1 Einleitung
Als angehende Pädagogin steht für mich vor allem demokratische Bildungspartizipation sowohl der Kinder als auch der Jugendlichen und auch selbstverständlich der Erwachsenen im Zentrum des Interesses. In dieser Arbeit: „Kulturelles Kapital und Bildungsungleichheit. Familie als Transmissionsort, Schule als Reproduktionsort des kulturellen Kapitals – in Anlehnung an Pierre Bourdieu“ wird allerdings nur auf die Schüler und Schülerinnen aus unterschiedlichen sozialen Schichten bzw. Milieus eingegangen. Dabei wird zu klären sein, welche Rolle das kulturelle Kapital der Familie für schulische Bildung spielt. Die Bildungspartizipation der Erwachsenen wird in dieser Arbeit ausgeklammert, da eine Bearbeitung an anderer Stelle zu erfolgen hat.
Wenn früher „das katholischen Mädchen vom Land“ das sogenannte Gesicht der Bildungsbenachteiligung war, ist es heute „der Migrantenjunge aus der Stadt“, wie es zahlreiche Bildungsstatistiken und vor allem ihre Zusammenfassung bei Heike Diefenbach (2010) eindrucksvoll belegen.
Das Bildungswesen in Deutschland trägt zur fortbestehenden Ungleichheit bei. Dies geschieht vor allem durch seine Auslese und Allokationsfunktion. Auch der Zusammenhang zwischen der Schichtzugehörigkeit und der individuellen Bildungslaufbahn ist in Deutschland immer noch stark ausgeprägt (vgl. Schaub/Zenke 2007, S. 665).
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsdefinitionen in Anlehnung an Arbeiten von Pierre Bourdieu
2.1 Kapitalarten nach Pierre Bourdieu
2.2 Habitus
2.3 Sozialer Raum
3 Transmission des kulturellen Kapitals innerhalb der Familie
3.1 Vorstellung des Forschungsprojektes und dessen Methoden
3.2 Fallbeispiel 1: Familie Fink
3.2.1 Die Großeltern
3.2.2 Die Eltern Fink
3.2.3 Die (Enkel-)Kinder
3.2.4 Umgang mit Informationen und Wissen der Familienmitglieder Fink
3.3 Fallbeispiel 2: Familie Battmann
3.3.1 Die Großeltern
3.3.2 Die Eltern Battmann
3.3.3 Die (Enkel-)Kinder
3.3.4 Umgang mit Bildung und Kultur der Familienmitglieder Battmann
3.4 Vergleich der beiden Familien in Bezug auf ihre Transmission des kulturellen Kapitals
4 Schule und kulturelles Kapital
4.1 Die Rolle der Sprache
4.2 Einfluss von pädagogischen Lehrkräften
4.3 „Natürliche Begabung“ vs. „Streber“ als Schülertypologie am Beispiel des Englischunterrichts im deutschen Schulsystem
5 Fazit und Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Zusammenspiel von Familie als Ort der Wissensvermittlung und Schule als Institution der Bildungsreproduktion. Im Fokus steht dabei die Forschungsfrage, wie kulturelles Kapital innerhalb der Familie an die nächste Generation weitergegeben wird und inwiefern dieser Prozess die Bildungschancen der Kinder im deutschen Schulsystem maßgeblich prägt.
- Kulturelle Kapitalarten und deren Bedeutung nach Pierre Bourdieu
- Intergenerationale Transmission von Bildung und Kultur in Fallbeispielen
- Die Rolle der Sprache als zentraler Bestandteil des inkorporierten kulturellen Kapitals
- Strukturelle Mechanismen der Schulauslese und die Funktion von Lehrkräften
- Der Zusammenhang zwischen schichtspezifischem Habitus und schulischem Erfolg
Auszug aus dem Buch
3 Transmission des kulturellen Kapitals innerhalb der Familie
Aus diesem Grunde, da man bei Bourdieu, wie der Prozess der Transmission des kulturellen Kapitals in der Familie über die Generationen hinweg abläuft, nicht fündig wird, wird im Folgenden auf empirische Forschungsarbeiten zurückgegriffen, die diese Forschungslücke zu schließen versuchen und erst in den letzten Jahrzehnt stattgefunden haben. Solche Arbeiten, die sich empirisch damit auseinandersetzen, ob und wie das „in der Herkunftsfamilie angeeignete kulturelle Kapital“ (Brake/Büchner 2012, S. 110) zum schulischen Bildungserfolg verhilft, sind erst vereinzelt in den letzten acht Jahren entstanden (vgl. dazu Brake/Büchner 2012, King et al. 2011, Silkenbeumer/Wernet 2012). Dabei beschäftigen sich Büchner und Brake mit den Transmissionsprozessen in der familiären Generationsabfolge der deutschen Majoritätsangehörigen, wohingegen King, Silkenbeumer und Wernet die eher ungewöhnlichen Aufstiegskarrieren im deutschen Schulsystem von Jugendlichen aus den bildungsfernen Familien mit Migrationshintergrund erforschen.
