Abstract
Viele wunderbare, kreative Ideen für Filmprojekte passen nicht in bestehende Finanzierungsmuster, weil sie unrentabel scheinen, ihre Inhalte nicht den Förderrichtlinien entsprechen und weil Film heute ein Hochrisikogeschäft darstellt.
Der Aufwand für die Umsetzung einer Filmidee steigt von Jahr zu Jahr wegen der immer ausgeklügelteren Möglichkeiten der Visualisierung und Technik und der immer anspruchsvolleren Sehgewohnheiten. Dies zieht erhebliche Budgets in den Filmproduktionen nach sich, welche nur noch wenige Filmfinanziers bereit sind, zu investieren. Mit Crowdfunding und Crowdinvesting scheint eine Möglichkeit gefunden, diese problematische Situation zu wenden.
Die vorliegende Arbeit untersucht sowohl die theoretischen Voraussetzungen als auch die praktische Anwendung von Crowdfunding und Crowdinvesting. Der praktische Teil analysiert auf Grundlage einer internetbasierten „Plattformbeobachtung“, ob diese neue Finanzierungsart eine Lösung der Problematik zur Finanzierung von Filmprojekten darstellt und stellt sie der herkömmlichen Finanzierung gegenüber.
Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass Crowdfunding und –investing sich als interessante Kommunikations-, Marketing- und Entwicklungsinstrumente erweisen. Sie bieten die Möglichkeit, vor Filmfertigstellung die Kritikpunkte der Konsumenten in die Herstellung einfließen zu lassen und sind sehr werbewirksam. Aufgrund der geringen Geldmittel, die bis heute generiert werden konnten, handelt es sich nicht um eine volle Finanzierungsalternative. In Kombination mit herkömmlichen Filmfinanzierungsinstrumenten können Crowdfunding und -investing als Teilfinanzierung von Vorteil sein. Dementsprechend werden in naher Zukunft „Cofunding - Modelle“ an Bedeutung gewinnen.
1 Einführung
1.1 Problemstellung
1.2 Vorgehensweise und Strukturierung
1.3 Zielgruppe
1.4 Herausforderungen und Methodik
2 Triebfedern des Filmgeschäfts
2.1 Die Motivation Filme herzustellen und die Hürde der Finanzierung
2.2 Kunst versus Kommerz – Die Crowd als demokratische Alternative?
3 Von der Idee zum Film – Filmherstellung und Vermarktung als Prozess
3.1 Der Entstehungsprozess
3.1.1 Die Preproduktion, Drehphase und Postproduktion
3.1.2 Die Suche nach einer Möglichkeit das Projekt zu finanzieren
3.2 Der Vertrieb, die Auswertung und die Erlösrückführung
4 Quellen der Filmfinanzierung
4.1 Staatliche und suprastaatliche Filmförderungen
4.1.1 Die deutschen Filmförderungen
4.1.2 Die europäischen Filmförderungen
4.2 Öffentlich – rechtliche Fernsehsender als Filmfinanziers
4.2.1 Sender Auftragsproduktionen
4.2.2 TV – Koproduktionen
4.2.3 TV – Lizenzkäufe
4.3 Privatrechtliche Filmfinanzierung
4.3.1 Koproduktionspartner
4.3.2 Filmverleih und Filmvertrieb als Finanzierungspartner
4.3.3 Lizensierung der Nebenrechte
4.3.4 Product Placement und Sponsoring
4.3.5 Der Eigenanteil des Produzenten
4.3.6 Banken, Versicherungen und Medienfonds
5 Die Crowdbewegung
5.1 Crowdsourcing
5.2 Crowdfunding
5.2.1 Definition
5.2.2 Die Plattformen und der Projektablauf
5.2.3 Die Initiatoren und Unterstützer
5.2.4 Crowdfunding außerhalb der Plattformen
5.2.5 Erfolgreiche Crowdfunding Beispiele
5.3 Crowdinvesting
5.3.1 Definition
5.3.2 Die Plattformen und deren Funktionsweise
5.3.3 Gründer und Investoren
5.3.4 Erfolgreiche Crowdinvesting Beispiele
5.4 Crowdfunding und –investing in den USA
6 Mit der Crowd realisierte Filme
6.1 Iron Sky
6.2 Stromberg der Film
6.3 BAR25 – der Film
7 Crowdfunding und Crowdinvesting als Filmfinanzierung
7.1 Gegenüberstellung von herkömmlicher Filmfinanzierung und Crowdfunding sowie -investing
7.2 Zahlen und Fakten der Plattformbeobachtung
7.3 Cofundingmodelle
8 Ergebnisbetrachtung und Ausblick
8.1 Kernaussagen und Erkenntnisse
8.2 Eignet sich Crowdfunding und –investing als alternative Filmfinanzierungsform? – Ein Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht das Potenzial von Crowdfunding und Crowdinvesting als innovative Finanzierungsquellen für die deutsche Filmwirtschaft. Ziel ist es zu analysieren, ob diese Methoden als seriöse Alternativen oder ergänzende Instrumente zu herkömmlichen Finanzierungsformen (wie staatlichen Förderungen oder Senderbeteiligungen) etabliert werden können.
- Analyse der theoretischen Voraussetzungen und praktischen Anwendung von Crowdfunding und Crowdinvesting.
- Gegenüberstellung der neuen Finanzierungsformen mit traditionellen Modellen der Filmfinanzierung.
- Untersuchung von Erfolgsfaktoren und Risiken basierend auf einer internetbasierten Plattformbeobachtung.
