Die Beschäftigung mit der Frage „Was ist Kultur“ kann wohl kein Student eines Kulturwissenschaftlichen Faches umgehen. Ebenso unumgänglich sind Kulturtheorien verschiedenster Art, die sich mit Aspekten und Phänomenen einer Kultur auseinandersetzen, sie in ihrem Kontext analysieren und nach Erklärungen dafür suchen. Die behandelten Themen können dabei - wie die Kultur selbst - sehr komplex und vielseitig sein.
Im Folgenden sollen, nach einer kurzen Definition des Begriffs „Kulturtheorie“, drei unterschiedliche Beispiele klassischer Kulturtheorien zu bestimmten kulturellen Themen inhaltlich knapp dargestellt werden.
Auf eine Diskussion über die Definition von „Kultur“, sowie auf eine ausführliche Auseinandersetzung mit den genannten Kulturtheorien, muss auf Grund der beschränkten Kapazität eines Seminaraufsatzes an dieser Stelle verzichtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff „Kulturtheorie“
3. Klassische Beispiele für Kulturtheorien
3.1 Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit
3.2 Klassifikationsgitter und Gruppe
3.3 Verhält sich männlich zu weiblich wie Natur zu Kultur?
4. Schlusswort
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der Komplexität des Kulturbegriffs auseinander und untersucht drei klassische kulturtheoretische Ansätze, um deren Perspektiven auf das Zusammenspiel von Natur, Kultur und gesellschaftlichen Strukturen zu beleuchten.
- Definition und theoretische Einordnung des Begriffs „Kulturtheorie“
- Analyse der gesellschaftlichen Konstruktion von Wirklichkeit nach Berger und Luckmann
- Untersuchung von Ritualen und sozialen Systemen durch das Modell der Klassifikationsgitter von Mary Douglas
- Diskussion der kulturtheoretischen Perspektive auf Geschlechterrollen und das Verhältnis von Natur und Kultur bei Sherry Ortner
Auszug aus dem Buch
3.1 Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit
Da der Mensch mit keinem entwickelten Instinktapparat ausgestattet ist, nimmt er eine besondere Rolle im Reich der Tiere ein. Durch seine fehlende Sicherheit und seine unspezialisierte Ausrichtung bietet sich ihm jedoch ein breites Spektrum, in dem er seine naturgegebenen Fähigkeiten anwenden kann, wobei er die fehlende natürliche Umwelt durch eine künstliche Welt, die er durch sein Verhalten erst erschafft, ersetzt. Er prägt seine Umwelt und wird wiederum von dieser geprägt, wobei hier – neben der natürlichen - insbesondere seine kulturelle Umwelt gemeint ist (Vgl. Berger/Luckmann 1969, S.51ff.). Kultur wird somit zu einer zweiten Natur des weltoffenen Menschen (Vgl. Schnettler 2006, S. 173).
Doch wie konstruiert der Mensch nun seine gesellschaftliche Wirklichkeit? Nach Berger und Luckmann sieht sich der Mensch in jedem Augenblick des Lebens, als Ausgleich seines Mängelwesens, dazu gezwungen, zu handeln und wirkt somit in die Welt hinein. Jegliche daraus entstehenden Produkte haben für den Menschen wiederum eigenständige Faktizität und wirken ihrerseits auf das Individuum zurück (Vgl. Schnettler 2006, S.173).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Komplexität des Kulturbegriffs ein und erläutert die Absicht, klassische Theorien anhand ausgewählter Beispiele kurz darzustellen.
2. Der Begriff „Kulturtheorie“: Dieses Kapitel definiert Kulturtheorien als Ansätze, die Phänomene von Kultur und Gesellschaft aus verschiedenen disziplinären Perspektiven untersuchen und Sinnproduktion als zentrales Element identifizieren.
3. Klassische Beispiele für Kulturtheorien: Dieser Abschnitt umfasst drei zentrale Analysen, die verschiedene kulturtheoretische Denkmodelle exemplarisch erläutern.
3.1 Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit: Hier wird dargelegt, wie der Mensch als „Mängelwesen“ durch Handlungen seine eigene soziale Wirklichkeit erschafft, habitualisiert und institutionalisiert.
3.2 Klassifikationsgitter und Gruppe: Dieses Kapitel stellt Mary Douglas’ Theorie der Rituale und Klassifikationsgitter vor, die soziale Systeme durch das Verhältnis von Gruppenbindung und Kontrolle erklärt.
3.3 Verhält sich männlich zu weiblich wie Natur zu Kultur?: Sherry Ortners feministisch-anthropologische Perspektive auf die universelle Unterordnung der Frau durch kulturelle Zuschreibungen bildet den Kern dieses Kapitels.
4. Schlusswort: Das Schlusswort resümiert die Bedeutung der untersuchten Theorien für das Verständnis der Reflexion zwischen Kultur, Gesellschaft und Natur.
5. Literaturverzeichnis: Das Verzeichnis listet die verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Werke auf.
Schlüsselwörter
Kulturtheorie, Konstruktion der Wirklichkeit, soziale Institutionen, Habituierung, Rituale, Klassifikationsgitter, Sozialsysteme, Natur-Kultur-Dichotomie, Geschlechterrollen, Sherry Ortner, Mary Douglas, Berger und Luckmann, Identität, Symbolische Ordnung, Sozialisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Auseinandersetzung des Kulturbegriffs und stellt ausgewählte klassische Theorien vor, die das Verhältnis zwischen Individuum, Gesellschaft und Kultur untersuchen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die soziale Konstruktion von Wirklichkeit, die Bedeutung von Ritualen innerhalb sozialer Systeme sowie die kulturtheoretische Analyse von Geschlechterrollen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, dem Leser einen Überblick über verschiedene kulturtheoretische Perspektiven zu verschaffen und deren Relevanz für die Analyse menschlichen Handelns und gesellschaftlicher Strukturen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der Literaturanalyse, um komplexe kulturtheoretische Konzepte klassischer Autoren in prägnanter Form aufzuarbeiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Abschnitte: die Theorie der gesellschaftlichen Konstruktion der Wirklichkeit, das Modell der Klassifikationsgitter nach Mary Douglas und die Untersuchung des Verhältnisses von Natur und Kultur bei Sherry Ortner.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kulturtheorie, soziale Konstruktion, Habitualisierung, Rituale, Klassifikationsgitter, Natur-Kultur-Verhältnis und Geschlechterrollen.
Wie erklären Berger und Luckmann die Entstehung der gesellschaftlichen Wirklichkeit?
Sie beschreiben dies als Prozess, bei dem der Mensch durch habituierte Handlungen eine „zweite Natur“ erschafft, die schließlich als objektive, institutionalisierte Wirklichkeit wahrgenommen wird.
Warum ordnen Kulturen laut Sherry Ortner die Frau der Natur zu?
Ortner argumentiert, dass dies auf eine kulturelle Fehlinterpretation der weiblichen Physiologie und sozialen Rolle zurückzuführen ist, die historisch zu einer symbolischen Abwertung gegenüber dem kultur-schaffenden Mann führte.
- Arbeit zitieren
- Lisa Fink (Autor:in), 2013, Kulturtheoretische Konzepte bei Klassikern der Kulturtheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209553