Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Theologie - Sonstiges

Rastafari - Zwischen Religion und Popkultur

Eine hermeneutische Analyse

Titel: Rastafari - Zwischen Religion und Popkultur

Hausarbeit , 2012 , 30 Seiten

Autor:in: Sarah Al-Bashtali (Autor:in)

Theologie - Sonstiges
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Seit den siebziger Jahren ist Reggae aus der internationalen Musiklandschaft nicht mehr wegzudenken, bis heute verschreiben Künstler ihr Leben dem Reggae und bezeichnen sich als Rastafari. Doch Rastafari bedeutet mehr als nur Reggae, es ist Religion der Unterdrückten, Protestbewegung der Armen, millenarische Bewegung, messianischer Kult, Eskapismus, eine Kultur des Widerstandes, Lifestyle, Jugendkultur und nicht zuletzt auch eine Mode. Wie viele Anhänger den Rastafari-Glauben zurzeit leben, ist schwer zu sagen, denn viele Rastafari sind offiziell Atheisten oder gehören einer anderen Religion an. Doch findet man die ‚Dreads‘ auf der ganzen Welt, es gibt sie in den USA, in Russland, England, Deutschland, den Niederlanden, Afrika und in vielen Ländern Südamerikas. Selbst in Japan haben sich Rastafari-Gemeinden zusammengefunden. Doch wie lässt sich erklären, dass eine kleine religiöse Gemeinschaft aus Jamaika, die so eng mit der Geschichte der Insel verwoben ist, weltweit bekannt und verbreitet ist? Dieser Frage soll in der vorliegenden Arbeit nachgegangen werden.

Der Versuch, eine Religion zu verstehen, zu analysieren und zu interpretieren kann der Wissenschaft der Hermeneutik zugerechnet werden. Es gibt eine Vielzahl hermeneutischer Theorien, die für das Thema der Rastafari mehr oder weniger erkenntnisgewinnend sind. Aus diesem Grund wird in dieser Arbeit das hermeneutische Handwerkszeug aus dem Gegenstand der Rastafari selbst entwickelt. Eine detaillierte Analyse hebt die Wichtigkeit der Symbole im Rastafari-Glauben hervor, dies führt zu Ernst Cassirer und seiner hermeneutischen Theorie über den Mensch als symbolisches Wesen.

Im Folgenden wird also zunächst die Entwicklung der Rastafari-Religion von ihren Anfängen in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts bis ins 21. Jahrhundert beschrieben. Daraufhin werden im dritten Kapitel die Kernelemente der Rastafari-Ideologie genauer beleuchtet, die zu der hermeneutischen Erklärung von Symbolen im vierten Kapitel überleiten. Im fünften Kapitel wird dann das bis dahin erarbeitete Material in Form zweier Liedinterpretationen angewendet, ein Song vom bekennenden Rastafari Bob Marley aus den Erfolgszeiten des Reggae in den siebziger Jahren und zum aktuellen Vergleich einen Song der deutschen Band „Die Söhne Mannheims“ aus dem Jahr 2004, die sich in einem deutschen Kontext auf die Rastafari-Ideologie beziehen. Abschließend wird noch einmal reflektiert, was den internationalen Erfolg der Rastafari ausmacht.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Rastafari – von den Ursprüngen bis ins 21. Jahrhundert

2.1 Religiöse Wurzeln

2.2 Marcus Garvey – die Antwort auf die Entfremdung der Schwarzen von sich selbst

2.3 Äthiopien und der Löwe von Juda

2.4 Gott ist schwarz!

2.5 Youth Black Faith

2.6 Von Burru zu Reggae

2.7 Rastafari heute

3. Symbole und Philosophie

3.1 Beating down Babylon

3.2 Gott ist in mir

4. Exkurs: Symbole als hermeneutische Praxis

5. Hermeneutische Praxis – zwei Liedinterpretationen

5.1 Das gemeinsame Trauma

5.2 The Power of Sound

6. Fazit

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rastafari-Bewegung durch eine hermeneutische Analyse, um zu erklären, wie aus einer kleinen jamaikanischen Glaubensgemeinschaft ein weltweit verbreitetes kulturelles Phänomen entstehen konnte. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die symbolische Ideologie der Rastafari – insbesondere das Widerstandskonzept gegen das "Babylon-System" – universelle Identitätsangebote schafft und in der Popkultur transformiert wird.

