Einleitung
Im Januar 2011 lief mit THE KING’S SPEECH in den britischen Kinos ein Historienfilm an, der das Leben von George VI. in Erinnerung rief. Dieser schien zunächst körperlich und psychisch für die mit diesem Titel verbundenen Aufgaben und Pflichten völlig ungeeignet und wird dennoch in der britischen Öffentlichkeit heute als Symbol des nationalen Widerstands gegen Nazi-Deutschland angesehen. Der Film ist aber nicht nur das Porträt eines ungewöhnlichen Monarchen, sondern er betont auch die Rolle der Monarchie während des Zweiten Weltkrieges.
Da historische Spielfilme immer zugleich Darstellung einer historischen Epoche und Quelle für die Entstehungszeit des Films sind, stellt sich die Frage, welche Bedeutung THE KING’S SPEECH für die britische Erinnerungskultur hat. Was sagt der Film über das britische Geschichtsbild und den Stellenwert der Monarchie für die nationale Identität in der heutigen Zeit aus?
Um der Analyse des Films eine geschichtswissenschaftlich fundierte Basis zu geben, wird zunächst die Bedeutung der britischen Monarchie für die nationale Identität mit Hilfe der existierenden Forschungsliteratur herauszuarbeiten sein. Um die starken Veränderungen in der Wahrnehmung der britischen Monarchie in der Öffentlichkeit nachzuvollziehen, wird hier die Entwicklung seit dem späten 18. Jahrhundert skizziert. Im Anschluss werden die im Film vorkommenden Könige George V, Edward VIII und George VI vorgestellt und ihre historische Bedeutung beschrieben.
Abschließend wird anhand einer Analyse ausgewählter Szenen versucht, die eingangs gestellten Fragen auf Grundlage des erarbeiteten Hintergrundwissens zu beantworten. Da diese Arbeit den Fokus auf die britische Monarchie richtet, kann die Darstellung anderer bekannter und bedeutender Figuren nicht geleistet werden. Dazu zählen beispielsweise der australische Sprachtherapeut Lionel Logue, der König George VI behandelte, Winston Churchill, die wohl größte Ikone der Erinnerungskultur Großbritanniens im 20. Jahrhundert, sowie Cosmo Lang, Erzbischof von Canterbury, als Repräsentant der anglikanischen Kirche.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
2. Die britische Monarchie und nationale Identität
3. Die royalen Protagonisten und ihre Rollen in der Zeit
3.1. George V
3.2. Edward VIII
3.3. George VI
4. Filmanalyse
4.1. Filmimmanente Analyse
4.2. Filmtranszendierende Analyse
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung des Historienfilms "THE KING’S SPEECH" für die britische Erinnerungskultur und dessen Einfluss auf das Verständnis der Monarchie sowie der nationalen Identität im modernen Großbritannien. Dabei wird analysiert, inwiefern der Film das Bild des Monarchen George VI als Symbol nationalen Widerstands prägt und welche Rolle die Monarchie als identitätsstiftende Institution einnimmt.
- Die historische Entwicklung der britischen Monarchie und deren Wahrnehmung durch die Öffentlichkeit.
- Die Charakterisierung und historische Bedeutung der Monarchen George V, Edward VIII und George VI.
- Die filmische Inszenierung von George VI im Kontext der britischen Identitätsbildung.
- Die Bedeutung von Marketing, öffentlicher Rezeption und Auszeichnungen für den Erfolg des Films.
Auszug aus dem Buch
3.3. George VI
George VI hatte nach der Abdankung seines Bruders die schwierige Aufgabe, das Ansehen der Monarchie und der königlichen Familie wieder herzustellen. Dabei gaben seine Voraussetzungen auf den ersten Blick Anlass zur Skepsis, ob er dieser Aufgabe überhaupt gewachsen war:
„Lamentably ill-educated, blighted by poor health, devoid of presence or glamour, and further hampered by overwhelming shyness and debilitating stammer, George VI was initially greeted with muted enthusiasm.“
Seine mangelhafte Bildung, sein schlechter gesundheitlicher Zustand und das Fehlen jeglicher Ausstrahlung waren also denkbar schlechte Voraussetzungen für eine derart bedeutende Figur der Öffentlichkeit. Er war ein Mann mit Minderwertigkeitskomplexen, begrenztem Intellekt, kindlich simplen religiösen Vorstellungen und ohne jedes Interesse an Kunst und Literatur. Aufgrund seiner Abhängigkeit von seiner Mutter, Queen Mary, und seiner Ehefrau Elizabeth kommt Cannadine zu der harschen Beschreibung George VIs als „the ultimate castrated male“.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der monarchischen Erinnerungskultur und die zentrale Fragestellung zur Identitätsbedeutung des Films.
