“Krieg ist aller Dinge Vater, aller Dinge König”. Diese vom griechischen Philosophen Heraklit vorgenommene naturhafte und glorifizierende Beschreibung des Krieges prägte die menschliche Vorstellung dieses größten Übels der Welt über mehr als zwei Jahrtausende. Doch stimmt diese Ansicht denn? Kann man tatsächlich von einem zwanghaften Zusammenhang zwischen Mensch und Krieg sprechen? Dies ist eine der Fragen, auf die die vorliegende Arbeit eine Antwort zu geben versucht.
Noch Anfang der neunziger Jahre, als der amerikanische Historiker Francis Fukuyama – auf Grund des Zusammenbruchs der Sowjetunion und dem damit verbundenen Ende des Kalten Krieges – ein Ende der Geschichte postulierte, schien die Welt in eine Ära des globalen Friedens einzutreten . Doch diese Sichtweise wich im Zuge der Balkankriege der neunziger Jahre und der durch die Terroranschläge des 11. September ausgelösten Kriege in Afghanistan und im Irak relativ schnell einer realistischeren Einsicht. Damit sind die Vorstellung und die Beschäftigung mit den Themen des Krieges und des Friedens in das Bewusstsein der westlichen Welt zurückgekehrt, weswegen eine historische Analyse dieser Begrifflichkeiten sinnvoll erscheint. Die Beantwortung der Fragen nach „Was ist Krieg?“ und „Was ist Frieden?“ soll demnach ein weiteres Anliegen der vorliegenden Untersuchung sein.
Es ist darauf hinzuweisen, dass diese Arbeit auf Grund der Komplexität und der Fülle des Themas keineswegs abschließenden Charakter beansprucht, sondern einen ersten zwangsweise verkürzten Überblick geben will, der aber in einer weiterführenden Arbeit vertieft werden müsste. Auf Grund dieser Feststellung ist auch die Literaturgrundlage nur exemplarisch möglich gewesen und kann demzufolge nur einen Bruchteil derselbigen zum Thema widerspiegeln. Die wichtigsten Erkenntnisse zum Thema liefern der immer noch unverzichtbare und lesenswerte Clausewitz, der einen Gesamtüberblick über die Begrifflichkeiten und deren historischen Entwicklungsverlauf von der Frühen Neuzeit bis zum Zweiten Weltkrieg gebende Wolfrum sowie für die aktuelle Diskussion die überaus anregenden Expertisen Münklers. Im Folgenden wird zunächst der historische Verlauf der beiden zu untersuchenden Begrifflichkeiten aufgezeigt, um anschließend eine nähere Definition der Termini Krieg bzw. Frieden vorzunehmen. Danach soll auf diverse Definitionsprobleme aufmerksam gemacht werden. Abschließend werden die Ergebnisse der Arbeit kurz zusammengefasst.
Gliederung
1. Einleitung
2. Geschichtliche Vorstellungen von Krieg und Frieden
2.1. Antike
2.2. Mittelalter
2.3. Neuzeit
3. Definitionsversuche
3.1. Was ist Krieg?
3.2. Was ist Frieden?
4. Definitionsprobleme
5. Zusammenfassung
6. Quellen- und Literaturverzeichnis
Wie hat sich die Vorstellung von Krieg und Frieden historisch gewandelt?
Die Arbeit skizziert die Entwicklung von der Antike (z.B. Heraklit) über das Mittelalter bis zur Neuzeit und zeigt auf, wie sich die philosophische und politische Bewertung dieser Zustände verändert hat.
Was ist die zentrale Definitionsproblematik bei "Frieden"?
Frieden wird oft nur als die Abwesenheit von Krieg definiert (negativer Friedensbegriff), während moderne Ansätze auch soziale Gerechtigkeit und Freiheit einbeziehen (positiver Friedensbegriff).
Welche Bedeutung hat Carl von Clausewitz für die Kriegsdefinition?
Clausewitz gilt als unverzichtbarer Klassiker, der Krieg als die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln beschrieb und damit eine bis heute relevante theoretische Grundlage schuf.
Gibt es einen zwanghaften Zusammenhang zwischen Mensch und Krieg?
Die Arbeit setzt sich kritisch mit der Frage auseinander, ob Krieg eine naturgegebene Konstante menschlicher Existenz ist oder ein kulturelles und politisches Konstrukt.
Was versteht Heraklit unter "Krieg ist aller Dinge Vater"?
Dieses Zitat beschreibt eine naturhafte und glorifizierende Sichtweise, in der Konflikt als schöpferisches Prinzip der Weltordnung verstanden wird.
Warum ist eine Neuanalyse dieser Begriffe heute wichtig?
Ereignisse wie die Balkankriege, der 11. September und die Kriege in Afghanistan und im Irak haben das Thema nach einer Phase vermeintlicher globaler Stabilität wieder in das öffentliche Bewusstsein gerückt.