  • Historische Entwicklung der Rastafari-Bewegung in Jamaika
  • Die Philosophie der Symbole und die Bedeutung von "Babylon"
  • Die "Ital Livity" und die Rolle von Ganja und Dreadlocks
  • Hermeneutische Liedanalyse (Bob Marley vs. Söhne Mannheims)
  • Rastafari als universelle Widerstandsideologie in der globalen Popkultur

Auszug aus dem Buch

3.1 BEATING DOWN BABYLON

Im Zentrum der Rasta-Ideologie steht der Widerstand gegen das Babylon-System, der von Grund auf falschen und ungerechten Gesellschaft, die die Schwarzen unterdrückt und von sich selbst entfremdet. In diesem Aspekt sind sich alle Rastafari einig: Babylon muss fallen. Somit kann ein großer Anteil der Rastafari-Religion als Widerstandsideologie charakterisiert werden. Dabei leitet sich die Bezeichnung ‚Babylon‘ für das Objekt des Widerstandes ab aus der Bibel: Nach Genesis 11 war Babylon die erste Stadt überhaupt, deren Bewohner sich durch den Wunsch nach kultureller Homogenität und Selbsterhöhung auszeichneten.

Nachdem sie von Gott zur Strafe in alle Himmelsrichtungen verstreut worden waren, erlebte die Stadt in Mesopotamien, dem Reich des Königs Nebukadnezar, eine neue Blütezeit. Wiederum war die Herrschaft der Babylonier geprägt von Selbstsucht und moralischem Verfall. Ein Beispiel dafür ist der König selbst, der ein goldenes Bildnis von sich schaffen ließ, welches von seinen Untertanen angebetet werden sollte. Außerdem griffen die Mesopotamier Jerusalem an und vertrieben die Hebräer ins Exil. Viele Rastafari halten die frühen Hebräer für schwarz und sehen bereits hier den Beginn der Vertreibung Schwarzer durch das Babylon-System.

Das Römische Reich wird im Rastafari-Glauben als die nächste Inkarnation Babylons verstanden. Die Römer besiegten das afrikanische Karthago und töteten Juden und Christen. Auch im weiteren Verlauf der Geschichte war aus Italien nichts Gutes zu erwarten: mit dem Vatikan ist es das Zentrum der katholischen Kirche, die als Unterstützer der weißen Herrschaftsideologie gilt (vgl. Edmonds 2003: 42 ff.).

Babylon steht für eine schlechte, ungerechte Gesellschaft, in der eine schwarze Bevölkerungsgruppe unterdrückt oder vertrieben, ausgebeutet und misshandelt wird. Wer oder was ganz konkret so bezeichnet wird, ist wiederum individuell sehr unterschiedlich. Auf Jamaika selbst werden zum Beispiel die Polizisten so betitelt, da sie als Exekutive des unterdrückenden Staates agieren und aufgrund des Verbotes von Marihuana ständig mit den Rastafari kollidieren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der Rastafari-Bewegung ein, stellt die internationale Relevanz dar und erläutert die hermeneutische Methodik der Arbeit.

2. Rastafari – von den Ursprüngen bis ins 21. Jahrhundert: Dieses Kapitel beschreibt die historische Entstehung der Religion, geprägt durch den Sklavenhandel, Marcus Garvey und die Krönung Haile Selassies.

3. Symbole und Philosophie: Hier werden die zentralen ideologischen Pfeiler wie das Konzept von „Babylon“ und die Vorstellung eines schwarzen Gottes in jedem Einzelnen („Gott ist in mir“) analysiert.

