Im Rahmen des Proseminars „Ordnungstheorien – Befreiungstheorien“ stand die Untersuchung zweier sozialwissenschaftlicher Stränge im Mittelpunkt: Nachdenken über die Ordnung von Staat und Gesellschaft sowie Nachdenken über die Befreiung von Herrschaft. Diesen Ausrichtungen liegen unterschiedliche Annahmen über Gesellschaft zugrunde. Auf der einen Seite ist es Chaos und Konfusion, die in einem Konsens und in der Bildung von Normen bewältigt werden müssen, auf der anderen Herrschaft und Unterdrückung, die ein freies Leben verhindern und daher zu bezwingen sind.
Im Laufe der Jahrhunderte beschäftigten sich zahlreiche Personen mit der Kollision von staatlichem Reglement und individuellem Freiheitsstreben. Es gestaltet sich daher als unmöglich, eine absolute Auseinandersetzung, sowohl unter quantitativer als auch qualitativen Betrachtung, mit dieser Thematik vorzunehmen. Es ist vielmehr geboten, sich für eine überschaubare Anzahl von Publikationen zu entscheiden und diese kritisch zu durchleuchten. Doch selbst dieses Vorgehen offenbart seine Grenzen, die schlicht in der Menge der zu bearbeitenden Informationen eines Werkes liegen. Aus diesem Grund beschränkte sich die Auswahl auf bestimmte Abschnitte/Kapitel einer Schrift, wobei es sich inhaltlich um besonderes relevante Passagen handelte, deren Vergleich mit den anderer Autoren sich als sinngerecht erwies.
Bewusst wurde zudem eine Textauswahl aus unterschiedlichen Epochen getroffen, um die verschiedenen, für die jeweilige Zeit aktuellen Argumentationsansätze aufzuzeigen und einer Interpretation zu unterziehen. Da es sich teilweise um Wortgefüge handelt, die aus heutiger Sicht als sprachlich überholt erscheinen, wurde jeder Passus zunächst resümiert und erst anschließend einer inhaltlichen Analyse unterzogen.
Die hier behandelten Ausschnitte entstammen den allseits bekannten Publikationen von Thomas Hobbes, Karl Marx und Friedrich Engels, Theodor W. Adorno sowie Karl Heinz Bohrer.
Inhaltsverzeichnis
- Marx/Karl, Engels/Friedrich: Bourgeois und Proletarier (aus dem Manifest der Kommunistischen Partei)
- Zusammenfassung
- Einleitung
- Thomas Hobbes: Leviathan (Auszug)
- Zusammenfassung
- Interpretation
- Theodor W. Adorno: Minima Moralia
- Zusammenfassung
- Interpretation
- Karl Heinz Bohrer: Fantasie, die keine war
- Zusammenfassung
- Interpretation
- Literatur- und Quellenverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Spannung zwischen staatlicher Ordnung und individuellem Befreiungsdrang. Sie untersucht, wie verschiedene Denker mit dieser Thematik umgehen und welche Konzepte sie zur Bewältigung des Spannungsverhältnisses entwickeln.
- Die Rolle des Staates in der Gesellschaft
- Das Verhältnis von individueller Freiheit und staatlicher Ordnung
- Die Natur des Menschen und seine Bedürfnisse
- Konzepte von Herrschaft und Unterdrückung
- Die Möglichkeit und Grenzen von Befreiung
Zusammenfassung der Kapitel
Marx/Karl, Engels/Friedrich: Bourgeois und Proletarier (aus dem Manifest der Kommunistischen Partei)
Dieser Abschnitt beleuchtet die Klassenverhältnisse im Kapitalismus und die daraus resultierenden Konflikte zwischen Bourgeoisie und Proletariat. Die Autoren analysieren die historische Entwicklung des Kapitalismus und prophezeien seinen Untergang durch die Revolution des Proletariats.
Thomas Hobbes: Leviathan (Auszug)
Hobbes setzt sich mit der Frage auseinander, wie eine schützende Macht entstehen kann, die den Menschen vor dem Chaos des Naturzustands bewahrt. Er argumentiert, dass ein absolutistischer Staat, der über absolute Macht verfügt, notwendig ist, um Frieden und Ordnung zu gewährleisten.
Theodor W. Adorno: Minima Moralia
Adorno kritisiert in diesem Abschnitt die gesellschaftlichen Verhältnisse der Nachkriegszeit und die Auswirkungen der massenhaft verbreiteten Kulturindustrie. Er zeigt auf, wie der Einzelne in der modernen Gesellschaft entfremdet und zu einem Objekt des Konsums wird.
Schlüsselwörter
Die Arbeit beschäftigt sich mit zentralen Themen wie Staats- und Gesellschaftsordnung, individueller Freiheit, Herrschaft, Unterdrückung, Klassenkampf, Kapitalismus, Naturzustand, absolute Macht, Kulturindustrie und Entfremdung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der zentrale Konflikt zwischen staatlicher Ordnung und individuellem Befreiungsdrang?
Es ist die Spannung zwischen der Notwendigkeit von Normen zur Vermeidung von Chaos (Ordnungstheorien) und dem Kampf gegen Herrschaft und Unterdrückung zur Ermöglichung eines freien Lebens (Befreiungstheorien).
Welche Rolle spielt der „Leviathan“ bei Thomas Hobbes?
Der Leviathan symbolisiert einen absolutistischen Staat mit uneingeschränkter Macht, der notwendig ist, um den Menschen aus dem zerstörerischen Naturzustand („Krieg aller gegen alle“) zu retten.
Wie sehen Marx und Engels das Verhältnis von Bourgeoisie und Proletariat?
Sie beschreiben einen unversöhnlichen Klassengegensatz im Kapitalismus, der zwangsläufig zur Revolution des Proletariats und zur Befreiung von der Herrschaft der Bourgeoisie führt.
Was kritisiert Adorno in „Minima Moralia“?
Adorno kritisiert die Entfremdung des Einzelnen in der modernen Gesellschaft und den Einfluss der Kulturindustrie, die das Individuum zum bloßen Objekt des Konsums macht.
Warum wurden Texte aus unterschiedlichen Epochen gewählt?
Um die Entwicklung der Argumentationsansätze über die Jahrhunderte aufzuzeigen – von der Begründung absoluter Macht bei Hobbes bis zur modernen Gesellschaftskritik bei Adorno und Bohrer.
- Arbeit zitieren
- Arkadius Neumann (Autor:in), 2001, Leviathan, Bourgeois und Proletarier, Minima Moralia, Fantasie, die keine war - Zwischen staatlicher Ordnung und individuellem Befreiungsdrang, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21259