schlechte.
Welche Rolle spielte der britische Kolonialismus für das Fest?
Die Briten benötigten die Unterstützung der bengalischen Eliten, was dazu führte, dass traditionelle Rituale wie die Durga Puja in den neuen urbanen Kontext Calcuttas integriert und instrumentalisiert wurden.
Wie trug Durga Puja zum indischen Nationalismus bei?
Im späten 19. Jahrhundert wurde die Göttin Durga zum Symbol für das nationale Schicksal und die Konstruktion einer gemeinsamen hinduistischen Identität gegen die Kolonialmacht.
Was bedeutet die Unterscheidung zwischen privater und öffentlicher Sphäre in diesem Kontext?
Das Fest trat aus den privaten Häusern der Eliten in die neue koloniale Öffentlichkeit und wurde so zu einem Instrument der zivilen Gestaltung und Gemeinschaftsbildung.
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- Jan Andrejkovits (Author), 2013, Die Durga Puja im Calcutta des 19. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213773