Der Begriff Sprachförderung ruft in der Regel ein sehr klassisches Bild der Sprachförderung hervor. Meist umfasst es die Förderung in den Kindergarten- und Vorschuljahren. Eventuell lässt sich dies noch auf die Grundschulzeit ausdehnen. Diese Vorstellung ist in der Regel die erste Assoziation mit dem Begriff „Sprachförderung“. Die wenigsten denken bei „Sprachförderung“ an Schüler der Sekundarstufe geschweige denn an Erwachsene. Auch die Förderung in Krankheitsfällen wird zunächst wenig berücksichtigt. Die vorliegende Arbeit möchte deshalb das breit gefächerte Gebiet der Sprachförderung und Sprachtherapie näher beschreiben und den Blickwinkel für Außenstehende öffnen im Hinblick auf die Fragestellung: Unter welchen Bedingungen kann Sprachförderung erforderlich sein? Aufgrund des geringen Umfangs kann diese Arbeit lediglich einen Überblick bieten und nicht alle Situationen schildern, in denen eine Sprachförderung angebracht wäre.
Diese Arbeit klärt zunächst den Unterschied der beiden Begriffe „Sprachförderung“ und „Sprachtherapie“ und bietet jeweils eine Definition. Daraufhin soll der Sprachförderbedarf bei Kindern mit Deutsch als Zweitsprache sowie bei Menschen mit Deutsch als Fremdsprache untersucht werden. Die spezifische Sprachentwicklungsstörung wird erklärt und ebenfalls auf Möglichkeiten der Sprachförderung hin untersucht. Anschließend soll ebendiese Untersuchung auf für bestimmte Krankheitsbilder vorgenommen werden. Dazu gehören Hörschädigungen, geistige Beeinträchtigungen, das Down-Syndrom, sowie die Aphasie. Abschließend werden die wichtigsten Erkenntnisse dieser Arbeit zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sprachförderung und Sprachtherapie
3. DaZ und DaF
4. Spezifische Sprachentwicklungsstörung
5. Hörschädigung
6. Geistige Beeinträchtigung
7. Down-Syndrom
8. Aphasie
9. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das weit gefächerte Gebiet der Sprachförderung und Sprachtherapie. Das primäre Ziel ist es, den Blickwinkel für die verschiedenen Bedingungen zu öffnen, unter denen eine sprachliche Förderung erforderlich sein kann, und dabei den Unterschied zwischen diesen beiden Begriffen sowie deren Anwendung bei verschiedenen Zielgruppen und Krankheitsbildern zu verdeutlichen.
- Differenzierung der Begriffe Sprachförderung und Sprachtherapie.
- Sprachförderbedarf bei Kindern mit Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache.
- Analyse der spezifischen Sprachentwicklungsstörung.
- Förderansätze bei Hörschädigungen und geistigen Beeinträchtigungen.
- Spezielle Förderformen bei Down-Syndrom und Aphasie.
Auszug aus dem Buch
4. Spezifische Sprachentwicklungsstörung
Für die normale Sprachentwicklung von Kindern gibt es ganz typische Entwicklungsschritte. Die zeitliche Abfolge dieser Entwicklungsschritte ist für die meisten normalentwickelten Kinder identisch. Nicht aber der genaue Zeitpunkt, zu dem ein bestimmtes Entwicklungsstadium erreicht wird. Hierbei handelt es sich um einen breiteren Variationsbereich, in dem sich die Kinder ganz unterschiedlich bewegen können. Erst wenn der sprachliche Entwicklungsstand diesen Variationsbereich unterschreitet, kann man von einer Sprachentwicklungsstörung sprechen (vgl. Jungmann & Fuchs, 2009, S. 63). Bei mehrsprachigen Kindern muss zudem der Sprachstand in allen gesprochenen Sprachen untersucht werden. Eine spezifische Sprachentwicklungsstörung liegt in diesem Fall nur dann vor, wenn in keiner der gesprochenen Sprachen der Normbereich erreicht werden kann. Es handelt sich allerdings nicht um eine spezifische Sprachentwicklungsstörung, wenn eine Beeinträchtigung in Form von z.B. Hirnschädigungen, Hörschäden, Krankheiten wie Down-Syndrom oder Autismus u.ä. vorliegt. Außerdem muss sich der Intelligenzquotient in einem altersgemäß normalen Bereich bewegen. (vgl. Metz & Petermann, 2010, S. 1126). Man geht davon aus, dass etwa 6-8% der Kinder von einer spezifischen Sprachentwicklungsstörung betroffen sind, wenn sie eingeschult werden.
