Seit jeher bietet die Debatte zum höchsten Gut reichlich Diskussionsstoff. Worin besteht das Endziel? Was ist der wahre Frieden? Wo findet sich das höchste Gut? Wie kann es erlangt werden? All diesen Fragen widmeten sich bereits in der Antike und Spätantike Philosophen und Theologen und kamen dabei zu meist höchst unterschiedlichen Argumenten und Antworten.
Die Stoiker knüpften den finis boni an die Tugend und tugendhaftes Leben. Dabei sei die menschliche Seele bereits im Diesseits frei von allen Übeln und Affekten. So könne die vollkommene Glückseligkeit erlangt werden. Die Tugend gilt also als „höchste Leistung der menschlichen Seele,“ so Krieger. Aristoteles und Platon hingegen verbanden das höchste Gut mit dem vollkommen schönen, glückseligen Leben. Dabei wird die Wirkung der Tugend sowie der naturgemäßen Güter herangezogen. Epikur sah das höchste Gut in der voluptas – der Lust als Schmerlosigkeit. Die geistige Lust sei dabei wichtiger als die Körperliche. Auch Cicero hat sich in seinem Werk De finibus bonorum et malorum, wie der Titel bereits sagt, diesem Thema angenommen und diskutiert dabei die Ansichten Aristoteles, Epikurs und der Stoiker.
Der Theologe und Kirchenvater Augustinus, einstiger Bischof von Hippo, hat sich – nach dem Fall Roms im Jahre 410 - in seinem Werk De civitate Dei der Frage nach dem summum bonum hingegeben. Vor allem im neunzehnen Buch diskutiert er die philosophischen Meinungen zu diesem Thema, die oben bereits kurz vorgestellt wurden, und begründet darauf die christliche Ansicht, dass das höchste Gut nicht, wie die Philosophen behaupten, in diesem Leben zu finden sei, sondern erst im Jenseits, dem ewigen Leben, erlangt werden könne.
Diese Arbeit soll sich mit der Argumentation des Augustinus zum höchsten Gut und den christlichen Ansichten – vor allem wie diese sich von den Ansätzen der Philosophen unterscheiden – auseinandersetzen. Dabei wird zuerst allgemein in das Buch XIX des Werkes De civitate Dei eingeführt und dessen grundlegender Aufbau vorgestellt. Danach soll es insbesondere um relevante Textpassagen aus den Kapiteln eins und vier desselben Buches gehen, wobei Schritt für Schritt die Argumentation des Kirchenvaters hinsichtlich des summum bonum analysiert und interpretiert wird, um dabei die christlichen Ansichten denen der Philosophen gegenüberzustellen.
Inhalt
1. Einleitung
2. Einführung zu Buch XIX
3. Das höchste Gut nach der Meinung der Christen gegenüber den Philosophen
3.1 Buch XIX Kapitel 1 – Die Lehren der Philosophen
3.2 Buch XIX Kapitel 4 – Christiani contra philosophos
4. Zusammenfassung
Häufig gestellte Fragen
Was versteht Augustinus unter dem „höchsten Gut“ (summum bonum)?
Für Augustinus ist das höchste Gut nicht im irdischen Leben zu finden, sondern besteht im ewigen Leben bei Gott. Er setzt dies in Kontrast zu den antiken Philosophen.
Wie unterscheidet sich Augustinus von den Stoikern?
Die Stoiker sahen das höchste Gut in der Tugend und glaubten, durch sie bereits im Diesseits Glückseligkeit zu erreichen. Augustinus argumentiert, dass die Tugend im irdischen Elend nur ein Mittel zum Zweck ist, aber nicht das Ziel selbst.
Was kritisiert Augustinus an Epikur?
Augustinus lehnt die Ansicht ab, dass die Lust (voluptas) oder die bloße Abwesenheit von Schmerz das höchste Gut darstellt, da dies die geistige und göttliche Bestimmung des Menschen ignoriert.
Welche Rolle spielt der „Friede“ in Buch XIX von De civitate Dei?
Augustinus definiert den wahren Frieden als „Ordnung der Ruhe“ (pax omnium rerum tranquillitas ordinis), der vollkommen erst im Gottesstaat (civitas dei) erreicht werden kann.
Warum ist das irdische Glück laut Augustinus unvollkommen?
Er verweist auf die ständigen Übel, Krankheiten und Affekte des Lebens. Wahre Glückseligkeit setzt Unvergänglichkeit voraus, die nur im jenseitigen Leben existiert.
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- David Stehling (Author), 2010, Augustinus und das höchste Gut nach Meinung der Christen gegenüber den Philosophen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205519