4. Exkurs: Symbole als hermeneutische Praxis: Der Exkurs theoretisiert die Bedeutung von Symbolen mithilfe von Cassirers Symboltheorie und Appadurais Theorie der Imagination als soziale Praxis.

5. Hermeneutische Praxis – zwei Liedinterpretationen: In diesem Kapitel wird die Theorie anhand von Analysen der Songs „Slave Driver“ (Bob Marley) und „Babylon System“ (Söhne Mannheims) auf die Praxis angewendet.

6. Fazit: Das Fazit reflektiert die Beständigkeit der Widerstandsideologie gegen das Babylon-System trotz des Rückgangs der messianischen Erwartungen an Äthiopien.

Schlüsselwörter

Rastafari, Babylon-System, Haile Selassie, Hermeneutik, Symbole, Reggae, Sklavenhandel, Identität, Widerstand, Jamaika, Ital Livity, Dreadlocks, Ganja, Popkultur, Zion

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Rastafari-Bewegung als ein komplexes Gefüge aus Religion, Widerstandsideologie und Popkultur unter Anwendung hermeneutischer Analysemethoden.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind die historische Genese der Rastafari, die philosophische Bedeutung ihrer Symbole, der Einfluss der Musik (Reggae) sowie die Transformation der Ideologie in einen globalen Kontext.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?

Das Ziel ist zu erklären, wie eine lokal verwurzelte jamaikanische Religion durch ein universelles Symbolsystem – insbesondere das Widerstandskonzept gegen "Babylon" – eine weltweite Verbreitung und kulturelle Anpassungsfähigkeit entwickeln konnte.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewendet?

Die Arbeit nutzt die Methode der Hermeneutik, um Symbole, Mythen und Songtexte im Kontext der Rastafari-Ideologie interpretativ zu entschlüsseln.

Welche inhaltlichen Aspekte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?

Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung, die philosophische Selbstverortung der Rastafari, die Rolle von Symbolen in der Identitätsbildung sowie die praktische Anwendung dieser Theorie auf zwei konkrete Musikbeispiele.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird wesentlich durch die Begriffe Rastafari, Babylon-System, Identität, Hermeneutik, Widerstand und Popkultur charakterisiert.

Wie unterscheidet sich die Interpretation von "Babylon" zwischen den Rastafari und den Söhnen Mannheims?

Während Rastafari "Babylon" primär als historisch gewachsenes, weißes Unterdrückungssystem mit spezifischem Bezug zur Sklaverei sehen, übertragen die Söhne Mannheims diesen Begriff auf allgemeine gesellschaftliche Zwänge und moderne Bürokratie.

Welche Rolle spielt die Sprache im Rastafari-Glauben?

Sprache dient als Werkzeug der Identität. Durch den sogenannten "Dread talk" oder "I-talk" wird das koloniale Erbe sprachlich unterwandert, indem Wörter linguistisch so verändert werden, dass sie den Rückbezug auf Gott und das schwarze Selbst betonen.

Warum wird der Widerstand gegen das Babylon-System als universell bezeichnet?

Das Symbol "Babylon" ist so abstrakt und vielschichtig definiert, dass es je nach lokalem Kontext nahezu jedes Feindbild (vom Rassismus bis zur Umweltzerstörung) repräsentieren kann, was die Bewegung global anschlussfähig macht.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Rastafari - Zwischen Religion und Popkultur
Untertitel
Eine hermeneutische Analyse
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Theologische Fakultät)
Autor
Sarah Al-Bashtali (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
30
Katalognummer
V203279
ISBN (eBook)
9783656298809
ISBN (Buch)
9783656299752
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rastafari Reggae Hermeneutik Bob Marley Die Söhne Mannheims Haile Selassie Marcus Garvey Babylon Ernst Cassirer Symbole
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sarah Al-Bashtali (Autor:in), 2012, Rastafari - Zwischen Religion und Popkultur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203279
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  30  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum