Wie viel Macht Worte doch haben können! Diese Verse beispielsweise, welche ein Gedicht namens "Weitende" bilden und vom Dichter Jakob von Hoddis verfasst wurden, leiteten gar, wenn auch nicht gänzlich eigenständig, eine ganze Epoche ein, den Expressionismus. Eine Ära voller genialer Werke in Kunst und Literatur, hinter denen mindestens genauso begnadete Künstler stehen, ein Zeitalter des Aufbruchs und der Veränderung, aber eben auch geprägt von Gewalt und Angsf.2
Womit wir wieder bei Jakob von Hoddis wären, und zwei seiner Kollegen, namentlich Georg Heym und Georg Trakl, allesamt gleichermaßen talentvoll wie charakterlich schwierig. Und jeder dieser Künstler hat eine traurige Lebensgeschichte hinter sich, mit psychischen Krankheiten und einem bedauernswerten Tod. Aber inwiefern hängen d iese drei Schicksale mit der Epoche, die sie jewei ls geprägt haben, zusammen? Diesem interessanten Rätsel möchte ich auf den Grund gehen.
In meiner Arbeit soll deshalb - nach einer kurzen Vorstellung der Epoche und ihrer Umstände - erörtert werden, ob die seelischen Erkrankungen der genannten drei Autoren als Beweis für eine kollektive Psychose im Expressionismus gesehen werden können oder ob diese eher durch Gründe, die nicht unmitte lbar in den gesellschaftlichen beziehungsweise äußeren Einflüssen jener Zeit zu suchen sind, erkrankten.
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1 Zit.: Jens, Walter (Hrsg.) : Kindlers neues Uteraturlexikon. Band 7. München. 1990. 5.916
2 Vgl. : Jen s, Walter (Hrsg.): Kindlers neues Literaturlexikon. Band 7. München. 1990. 5.916f
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitungsgedanke
2. Die Epoche des Expressionismus
2.1 Definition und Ziele
2.2 Sozi ohi stori scher Hintergrund
2.3 Literatur der Epoche
2.3.1 Stil und Motive
2.3.2 Bedeutende Dichter und Werke des Literarischen Expressionismus
3. Das Phänomen der kollektiven Psychose
3.1 Definition der kollektiven Psychose
3.2 Bedeutung der Psychose und des Wahnsinns im Expressionismus
4. Untersuchen der These einer durch die epochalen Enfiasse ausgelösten kollektiven Psychose
4.1 Methodik der Analyse
4.2 Georg Trakl
4.2.1 Biografie eines traurigen Lebens
4.2.2 Analyse der biografischen Einschnitte
4.2.2.1 Argumente für die Teilhabe an einer kollektiven Psychose1
4.2.2.2 Argumente für ein Einzelschicksal1
4.2.3 Analyse von Georg Trakls Gedicht „Grodek"
4.2.4 Zwischenauswertung
4.3 Georg Heym
4.3.1 Biografie eines eigenwilligen Genies
4.3.2 Analyse der biografischen Einschnitte
4.3.2.1 Argumente für die Teilhabe an einer kollektiven Psychose
4.3.2.2 Argumente für ein Einzelschicksal
4.3.3 Analyse von Georg Heyms Gedicht „Der Gott der Stadt“
4.3.4 Zwischenauswertung
4.4 Jakob van Hoddis (Hans Davidsohn)
4.4.1 Biografie eines verstörten Pioniers
4.4.2 Analyse der biografischen Einschnitte
4.4.2.1 Argumente für die Teilhabe an einer kollektiven Psychose
4.4.2.2 Argumente für ein Einzelschicksal
4.4.3 Analyse von Jakob van Hoddis' Gedicht „Weitende“
4.4.4 Zwischenauswertung
5. Gesamtfazit
6. Schlussgedanke37 /.Literaturverzeichnis
Literatur im Expressionismus - eine kollektive Psychose?
Häufig gestellte Fragen
War der literarische Expressionismus eine Form kollektiver Psychose?
Die Arbeit untersucht die These, ob die Häufung psychischer Erkrankungen bei Dichtern wie Trakl, Heym und Hoddis auf gesellschaftliche Einflüsse oder individuelle Schicksale zurückzuführen ist.
Welche Rolle spielt Georg Trakl in dieser Untersuchung?
Anhand von Trakls Biografie und seinem Gedicht „Grodek“ wird analysiert, inwieweit seine seelischen Leiden durch die Schrecken des Krieges und epochale Umstände bedingt waren.
Was sind die zentralen Motive des literarischen Expressionismus?
Typische Motive sind der Weltuntergang, die Großstadt-Angst, Gewalt, Wahnsinn und der radikale Aufbruch gegen veraltete gesellschaftliche Strukturen.
Wer war Jakob van Hoddis und warum ist er für die Epoche wichtig?
Jakob van Hoddis gilt mit seinem Gedicht „Weltende“ als Pionier des Expressionismus. Seine eigene schizophrene Erkrankung dient oft als Beispiel für die Verbindung von Genie und Wahnsinn in dieser Zeit.
Wie beeinflussten soziostorische Hintergründe die Dichter?
Die zunehmende Industrialisierung, die Anonymität der Großstadt und die Vorahnung bzw. Erfahrung des Ersten Weltkriegs schufen eine Atmosphäre der Angst, die sich in den Werken widerspiegelte.
- Quote paper
- Christian Huber (Author), 2012, Der literarische Expressionismus als kollektive Psychose, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212382