Das Konzept des „Sozialkapitals“ hat in sozialwissenschaftlichen Arbeiten eine lange Tradition. Schon früh wurde es von unterschiedlichen Wissenschaftlern wie L.J. Hanifan (1920) verwendet, jedoch geschah dies meist in eher metaphorischer Form. Glenn Loury war der erste unter ihnen, der sich dem Konzept auf reflektierte und entschiedene Art und Weise näherte. Ihm folgten der französische Soziologe Pierre Bourdieu (1983) und James S. Coleman (1988). Doch den größten Einfluss auf die Verbreitung des Begriffes „Sozialkapital“ und der Konzepte dahinter hatte zweifelsohne Robert Putnam. Durch seinen Artikel „Bowling Alone“, welcher im Jahre 1995 erschien und fünf Jahre später als Buch vorlag, hat der amerikanische Politikwissenschaftler die „Welle des Interesses an Sozialkapital“ ausgelöst.
Jedoch fällt bei der näheren Betrachtung von Putnams Ansatz auf, dass er die Rolle von Staatstätigkeiten bei der Reproduktion von Sozialkapital vernachlässigt. Denn ein zugrundeliegender Punkt des Sozialkapitals ist, wie aus seiner Definition hervorgeht, der Fokus auf soziale Prozesse.
Diese wiederum werden jedoch laut Lowndes und Wilson (2002) durch den Staat und die dazugehörigen politischen Faktoren beeinflusst. Ist diese Annahme richtig, so stellt sich die Frage, welche Regierungsform welchen Einfluss auf das in einem Land vorhandene Sozialkapital hat.
Das Hauptthema dieser Hausarbeit wird der Zusammenhang zwischen Wohlfahrtsstaat und Sozialkapital sein. Im Besonderen wird es um die Frage gehen, ob der Wohlfahrtsstaat soziales Kapital fördert oder eher zerstört. Dieses Thema ist durchaus relevant, da nahezu allen europäischen Ländern als staatliches Regime der Wohlfahrtsstaat zugrunde liegt, welcher die Produktion und Verteilung von Ressourcen in der Gesellschaft bestimmt. Indem man sich mit oben genannter Fragestellung auseinandersetzt, findet man möglicherweise neue wichtige Faktoren, die sich auf Sozialkapital und dessen Entstehung auswirken. Zudem hilft die Beantwortung der Frage, soziale und kulturelle Konsequenzen von Wohlfahrtsstaaten besser zu verstehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Soziales Kapital
2.1 Definition von Sozialkapital: Robert Putnam
2.2 Entstehung von Sozialkapital
2.3 Zerstörung von Sozialkapital
3 Der Wohlfahrtsstaat: Definition, Funktion, Entstehung
4 Soziales Kapital und Wohlfahrtsstaat
4.1 Zugang zu sozialem Kapital im Wohlfahrtsstaat
4.2 Zerstörung und Ignoranz oder Aufbau von Sozialkapital?
4.3 Sozialkapital vs. Sozialleistungen
Bibliographie
Häufig gestellte Fragen
Wie definiert Robert Putnam das Konzept des Sozialkapitals?
Putnam definiert Sozialkapital über soziale Netzwerke, Normen der Reziprozität und Vertrauen, die kollektives Handeln ermöglichen.
Welchen Einfluss hat der Wohlfahrtsstaat auf das Sozialkapital?
Die Arbeit untersucht, ob staatliche Leistungen bürgerschaftliches Engagement fördern oder durch die Übernahme sozialer Aufgaben privates Sozialkapital verdrängen (Crowding-out).
Warum wird Putnams Ansatz kritisiert?
Kritiker bemängeln, dass er die Rolle des Staates und politischer Institutionen bei der Entstehung und Reproduktion von Sozialkapital vernachlässigt.
Kann der Wohlfahrtsstaat Sozialkapital zerstören?
Es besteht die These, dass eine zu starke staatliche Steuerung die Eigeninitiative und die informellen Netzwerke der Bürger schwächen könnte.
Welche Bedeutung hat das Buch "Bowling Alone" für die Forschung?
Das Werk von Robert Putnam löste eine weltweite Debatte über den Rückgang des zivilgesellschaftlichen Engagements und die Bedeutung von Gemeinschaften aus.
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- Isabelle Fischer (Author), 2013, Aufbau oder Zerstörung von Sozialkapital. Die Auswirkungen des Wohlfahrtsstaates, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209994