Die folgende Arbeit dreht sich um die Maßnahmen der Europäischen Union zur Bekämpfung der Euro-Schuldenkrise, konkret um die Kreditschirme EFSF und ESM, und um den Vertrag über Stabilität, Koordinierung und Steuerung (Fiskalvertrag). Ich postuliere in meiner Arbeit, dass die Maßnahmen die wichtigsten Elemente eines neuen Fiskalregimes in der Europäischen Union darstellen. Ziel der Arbeit ist die Analyse der Rolle des Bundesrepublik in Bezug auf die Herausbildung dieses Regimes.
Deutschland wurde im Verlauf der Bekämpfung der Euro-Krise häufig eine dominante, wenn nicht gar hegemoniale Stellung innerhalb der Europäischen Union zugeschrieben. Es stellt sich daher die Frage, ob, und wenn ja wie, Deutschland seine dominante Stellung nutzte, um die Struktur des neuen Fiskalregimes zu prägen.
In der politikwissenschaftlichen Theorie sind es vor allem hegemoniale Ansätze der Regimetheorie, die sich mit dem Zusammenhang von Hegemonie und der Herausbildung internationaler Kooperationen beschäftigen. In der Theorie entstehen hegemoniale Regime in erster Linie aufgrund der Interessen eines oder weniger Regimeteilnehmer. Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigen, dass man bei dem neuen Fiskalregime der Europäischen Union durchaus von einem hegemonialen Regime sprechen kann.
Inhaltsverzeichnis:
1 Einleitung
2 Theoretischer Rahmen: Systemische Erklärungsansätze der Regimetheorie und Theorie der hegemonialen Stabilität
2.1 Regimedefinition
2.2 Regimebedarf
2.3 Regimeentstehung
2.4 Regimestruktur
3 Das neue europäische Fiskalregime
3.1 Die Notwendigkeit der Zusammenarbeit in der europäischen Fiskalpolitik
3.2 Die Bereitstellung eines öffentlichen Gutes
3.3 Die Bausteine des Internationalen Regimes
4 Deutschlands hegemoniale Stellung in der Europäischen Union
4.1 Wirtschaftliche Dominanz anhand des Indikators Bruttoinlandsprodukt
4.2 Wirtschaftliche Dominanz anhand von Handelsanteilen
5 Deutschlands elementares Interesse an dem Erhalt der Währungsunion
5.1 Der Euro als Förderer der deutschen Exportwirtschaft
5.2 Finanzwirtschaftliche Verflechtung mit den Krisenstaaten
6 Die Durchsetzung deutscher Forderungen in den Ergebnissen des Fiskalpakts
6.1 Die formale Prägung des Fiskalpakts von deutschen Prinzipien und Normen
6.2 Frankreich als Teil einer hegemonialen Allianz?
7 Fazit
8 Literaturverzeichnis
9 Appendix
Häufig gestellte Fragen
Welche Rolle spielte Deutschland bei der Bekämpfung der Euro-Schuldenkrise?
Deutschland nahm eine dominante, teils hegemoniale Stellung ein und prägte maßgeblich die Struktur des neuen Fiskalregimes der EU.
Was sind die Kernbausteine des neuen Fiskalregimes?
Dazu gehören die Kreditschirme EFSF und ESM sowie der Fiskalvertrag (Vertrag über Stabilität, Koordinierung und Steuerung).
Was besagt die Theorie der hegemonialen Stabilität in diesem Kontext?
Sie erklärt, dass internationale Regime oft aufgrund der Interessen eines dominanten Teilnehmers entstehen, um Kooperation zu sichern.
Warum hat Deutschland ein elementares Interesse am Erhalt der Währungsunion?
Der Euro fördert die deutsche Exportwirtschaft massiv und Deutschland ist finanzwirtschaftlich eng mit den Krisenstaaten verflochten.
Konnten sich deutsche Forderungen im Fiskalpakt durchsetzen?
Ja, die Analyse zeigt, dass der Fiskalpakt formal stark von deutschen Prinzipien und Normen geprägt wurde.
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- Patrick Tammer (Author), 2012, Die Rolle Deutschlands bei der Entstehung des neuen Fiskalregimes der Europäischen Union, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209734