STUNDENZIEL: Die SuS erkennen in der Schuldzuweisung für die Gründerkrise von 1873 sowie der Theorie des rassischen Antisemitismus die Gründe für eine erneute Ausgrenzung der Juden im Kaiserreich (Minimallehrziel).
Unterrichtsentwurf
NAME:
FACH:GeschichteLERNGRUPPE:9c
DATUM:31.08.2010ZEIT:6. Stunde (12:25-13:10)RAUM:
Thema der Unterrichtseinheit:Das Deutsche Kaiserreich 1871-1918
Themen der bereits gehaltenen Stunden der UE:
- Entstehung des Kaiserreiches 1871 (Schritte zur Reichsgründung, Kaiserproklamation 1871)
- Aufbau des Reiches (Verfassung, Parteienspektrum)
- Umgang mit Minderheiten (Politik mit Zuckerbrot und Peitsche, Kulturkampf)
- In der vorangegangenen Stunde rückte eine weitere Gruppe der sogenannten ‚Reichsfeinde‘ in den Mittelpunkt der Betrachtung: das Judentum. Die SuS haben mittels eines historischen Abrisses der Geschichte der Juden und ihrer Stellung im Kaiserreich erarbeitet, dass diese zahlenmäßige Minderheit nach Jahrhunderten der Verfolgung und Ausgrenzung mit der Verfassung von 1871 die rechtliche Gleichberechtigung erlangten und das jüdische Leben in Deutschland aufzublühen begann. Die heutige Stunde knüpft an diese Thematik an.
Thema der nächsten Stunde:Das Judentum im Kaiserreich – Zionismus und Assimilation als Reaktionsoptionen auf die erneute Anfeindung
Hausaufgabe zur Stunde: keine, da die Konfrontation mit dem zweiten Auftaktmaterial (M1) gemeinsam erfolgen soll
Hausaufgabe zur kommenden Stunde: ist flexibel angelegt und entscheidet sich je nach erreichter Unterrichtsphase
Beobachtungswünsche an den Fachleiter:
- Weist die Stunde in ihrer Planung eine konsequente Schwerpunktsetzung und Reduktion zugunsten der Auswertungsgenauigkeit und der Vertiefung auf?
- Akzentuierung wichtiger inhaltlicher Aspekte im Zuge der Stundendurchführung
- Formulierung der Lehrziele
THEMA der STUNDE: Das Judentum im Kaiserreich – Worin liegen die Ursachen für die erneute Ausgrenzung?
STUNDENZIEL:Die SuS erkennen in der Schuldzuweisung für die Gründerkrise von 1873 sowie der Theorie des rassischen Antisemitismus die Gründe für eine erneute Ausgrenzung der Juden im Kaiserreich (Minimallehrziel).
Dazu sollen sie im Einzelnen:
1 ihr Wissen über die Stellung des Judentums im Kaiserreich um 1871 reaktivieren und gegebenenfalls erweitern, indem sie ihre Kenntnisse anhand des Tafelbildes der letzten Stunde zusammentragen und bündeln. (inhaltsbezogene Kompetenz)
2 erkennen, dass die Werbeanzeige eines Frankfurter Hotels von 1897 die Ausgrenzung der Juden proklamiert, indem sie eine zeitgenössische Ansichtskarte (M1) beschreiben und deuten (Medien- und Methodenkompetenz).
3 zum Stundenthema hingeführt werden, indem sie eine innere Fragehaltung entwickeln, aus der heraus sie die problemorientierte Leitfrage (Worin liegen die Ursachen für die erneute Ausgrenzung?) formulieren. (Kommunikationskompetenz)
4 den Kontrast zwischen der zukunftsversprechenden Stellung der Juden um 1871 und deren erneuter Ausgrenzung um 1897 klären, indem sie erste Hypothesen zur Beantwortung der Stundenfrage entwickeln und formulieren. (Kommunikationskompetenz)
5 in der Schuldzuweisung für die Gründerkrise von 1873 sowie der Theorie des rassischen Antisemitismus die zentralen Erklärungsansätze für eine erneute Ausgrenzung der Juden im Kaiserreich erkennen, indem sie das Material (M2)unter der vorgegebenen Aufgabenstellung bearbeiten und die Ergebnisse im Unterrichtsgespräch verbalisieren. (inhaltsbezogene Kompetenz; Medien- und Methodenkompetenz)
6 eine Antwort auf die Stundenfrage formulieren, indem sie ihre aufgestellten Thesen mit den Arbeitsergebnissen abgleichen. (Kommunikationskompetenz)[Minimallehrziel]
7 ihre Kenntnisse vertiefend anwenden, indem sie das Einstiegsmaterial (M1) – ggf. impulsgeleitet - umfassend deuten. (Deutungs- und Reflexionskompetenz) [Maximallehrziel/ Hausaufgabe 1]
8 [did. Reserve]: sich vertiefend mit der Thematik Anfeindung bzw. Ausgrenzung auseinandersetzen, indem sie durch eine angeregte Perspektivübernahme eigene Meinungen, Sichtweisen und Erfahrungen im Plenum zusammentragen. (Deutungs- und Reflexionskompetenz)
9 [Hausaufgabe 2]: die Stundenergebnisse durch eine Quellenanalyse erweitern, indem sie im Zionismus und in der Assimilation unterschiedliche Reaktionen der Juden auf die erneute Anfeindung erkennen (M3).(inhaltsbezogene Kompetenz; Deutungs- und Reflexionskompetenz)
[...]
Häufig gestellte Fragen
Warum wurden Juden im deutschen Kaiserreich erneut ausgegrenzt?
Trotz der rechtlichen Gleichstellung von 1871 führten die wirtschaftliche 'Gründerkrise' von 1873 (Sündenbockfunktion) und das Aufkommen des rassischen Antisemitismus zu neuer Ausgrenzung.
Was war die Gründerkrise von 1873?
Es war ein schwerer Börsenkrach und wirtschaftlicher Einbruch, für den antisemitische Agitatoren fälschlicherweise jüdische Geschäftsleute und Bankiers verantwortlich machten.
Was unterscheidet den religiösen vom rassischen Antisemitismus?
Der religiöse Antijudaismus richtete sich gegen den Glauben. Der rassische Antisemitismus im Kaiserreich behauptete eine biologische Minderwertigkeit, der man auch durch Taufe nicht entkommen konnte.
Wie reagierten Juden auf die Anfeindungen?
Zwei Hauptreaktionen waren die Assimilation (Anpassung an die deutsche Gesellschaft) und der Zionismus (Bestreben nach einem eigenen jüdischen Nationalstaat).
Was zeigt das Beispiel der Frankfurter Hotel-Anzeige von 1897?
Solche Anzeigen ('Juden nicht erwünscht') belegen die gesellschaftliche Realität der Ausgrenzung, die trotz formaler gesetzlicher Gleichberechtigung im Alltag weit verbreitet war.
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- Nina Hollstein (Author), 2010, Unterrichtsentwurf in Geschichte für Klasse 9 - Das Judentum im Kaiserreich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206037