„ (…) der Historiker darf ruhig für seine Zwecke die Literatur benutzen, nur darf er nicht ver-suchen, seine geschichtswissenschaftlichen Wahrheiten auch als literaturwissenschaftliche gelten zu lassen, und vice versa.“1
Zu diesem Fazit kam der Literaturwissenschaftler Battafarano. Es zeugt von einer Spaltung der „Wahrheit“ in der Deutung des Werkes. Aber wie steht es wirklich um die Grimmels-hausenforschung?
Der Simplicissimus Teutsch ist der wohl meist besprochene, analysierte deutsche Barockro-man. Beschäftigt man sich näher mit der Thematik der Kriegsdarstellung, so stößt man auf einen scheinbar unüberwundenen Dissens in der Forschungsdebatte zwischen Literaturwis-senschaftlern und Historikern. Im Zuge dieser Arbeit soll die Sicht beider Disziplinen auf den Simplicissimus erläutert und die Kritik der Literaturwissenschaft auf ihre Stichhaltigkeit un-tersucht werden.
Inwiefern sind die Vorwürfe gegenüber der Geschichtswissenschaft gerechtfertigt? Letztlich stellt sich die Frage, ob es noch eine neue Perspektive für das Werk als Quelle gibt. Hierin liegt die Motivation dieser Arbeit.
Die Fragestellung soll anhand von Beiträgen führender Literaturwissenschaftler auf dem Ge-biet der Grimmelshausenforschung untersucht werden. Hierbei werden die Aufsätze von Battafarano, Merzhäuser und anderen im Mittelpunkt stehen. Die Vorwürfe werden an exemplarisch ausgewählten, geschichtswissenschaftlichen Texten untersucht, zu nennen sind hierbei Burschel und Kaudelka, sowie Wette oder Kroener. Im Mittelpunkt steht die Untersu-chung der Sekundärliteratur, auf die Primärquelle den Simplicissimus Teutsch selbst wird so-mit nur indirekt in der Interpretationsdarstellung zurückgegriffen.
Zunächst wird die Autobiographie des Autors Grimmelshausen und sein Werk kurz vorge-stellt. In einem zweiten Schritt wird die allgemeine Forschungsmeinung und Interpretation des Werkes der Literaturwissenschaft wiedergegeben. Im weiteren Verlauf der Arbeit werden die Merkmale der Intertextualität und der Gewalt in den Kriegsdarstellungen herausgearbeitet.
Dies mündet in Kritik an der Geschichtswissenschaft. In einem letzten Schritt wird diese un-tersucht und diskutiert, um abschließend auf die Fragestellung antworten zu können.
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1 Vgl. Italo Michele Battafarano: Was Krieg vor ein erschreckliches und grausames Monstrum seye. Der Drei-ßigjährige Krieg in den Simplicianischen Schriften Grimmelhausens, in: Simpliciana 10 (1988), S. 46.
Inhalt
1. Einleitung
2. Der Autor und sein Werk - eine kurze Einführung
3. Der Simplicissimus aus der Sicht der Literaturwissenschaft
3.1 Rezeption und Interpretation
3.2 Intertextualität im Simplicissimus
3.3 Kritik an der geschichtswissenschaftlichen Interpretationsweise des Simplicissimus
4. Der Simplicissimus aus der Sicht der Historiker
4.1 Simplicissimus als Quelle
4.2 Erkenntnisse und Negierung der Vorwürfe
5. Fazit
Quellen und Literaturverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in Grimmelshausens "Simplicissimus Teutsch"?
Es ist der bedeutendste deutsche Barockroman, der die Abenteuer eines Jungen während des Dreißigjährigen Krieges schildert und dabei ein drastisches Bild der damaligen Zeit zeichnet.
Warum gibt es einen Streit zwischen Literaturwissenschaft und Geschichtswissenschaft über das Werk?
Historiker nutzen den Roman oft als historische Quelle für den Alltag im Krieg, während Literaturwissenschaftler davor warnen, literarische Fiktion und Intertextualität mit historischer Wahrheit gleichzusetzen.
Was bedeutet "Intertextualität" im Kontext des Simplicissimus?
Grimmelshausen griff auf viele andere literarische Vorlagen und Motive zurück. Das bedeutet, dass nicht jede Kriegsschilderung auf eigenem Erleben basiert, sondern literarisch konstruiert sein kann.
Wie wird Gewalt im Roman dargestellt?
Die Kriegsdarstellungen sind oft grausam und erschreckend. Die Forschung untersucht, ob diese Gewalt als realistische Abbildung oder als moralische Mahnung zu verstehen ist.
Kann der Simplicissimus heute noch als verlässliche historische Quelle dienen?
Die Arbeit diskutiert, inwieweit der Roman trotz seiner literarischen Form Erkenntnisse über die Mentalität und die Schrecken des 17. Jahrhunderts liefern kann.
- Quote paper
- Nicolas Ulbrich (Author), 2012, Kriegsdarstellung in Grimmelshausens "Simplicissimus", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204052