Eine Vielzahl von ökonomischen Theorien basiert auf dem Modell des Homo oeconomicus.Da die Verhaltensweisen von wirtschaftlichen Akteuren auf dieser Grundlage jedoch nicht hinreichend erklärt werden können, tritt die Verhaltensökonomie („Behavioral Economics“)mehr und mehr in den Fokus der Wissenschaftler. Innerhalb dieses Forschungsgebiets werden insbesondere Abweichungen von rationalen Verhaltensweisen analysiert. Ein Teilaspekt bildet
dabei die verzerrte Selbstwahrnehmung von Individuen die sich unter anderem als Overconfidence (Selbstüberschätzung) manifestiert. Vermehrt werden in der wissenschaftlichen Literatur die Effekte von Overconfidence auf unternehmerische Entscheidungen untersucht. Im Fokus der Analysen stehen hauptsächlich Manager großer Unternehmen. Da es sich bei Overconfidence um ein nicht beobachtbares Konstrukt handelt, wurden verschiede Ansätze
entwickelt um die Hybris von Managern zu messen. Eine einheitliche Messmethode konnte sich bisher jedoch nicht durchsetzten.
In der vorliegenden Arbeit werden daher ausgewählte Messansätze vorgestellt und diskutiert. Nach einer Erläuterung der Definition des Phänomens Overconfidence in Kapitel 1, wird auf verschiedene Messmethoden eingegangen (Kapitel 2). Betrachtet werden hierbei insbesondere der generelle Ansatz, die Vorgehensweise, die Datenbasis und die Resultate der Studien. Im Anschluss werden die einzelnen Verfahren diskutiert und einer kritischen Würdigung unterzogen (Kapitel 3). Abschließend wird im Fazit erläutert, ob Manager unter Overconfidence leiden und ob dies mit Hilfe der betrachteten Verfahren nachgewiesen bzw. gemessen werden kann (Kapitel 4).
Inhaltsverzeichnis
- Abkürzungsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Definition Overconfidence
- 3. Ausgewählte Messverfahren der Overconfidence
- 3.1. Ableitung aus persönlichen Portfolioentscheidungen
- 3.2. Unternehmenserfolg, Lob in der Presse, relative Vergütung
- 3.3. Messung über die Darstellung in der Presse
- 3.4. Messung über einen Fragebogen
- 4. Diskussion der Maße
- 5. Fazit
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert die Thematik von Overconfidence, genauer gesagt, wie sich diese auf unternehmerische Entscheidungen auswirkt, insbesondere bei Managern großer Unternehmen. Dabei werden verschiedene Messmethoden vorgestellt und diskutiert, die aufgrund der nicht direkt beobachtbaren Natur von Overconfidence entwickelt wurden.
- Definition und Ausprägungen von Overconfidence
- Analyse verschiedener Messansätze zur Erfassung von Overconfidence
- Bewertung der verschiedenen Methoden hinsichtlich ihrer Stärken und Schwächen
- Diskussion der Aussagekraft der Methoden zur Messung von Overconfidence bei Managern
- Bedeutung von Overconfidence für unternehmerische Entscheidungen
Zusammenfassung der Kapitel
- Kapitel 1: Einleitung
Die Einleitung stellt das Thema Overconfidence im Kontext der Verhaltensökonomie vor und erläutert die Relevanz der Thematik für unternehmerische Entscheidungen. Zudem werden die Ziele der Arbeit und die Gliederung der einzelnen Kapitel vorgestellt.
- Kapitel 2: Definition Overconfidence
Dieses Kapitel definiert den Begriff Overconfidence und erläutert seine beiden Ausprägungen: den „better-than-average“-Effekt und die Miscalibration. Die Definitionen werden auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse erläutert.
- Kapitel 3: Ausgewählte Messverfahren der Overconfidence
Hier werden verschiedene Ansätze zur Messung von Overconfidence vorgestellt und diskutiert. Dazu gehören die Ableitung aus persönlichen Portfolioentscheidungen, die Berücksichtigung von Unternehmenserfolg, Lob in der Presse und relativer Vergütung, die Analyse der Darstellung in der Presse sowie die Verwendung von Fragebögen.
- Kapitel 4: Diskussion der Maße
Dieses Kapitel befasst sich mit der kritischen Würdigung der vorgestellten Messverfahren. Es werden die Vor- und Nachteile der einzelnen Ansätze analysiert und diskutiert, welche Methoden am geeignetsten sind, Overconfidence bei Managern zu erfassen.
Schlüsselwörter
Overconfidence, Verhaltensökonomie, Selbstüberschätzung, „better-than-average“-Effekt, Miscalibration, Portfolioentscheidungen, Unternehmenserfolg, Presseberichterstattung, Fragebögen, Manager, unternehmerische Entscheidungen.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet „Overconfidence“ in der Verhaltensökonomie?
Overconfidence bezeichnet die systematische Selbstüberschätzung von Individuen hinsichtlich ihrer eigenen Fähigkeiten, Kenntnisse oder der Präzision ihrer Vorhersagen.
Was ist der „Better-than-average“-Effekt?
Dies ist eine Form der Selbstüberschätzung, bei der die Mehrheit der Menschen glaubt, in bestimmten Bereichen (z. B. Autofahren oder Management-Fähigkeiten) besser zu sein als der Durchschnitt, was statistisch unmöglich ist.
Wie wirkt sich Overconfidence auf Manager aus?
Manager neigen unter Overconfidence dazu, Risiken zu unterschätzen, zu viele Akquisitionen zu tätigen oder Investitionsprojekte zu optimistisch zu bewerten, was dem Unternehmen schaden kann.
Wie kann man Overconfidence wissenschaftlich messen?
Es gibt verschiedene Ansätze: Analyse persönlicher Portfolioentscheidungen (Optionen), Auswertung der Presseberichterstattung über den Manager oder direkte Befragungen mittels Fragebögen.
Was versteht man unter „Miscalibration“?
Miscalibration bedeutet, dass Menschen die Genauigkeit ihrer eigenen Schätzungen überschätzen. Sie setzen beispielsweise zu enge Konfidenzintervalle für zukünftige Marktentwicklungen fest.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Unternehmenserfolg und Overconfidence?
Ja, häufiges Lob in der Presse oder große vergangene Erfolge können Overconfidence bei Managern verstärken, da sie ihre Erfolge eher den eigenen Fähigkeiten als dem Glück zuschreiben.
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- Julia Seyer (Author), 2011, Leiden Manager unter Overconfidence?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212715