Das Phänomen des trägen Wissens und die Ergebnisse der PISA-Studie haben in den letzten Jahrzehnten für lebendige Diskurse bezüglich der Neugestaltung von Unterricht gesorgt. Auch wenn Ergebnisse aus Studien wie PISA offenkundig darlegen, welche Defizite und Leistungsschwächen einzelne Schüler/-innen haben, geben sie keine Antwort darauf, inwiefern diese Defizite aufzubessern oder aufzuheben sind. Das heißt, die PISA-Studie zeigt der Lehr-Lernforschung ihre Lücken auf, gibt ihr aber keine handlungsorientierten Hilfen, um diese Lücken adäquat zu schließen.
Bereits mit reformpädagogischem Bemühen wurden unterschiedliche Ansätze zur Prävention von trägem Wissen herausgearbeitet. Es wurde auch versucht Konsequenzen aus der PISA-Studie zu ziehen. Eine der Schlussfolgerungen ist, den Unterricht stärker verstehens- und anwendungsorientiert zu gestalten. Verschiedene „Ansätze zum situierten Lernen haben in den letzten zwanzig Jahren in der Lehr- Lernforschung breite Beachtung erfahren und kontroverse Diskussionen ausgelöst.“ Genauer gesagt versuchen Forschungsansätze, die auf das situierte Lernen zurückzuführen sind, genau auf diese Probleme der Lehr- Lernvermittlung zu antworten.
Dennoch scheiden sich einige Geister innerhalb dieses Forschungsgebietes. Zwei gefestigte Strömungen scheinen sich firmiert zu haben. Während die eine Strömung zur klassisch konstruktivistischen Bewegung gezählt wird, kann die andere als gemäßigt konstruktivistisch bezeichnet werden. Während radikale Konstruktivisten einen Paradigmenwechsel der Lehr- Lernforschung postulieren, befassen sich Wissenschaftler/-innen der gemäßtigen Bewegung mit unterschiedlichen Ansätzen zur Gestaltung von Lernumgebungen. Daraus resultiert, dass die Lernumgebung einen neuartigen Anspruch an die Unterrichtsgestaltung darstellt. In anbetracht dieser Forschungskontroverse wird der Schwerpunkt dieser Arbeit auf die Gestaltung von Lernumgebungen gelegt werden. Grund für diese Wahl ist nicht nur, dass die Mehrheit der Wissenschaftler/-innen sich mit diesem Ansatz beschäftigen, sondern auch, dass die Ergebnisse dieser Richtung folgeträchtiger und ertragreicher sind als die der anderen Bewegung.
Inhaltsverzeichnis
- I. Einleitung
- II. Situiertes Lernen und situierte Kognition – Definition, Forderung und Anspruch
- III. Konzepte situierten Lernens
- III.1. ,Anchored Instruction' Modell
- III.2. ,Cognitive Apprenticeship' Ansatz
- III.3. ,Cognitive Flexibility Theory'
- IV. Kriterien situierten Lernens - Grundideen und Gestaltungsansätze
- IV.1. Komplexität
- IV.2. Authentizität und Situiertheit
- IV.3. Multiple Perspektiven
- IV.4. Artikulation und Reflexion
- IV.5. Lernen im sozialen Austausch
- V. Unterrichtsentwurf: Situiertes Lernen im Philosophieunterricht - Eine Idee unter Berücksichtigung des Anchored Instruction' Modells
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Hausarbeit befasst sich mit der didaktischen Analyse von Konzepten des situierten Lernens. Der Fokus liegt auf der Gestaltung von Lernumgebungen, die den Herausforderungen des trägen Wissens und der Verbesserung von Lernergebnissen entgegenwirken sollen.
- Definition und Anspruch des situierten Lernens
- Etablierte Modelle des situierten Lernens (z.B. Anchored Instruction, Cognitive Apprenticeship, Cognitive Flexibility Theory)
- Kriterien für die Gestaltung von Lernumgebungen
- Ideen für einen Unterrichtsentwurf im Philosophieunterricht unter Berücksichtigung des Anchored Instruction Modells
Zusammenfassung der Kapitel
- I. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Problematik des trägen Wissens und die Bedeutung von situierten Lernansätzen im Kontext der Lehr-Lernforschung.
- II. Situiertes Lernen und situierte Kognition: Es werden zentrale Gedanken und Überlegungen zum Konzept des situierten Lernens vorgestellt, wobei die Kritik am traditionellen Frontalunterricht und die Bedeutung von lebensnahen Anwendungssituationen hervorgehoben werden.
- III. Konzepte situierten Lernens: Die Arbeit präsentiert drei etablierte Modelle des situierten Lernens: Anchored Instruction, Cognitive Apprenticeship und Cognitive Flexibility Theory.
- IV. Kriterien situierten Lernens: Die Arbeit erläutert verschiedene Kriterien für die Gestaltung von Lernumgebungen, die sich aus den vorgestellten Modellen ableiten lassen.
Schlüsselwörter
Situiertes Lernen, situierte Kognition, träges Wissen, Lernumgebungen, Unterrichtsgestaltung, Anchored Instruction, Cognitive Apprenticeship, Cognitive Flexibility Theory, Authentizität, Komplexität, Multiple Perspektiven, sozialer Austausch.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man unter dem Phänomen des "trägen Wissens"?
Träges Wissen bezeichnet Wissen, das zwar theoretisch vorhanden ist (z.B. aus der Schule), aber in realen Anwendungssituationen nicht abgerufen oder genutzt werden kann.
Was ist das Kernkonzept des "situierten Lernens"?
Lernen wird als Prozess begriffen, der untrennbar mit dem Kontext (der Situation) verbunden ist, in dem das Wissen erworben und angewendet wird. Es betont authentische Lernumgebungen.
Was beinhaltet das "Anchored Instruction"-Modell?
Lerninhalte werden an einen "Anker" gebunden – meist eine komplexe, interessante Problemstellung (z.B. in Filmform), die die Lernenden zur aktiven Auseinandersetzung motiviert.
Was ist "Cognitive Apprenticeship"?
Dieser Ansatz überträgt das Prinzip der handwerklichen Lehre auf kognitive Prozesse. Ein Experte macht sein Denken sichtbar, und der Lernende übernimmt unter Anleitung immer komplexere Aufgaben.
Welche Rolle spielen multiple Perspektiven beim situierten Lernen?
Durch die Betrachtung eines Problems aus verschiedenen Blickwinkeln wird die Flexibilität des Wissens erhöht und eine einseitige, starre Sichtweise vermieden.
Wie wichtig ist der soziale Austausch für den Lernerfolg?
Lernen wird als sozialer Prozess gesehen. Durch Artikulation und Reflexion im Dialog mit anderen wird das Verständnis vertieft und Wissen gemeinsam konstruiert.
- Quote paper
- Fatih Özbay (Author), 2011, Konzepte situierten Lernens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202903