Im Rahmen dieser Arbeit gehe ich vor allem auf die Forschungsarbeiten vom Erziehungswissenschaftler Peter Büchner und seiner Mitarbeiterinnen Anna Brake, Heide Gohlke und Katrin Wahl ein, da diese für meine Fragestellung geeignet sind und da die Arbeiten in der Forschergruppe um die Erziehungswissenschaftler Vera King mit Hans-Christoph Koller und um den Erziehungswissenschaftler Andreas Wernet und seinen Mitarbeitern mit ihren Hauptergebnissen erst im Erscheinen sind und zurzeit nur ansatzweise in veröffentlichter Form zur Verfügung stehen.
Brake und Büchner stellen fest, dass nach ihren Forschungsarbeiten als empirisch bestätigt gelten könne, „dass kulturelle Merkmale der Herkunftsfamilie einen deutlichen Zusammenhang zum schulischen Bildungserfolg der Kinder aufweisen“ (Brake/Büchner 2012, S. 110).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert den Untersuchungsrahmen zur Bildungsgerechtigkeit und stellt die zentralen Forschungsfragen zur Weitergabe kulturellen Kapitals vor.
2 Begriffsdefinitionen in Anlehnung an Arbeiten von Pierre Bourdieu: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Konzepte Bourdieu’s, insbesondere Kapitalarten, Habitus und den sozialen Raum.
3 Transmission des kulturellen Kapitals innerhalb der Familie: Das Kapitel analysiert anhand von Fallbeispielen die intergenerationale Weitergabe von Bildung und Kultur.
4 Schule und kulturelles Kapital: Dieser Teil untersucht, wie das mitgebrachte Kapital der Kinder auf die Anforderungen und Mechanismen der Institution Schule trifft.
5 Fazit und Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert die Bedeutung der familiären Prägung für den Bildungserfolg.
Schlüsselwörter
Kulturelles Kapital, Pierre Bourdieu, Transmission, Habitus, Bildungsungleichheit, Familie, Sozialisation, Schulerfolg, Bildungsferne, Lehrkräfte, Bildungsaspirationen, Sprache, Herkunftsmilieu, Inkorporiertes Kapital, Meritokratie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie soziale Herkunft und familiäre Prägung über den Bildungserfolg von Kindern entscheiden, wobei der Fokus auf Bourdieus Konzepten zum kulturellen Kapital liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Hauptthemen gehören die Rolle der Familie als Bildungsort, die Bedeutung des Habitus für schulische Anforderungen sowie die Mechanismen der sozialen Reproduktion im Bildungssystem.
Welches Ziel oder welche Forschungsfrage verfolgt die Arbeit?
Die Arbeit untersucht einerseits, wie kulturelles Kapital innerhalb von Familien weitergegeben wird, und andererseits, wie dieses Kapital die Bildungschancen der Kinder in der Schule beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine qualitative Analyse auf Basis vorhandener Fallstudien und vergleicht diese konträr, um die intergenerationalen Transmissionsprozesse zu verdeutlichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine detaillierte Auswertung von Familienfallbeispielen und die Untersuchung der schulinternen Selektionsprozesse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zentrale Begriffe sind kulturelles Kapital, Habitus, intergenerationale Transmission, Bildungsungleichheit und das Milieu der bildungsfernen sowie bildungsnahen Familien.
Wie unterscheidet sich die Transmission in den Familien Fink und Battmann?
Während in der Familie Fink eine eher distanzierte Haltung zur Schule und unsichere Weitergabe von Bildungsressourcen dominiert, zeigt die Familie Battmann eine erfolgreiche, auf Vertrauen basierende Akkumulation von Bildungsstreben.
Welche Rolle spielt die Sprache nach Ansicht der Autorin?
Die Sprache wird als wichtigster Teil des inkorporierten kulturellen Kapitals identifiziert, da sie als „Eintrittskarte“ für den schulischen Erfolg fungiert und soziale Distanzen zwischen Schülern und Institutionen verdeutlicht.
Was schlussfolgert die Arbeit hinsichtlich der Lehrkräfte?
Die Arbeit stellt kritisch fest, dass Lehrkräfte oft unbewusst ihren eigenen, schichtspezifischen Habitus als Maßstab anlegen und dadurch Schüler aus bildungsfernen Milieus benachteiligen können.
- Quote paper
- Lena Shevelenko (Author), 2012, Kulturelles Kapital und Bildungsungleichheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202976