Das übergeordnete Thema der folgenden Arbeit „Mittelalterliche Imperientheorien“ ist spezieller, als es auf dem ersten Blick vielleicht wirken mag. Anders als für die Neuzeit, gibt es für das Mittelalter keine konkreten theoretischen Aufzeichnungen darüber, wie ein Imperium bzw. eine imperiale Herrschaft im Idealfall aufgebaut werden musste. Wir haben es in dieser Zeit vielmehr mit einer Herrschaft zu tun, welche sich in hohem Maße auf verschiedene Legitimationsansätze und vor allem auf Erfahrung stützt. Trotz der eben erwähnten fehlenden staatstheoretischen Schriften zum Imperium im Mittelalter, gibt es durchaus konkrete Beispiele, welche auf den Versuch hindeuten, einen geordneten Rahmen für ein Imperium schaffen zu wollen. Bei deren Erläuterung wird im weiteren Verlauf Friedrich Barbarossa, von 1155 bis 1190 deutsch-römischer Kaiser, eine entscheidende Rolle spielen. Ausgehend von der Beschäftigung, mit den Versuchen das Reich auf eine theoretische Grundlage zu stellen, ist es unerlässlich, sich mit den Besonderheiten des mittelalterlichen Imperiums auseinanderzusetzen. Die Arbeit wird sich, im Hinblick auf die Beschäftigung mit dem mittelalterlichen Imperium, auf das Reich des lateinischen Mittelalters beschränken. Bevor jedoch das römisch-deutsche Kaiserreich näher thematisiert wird, müssen die Begriffe „Imperium“ und „imperiale Herrschaft“ in groben Zügen geklärt werden, um für diese einen theoretischen Rahmen aufzustellen, mit welchem das mittelalterliche Imperium verglichen werden kann. Anschließend wird die Wiederherstellung des antiken römischen Kaisertums und die Anknüpfung an das alte römische Reich in den Vordergrund rücken. Ausgangspunkt ist hier die Kaiserkrönung Karls des Großen im Jahre 800. Ausgehend davon, wird in einem neuen Abschnitt die Legitimation des römisch-deutschen Kaisertums thematisiert werden. Um die allgemeine Beschäftigung mit dem mittelalterlichen Imperium zu Ende zu führen, gilt es noch die Probleme eben dieses Imperiums zu behandeln. Abschließend werden die gesammelten Erkenntnisse aus der Betrachtung des römisch-deutschen Kaiserreiches in einem Zwischenfazit zusammengefasst.
Im zweiten Teil der Arbeit geht es dann um den Versuch der Staufer, ins besondere in Person von Friedrich I. Barbarossa, ihr Kaisertum auf eine theoretische Grundlage zu stellen und ihren Anspruch auch imperiale Herrschaft greifbar zu machen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Imperium und imperiale Herrschaft
III. Das romisch-deutsche Kaiserreich im Mittelalter
III. 1 Die Wiederherstellung des romischen Kaisertums
111.2 Legitimation des christlichen Kaisertums
111.3 Probleme des mittelalterlichen Imperiums
IV. Die Ehre des Reiches
IV.1 Das Kaisertum der Staufer
IV.2 Das Konzept der honor imperii
V. Fazit und abschliefiende Bemerkungen
VI. Literaturverzeichnis
VII. Quellenverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Gab es im Mittelalter konkrete Staatstheorien zum Imperium?
Nein, anders als in der Neuzeit gab es keine systematischen theoretischen Aufzeichnungen. Die imperiale Herrschaft stützte sich primär auf Legitimationsansätze und Erfahrungswissen.
Welche Rolle spielte Friedrich I. Barbarossa für das mittelalterliche Kaiserreich?
Barbarossa versuchte im 12. Jahrhundert, das Reich auf eine theoretische Grundlage zu stellen und den Anspruch auf imperiale Herrschaft durch Konzepte wie die „honor imperii“ greifbar zu machen.
Was bedeutet der Begriff „honor imperii“?
„Honor imperii“ bezeichnet die Ehre oder das Ansehen des Reiches, ein zentrales Rechts- und Ordnungsmotiv der Staufer, um ihre Herrschaftsansprüche gegenüber dem Papsttum und anderen Mächten zu legitimieren.
Warum war die Kaiserkrönung Karls des Großen im Jahr 800 so bedeutend?
Sie markiert die Wiederherstellung des antiken römischen Kaisertums im Westen und diente als historischer Anknüpfungspunkt für alle späteren römisch-deutschen Kaiser des Mittelalters.
Was waren die Hauptprobleme des mittelalterlichen Imperiums?
Zu den Problemen gehörten die schwierige Legitimation gegenüber der Kirche, die dezentrale Machtstruktur und der ständige Konflikt zwischen universalem Anspruch und realer Herrschaftsgewalt.
Inwiefern unterschied sich das christliche Kaisertum vom antiken Vorbild?
Das mittelalterliche Kaisertum war untrennbar mit dem christlichen Glauben und der Rolle als Schutzherr der Kirche verbunden, was eine religiöse Legitimationsbasis schuf, die es in der Antike so nicht gab.
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- Julian Hatzig (Author), 2012, Untersuchung des mittelalterlichen Imperiums unter Berücksichtigung der Ordnungs- und Theoretisierungsversuche der Staufer im 12. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211622