Gesellschaften sind soziale Systeme welche teilweise aus vielen Millionen handelnder Individuen bestehen und in der Regel trotzdem stabile Strukturen aufweisen. Diese stabilen Strukturen bzw. eine gesellschaftliche Ordnungen entstehen, wenn vor dem Hintergrund einer gemeinsamen Kultur ein Komplex von Institutionen und Organisationen dafür sorgt, dass die relative Vielfalt und die Besonderheiten des Einzelnen auf der untersten Ebene zu der notwendigen Einheit und Integration zusammengefügt werden. Dies bedeutet, dass die Mitglieder von Gesellschaften ihr Verhalten an vorgegebenen Erwartungen ausrichten, was ihrem Handeln einen kalkulierbaren Charakter verleiht. „[…] Dabei agieren Menschen jeweils nur mit einem Teil ihrer Bedürfnisse und Fähigkeiten (etwa am Arbeitsplatz), andere werden hingegen ausgeklammert, kommen aber dann in anderen Feldern zum Tragen (z.B. in der Familie)“. In entwickelten, arbeitsteiligen Gesellschaften ist der Handelnde somit in verschiedene gesellschaftliche Subsysteme eingebunden und gezwungen, eine ihm abverlangte Rolle/Verhalten einzunehmen. Demnach sind Rollen aus der Sicht des Individuums an normative Erwartungen anderer Gesellschaftmitglieder, bzw. an soziale Erwünschtheiten geknüpft, denen es zu entsprechen gilt. Das Annehmen von gesellschaftlich erwünschten Verhaltensweisen geschieht dabei teilweise unbewusst, denn die Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen, kulturellen und materiellen Umwelt, vollzieht sich bereits bei Heranwachsenden und nahezu in allen Bereichen des täglichen Lebens.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Thematik und Fragestellung
1.2 Methodik und Vorgehensweise
2. Der Sozialisationsprozess
2.1 Sozialisation und Sozialisationsprozess: Begriffserklärung
2.2 Sozialisationsinstanzen zur Zeit des Nationalsozialismus
2.2.1 Familienideologie der Nationalsozialisten
2.2.2 Die Sozialisationsinstanz Familie im Spannungsfeld zwischen Schule, Religion und Hitlerjugend
2.2.3 Weitere Auswirkungen auf Sozialisationsinstanz Familie
3. Die NS-Bevölkerungspolitik als Träger der NS- Ideologie Familien- und bevölkerungspolitische Maßnahmen und deren Auswirkungen
4. Diskussion der Ergebnisse
5. Literaturverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Wie veränderte sich die Rolle der Familie im Nationalsozialismus?
Die Familie geriet zunehmend in ein Spannungsfeld zwischen der eigenen Erziehungsgewalt und dem Einfluss staatlicher Instanzen wie Schule und Hitlerjugend.
Was war die Familienideologie der Nationalsozialisten?
Die Familie wurde als "Keimzelle der Nation" idealisiert, sollte aber primär der Produktion erbgesunden Nachwuchses und der ideologischen Früherziehung im Sinne des Regimes dienen.
War die Familie eine schwächer werdende Sozialisationsinstanz?
Die Arbeit untersucht, ob die staatliche Überwachung und die Einbindung der Kinder in NS-Organisationen die elterliche Autorität und den privaten Rückzugsraum schwächten.
Welche bevölkerungspolitischen Maßnahmen gab es?
Dazu gehörten finanzielle Anreize wie das Ehestandsdarlehen sowie Auszeichnungen wie das Mutterkreuz, um kinderreiche "arische" Familien zu fördern.
Wie funktionierte Sozialisation im sozialen System des NS-Staates?
Individuen mussten ihre Rollen an den normativen Erwartungen der NS-Kultur ausrichten, wobei private Bedürfnisse oft zugunsten der kalkulierbaren staatlichen Integration ausgeklammert wurden.
- Quote paper
- Thomas Berger (Author), 2011, Die Familie zur Zeit des Nationalsozialismus: Eine schwächer werdende Sozialisationsinstanz?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210572