Umso früher eine Sprachentwicklungsstörung diagnostiziert wird, desto früher kann auch ein angemessener Therapieplan erstellt werden. Auch hier gilt, umso früher die Therapie beginnen kann, desto größter ist die Chance, Rückstände eventuell wieder aufzuholen (vgl. Steininger, 2004, S. 26). Es lassen sich bereits im ersten Lebensjahr eines Kindes spezifische Vorläuferfähigkeiten überprüfen, die Aufschluss darüber geben können, ob die Gefahr besteht, eine spezifische Sprachentwicklungsstörung zu entwickeln.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, definiert den Rahmen der Arbeit und grenzt die Fragestellung zur Notwendigkeit von Sprachförderung ein.
2. Sprachförderung und Sprachtherapie: Dieses Kapitel klärt die begrifflichen Unterschiede und stellt die verschiedenen Interventionsstärken in einer übersichtlichen Tabelle gegenüber.
3. DaZ und DaF: Hier wird der Sprachförderbedarf bei Kindern mit Migrationshintergrund sowie bei Menschen, die Deutsch als Fremdsprache erlernen, thematisiert.
4. Spezifische Sprachentwicklungsstörung: Es werden Definition, Diagnostik und das Risiko persistierender Störungen bei der spezifischen Sprachentwicklungsstörung erläutert.
5. Hörschädigung: Dieses Kapitel beleuchtet, wie eine Beeinträchtigung des Hörvermögens den Spracherwerb beeinflusst und welche vorschulischen Fördermaßnahmen möglich sind.
6. Geistige Beeinträchtigung: Hier steht die individuelle Sprachförderung bei Menschen mit geistiger Beeinträchtigung im Vordergrund, die häufig mit anderen Behinderungsformen einhergeht.
7. Down-Syndrom: Dieses Kapitel beschreibt die spezifischen physiologischen Faktoren bei Trisomie 21 und stellt entsprechende Förderansätze vor.
8. Aphasie: Es wird die Aphasie als erworbene Sprachstörung definiert, deren Prognose und Behandlungsmöglichkeiten nach einem Schlaganfall oder einer Hirnverletzung diskutiert werden.
9. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Bilanzierung der Ergebnisse ab, die unterstreicht, wie wichtig frühzeitige Diagnostik und individuelle Förderung in allen Lebensbereichen sind.
Schlüsselwörter
Sprachförderung, Sprachtherapie, Sprachentwicklung, Sprachentwicklungsstörung, DaZ, DaF, Migrationshintergrund, Hörschädigung, Geistige Beeinträchtigung, Down-Syndrom, Aphasie, Diagnostik, Interventionsstärke, Frühförderung, Sprachkompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Notwendigkeit von Sprachförderung über den klassischen Elementarbereich hinaus und untersucht verschiedene Personengruppen und Krankheitsbilder, bei denen ein Sprachförderbedarf existiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition und Abgrenzung von Sprachförderung und Sprachtherapie sowie die Analyse spezifischer Förderbedarfe bei Migrationshintergrund und medizinischen Diagnosen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, unter welchen unterschiedlichen Bedingungen Sprachförderung erforderlich sein kann und wie eine fundierte Diagnostik als Basis für eine erfolgreiche Intervention dient.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die theoretische Grundlagen und Erkenntnisse aus verschiedenen Fachgebieten wie Pädagogik, Psychologie und Sprachheilpädagogik zusammenführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Abgrenzung der Begriffe und die detaillierte Untersuchung einzelner Förderbereiche, von DaZ/DaF bis hin zu neurologischen oder genetisch bedingten Sprachstörungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Sprachförderung, Sprachtherapie, Sprachentwicklungsstörung, Migrationshintergrund, Down-Syndrom und Aphasie.
Warum bleibt bei Kindern mit Migrationshintergrund der Förderbedarf oft unentdeckt?
Schwierigkeiten beim Zweitspracherwerb werden oft fälschlicherweise als normale Verzögerung wahrgenommen, was dazu führt, dass tatsächliche Spracherwerbsstörungen häufiger "missing identity" unterliegen.
Wie unterscheidet sich die Sprachförderung bei Aphasie von der Förderung bei Kindern?
Im Gegensatz zur angeborenen Sprachstörung tritt die Aphasie erst nach Abschluss des Spracherwerbs plötzlich auf, meist infolge einer Hirnverletzung, und erfordert eine auf das Sprachzentrum fokussierte Rehabilitation.
- Arbeit zitieren
- Katharina Hock (Autor:in), 2012, Unterschiedlichste Formen der Sprachförderung - Unter welchen Bedingungen kann Sprachförderung erforderlich sein?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207120