2. Die britische Monarchie und nationale Identität: Darstellung der historischen Entwicklung des monarchischen Selbstverständnisses seit dem späten 18. Jahrhundert als identitätsstiftende Instanz.
3. Die royalen Protagonisten und ihre Rollen in der Zeit: Analyse der Biografien von George V, Edward VIII und George VI im Hinblick auf deren öffentliche Wahrnehmung und symbolische Funktionen.
4. Filmanalyse: Detaillierte Untersuchung der filmischen Darstellung sowie der plurimedialen Rezeptionsgeschichte von "THE KING’S SPEECH".
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Rolle des Films als Instrument der nationalen Identitätsbildung und Bedeutung der Monarchie für das kollektive Gedächtnis.
Schlüsselwörter
THE KING’S SPEECH, George VI, britische Monarchie, nationale Identität, Erinnerungskultur, Historienfilm, kollektive Erinnerung, Empire, Identitätsbildung, Filmrezeption, Lionel Logue, Edward VIII, George V, Royal Family, nationale Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den Historienfilm "THE KING’S SPEECH" und dessen Funktion als Medium der Erinnerungskultur, um zu verstehen, wie der Film das britische Geschichtsbild und das Selbstverständnis der Nation beeinflusst.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung der britischen Monarchie, die Bedeutung nationaler Symbole, die Analyse von filmischen Inszenierungen sowie die öffentliche und mediale Rezeption eines historischen Spielfilms.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu untersuchen, welche Bedeutung der Film "THE KING’S SPEECH" für die britische Erinnerungskultur hat und wie der Film das Bild der Monarchie in der heutigen Zeit prägt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt einen geschichtswissenschaftlichen Ansatz kombiniert mit kulturwissenschaftlicher Gedächtnisforschung, inklusive einer filmimmanenten Szenenanalyse und einer filmtranszendierenden Untersuchung der plurimedialen Konstellationen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einbettung der Monarchie, die Charakteranalyse der drei Könige George V, Edward VIII und George VI sowie eine detaillierte Filmanalyse, die sowohl ästhetische als auch rezeptionsgeschichtliche Aspekte beleuchtet.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie britische Identität, Monarchie, Erinnerungskultur, historischer Spielfilm, nationale Identität und kollektive Erinnerung beschreiben.
Welche Rolle spielte der Sprachfehler von George VI im Film?
Der Sprachfehler dient im Film als zentrales Motiv für seine persönliche Entwicklung vom unsicheren Prinzen zum starken Königssymbol und wird als Hindernis dargestellt, das durch therapeutische Unterstützung überwunden werden muss.
Wie unterscheidet sich die Darstellung von George VI von seinem Bruder Edward VIII?
Während George VI im Film als moralisch überlegen, pflichtbewusst und familienorientiert dargestellt wird, verkörpert Edward VIII durch seine Abdankung und den Fokus auf Wallis Simpson das Scheitern an gesellschaftlichen Erwartungen und pflichtbewussten Ethos.
Warum wird die Monarchie im Film als "integrativer Faktor" bezeichnet?
Die Monarchie fungiert als identitätsstiftende Instanz, die durch die Präsentation harmonischer Familienbilder und eine moralische Vorbildfunktion dazu beiträgt, nationale Identität in Zeiten der Krise zu festigen.
- Quote paper
- Bachelor of Arts Volker Sundermann (Author), 2012, George VI als royale Ikone der Erinnerungskultur im Film "The King's Speech" und seine Bedeutung für die britische Identität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208914