- Bewertung von "Cofunding-Modellen" als strategische Kooperation zwischen Crowd-Finanzierung und klassischer Filmförderung.
Auszug aus dem Buch
Die Motivation Filme herzustellen und die Hürde der Finanzierung
Wieso machen Menschen Filme? Welche Motivation ist die Triebfeder, eine Idee auf die Leinwand zu bringen?
Fragt man Menschen, die nichts mit Filmherstellung zu tun haben, welche Schlagwörter ihnen zu Filmschaffenden wie Schauspielern, Regisseuren oder Produzenten einfallen, lauten die Antworten in etwa: „Reich, berühmt und schön.“ Mit Sicherheit gibt es tatsächlich Filmschaffende, die ihren Beruf in der Branche aus diesen Motiven heraus gewählt haben, die sich von ihrem eigenen Narzissmus getrieben fühlen. Oft dominieren jedoch andere Gründe, an der Entstehung von Filmen mitzuwirken.
In einem Interview mit dem “Newsweek Magazine“ antwortet Steven Spielberg auf die Frage, was ihn auch nach 30 Jahren voller Erfolg motiviert, weiter Filme zu machen:
“I've often asked myself that question, and my answer comes back the same way every time: I love it. Being a moviemaker means you get to live many, many lifetimes. It's the same reason audiences go to movies, I think. When my daughter Sasha was 5 years old, we would be watching something on TV and she'd point to a character on screen and say, "Daddy, that's me." Ten minutes later a new character would come on screen and she'd say, "No, Daddy. That's me." Throughout the movie she would pick different people to become. I think that's what we all do. We just don't say it as sweetly”
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Abhängigkeit der deutschen Filmwirtschaft von Förderungen und stellt die Forschungsfrage nach Crowdfunding und Crowdinvesting als alternative Finanzierungsquelle.
2 Triebfedern des Filmgeschäfts: Dieses Kapitel untersucht die persönlichen und künstlerischen Beweggründe von Filmschaffenden sowie die grundlegende Problematik der Filmfinanzierung in Deutschland.
3 Von der Idee zum Film – Filmherstellung und Vermarktung als Prozess: Hier werden die Stadien der Filmproduktion (Pre-, Dreh- und Postproduktion) dargelegt und die komplexen Finanzierungs- sowie Erlösstrukturen verdeutlicht.
4 Quellen der Filmfinanzierung: Dieses Kapitel gibt einen detaillierten Überblick über herkömmliche Instrumente, wie staatliche Förderungen, Fernsehsender, privatrechtliche Partner und Banken.
5 Die Crowdbewegung: Die theoretischen Grundlagen von Crowdsourcing, Crowdfunding und Crowdinvesting werden allgemein eingeführt und in ihrer Funktionsweise erklärt.
6 Mit der Crowd realisierte Filme: Anhand von Praxisbeispielen wie „Iron Sky“ oder „Stromberg – der Film“ wird die konkrete Anwendung der Crowd-Finanzierung in der Filmbranche untersucht.
7 Crowdfunding und Crowdinvesting als Filmfinanzierung: Es erfolgt ein direkter Vergleich von Crowdfunding-Methoden mit klassischen Ansätzen sowie eine statistische Analyse von Plattformdaten und Cofunding-Modellen.
8 Ergebnisbetrachtung und Ausblick: Die Arbeit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und wagt eine Prognose zur zukünftigen Bedeutung von Crowdfunding und Crowdinvesting im deutschen Filmmarkt.
Schlüsselwörter
Filmfinanzierung, Crowdfunding, Crowdinvesting, Filmförderung, Crowdsourcing, Kinofilm, Projektfinanzierung, Plattformökonomie, Cofunding, Filmherstellung, Marketing, Risikomanagement, Medienszene, Innovationsmanagement, Kapitalakquise.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob Crowdfunding und Crowdinvesting als seriöse und nachhaltige Finanzierungsinstrumente für Filmprojekte in Deutschland dienen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit befasst sich mit Filmfinanzierungsmodellen, der Funktionsweise der Crowdbewegung, der Analyse von Plattformstatistiken und der Kombination von Crowd-Kapital mit traditionellen Förderungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist die kritische Evaluation, inwiefern Crowdfunding-Modelle die Abhängigkeit von klassischen Förderstrukturen verringern oder diese sinnvoll ergänzen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, einer internetbasierten Plattformbeobachtung (Datenanalyse von Crowdfunding-Portalen) sowie der Auswertung von Fallbeispielen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst der Prozess der Filmherstellung und herkömmliche Finanzierungsquellen beschrieben, bevor Crowdfunding und Crowdinvesting als neue, demokratische Finanzierungsalternativen analysiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Filmfinanzierung, Crowdfunding, Crowdinvesting, Filmförderung und Projektfinanzierung beschreiben.
Welche Bedeutung haben "Cofunding-Modelle" für die Filmbranche?
Cofunding-Modelle bieten eine Brücke zwischen der Crowd-Finanzierung und klassischer Filmförderung, um Synergieeffekte zu nutzen und die Finanzierungslücke bei deutschen Filmprojekten zu schließen.
Wie unterscheidet sich Crowdfunding von Crowdinvesting in dieser Studie?
Während Crowdfunding primär auf spendenähnliche Beiträge mit Sachprämien ("Dankeschöns") setzt, beinhaltet Crowdinvesting den Erwerb von Anteilen am Unternehmen mit dem Ziel einer Rendite.
- Quote paper
- Christina Waider (Author), 2013, Filmfinanzierung durch die Crowd, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212679