In der Geschichte jedes Landes gibt es „einige in politisch-sozialer Hinsicht herausragende Gestalten, die besondere Leistungen […] vollbracht haben“. Die Sowjetunion war eine Epoche dieser Gestalten, der Helden. Dabei wurden viele von ihnen künstlich zu solchen stilisiert oder gar erfunden; die Heldenverehrung war Ergebnis eines manipulativen Systems. Die 1980er Jahre brachten diese jahrzehntelang bestehende Werteordnung ins Schwanken. Die sozialistischen Helden erwiesen sich als ungeeignet für die gesellschaftliche Umbruchstimmung, der Bedarf an neuen war somit groß. Insbesondere der jüngeren Generation mit ihrem Verlangen nach dem Neuen, dem Alternativen mangelte es an Repräsentation. In den letzten Jahren entstand aus diesem nonkonformistischem Drang eine Subkultur nach westlichem Vorbild – die Rock-Szene, „ein Massenphänomen, das es nicht geben durfte“. Bereits ihre ersten Protagonisten, die den Mut zur Abweichung vom sozialistischen Kurs hatten, wurden mit Begeisterung zu Alternativ-Helden von gewisser politischer Bedeutung erhoben. Das vielleicht spektakulärste Beispiel eines solchen demokratisch stilisierten Helden war der Frontmann der Band „Kino“ Viktor Coj - „наиболее мифологизированная фигура русрока“.
Die vorliegende Arbeit ist ein Versuch, sich dem Phänomen des Heldenkults Cojs zu nähern. Im Kapitel 1 werden die Rahmenbedingungen für die Entstehung der Rock-Szene und der Band Cojs innerhalb dieser Subkultur dargestellt. Kapitel 2 geht auf die wichtigsten Faktoren der Popularität und der (Selbst-)Stilisierung des Sängers. Im dritten Kapitel werden schließlich Beispiele die Mythisierung seiner Biographie nach dem Tod skizziert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Sowjetischer Rock: Rahmenbedingungen
2.1 Subkultur vs. Mainstream
2.2 Rock bis zur Perestrojka
2.3 „Kino“ in Leningrad
3 Die (Selbst-)Gestaltung des Helden
3.1 Cojs Lyrik
3.2 Ästhetik und Persönlichkeit
3.3 Der Filmstar
4 „Coj živ!“
4.1 Das Leben nach dem Tod
4.2 Schöne Erinnerung
4.3 Der Heldengeist
5 Fazit
Literaturverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Wer war Viktor Coj und warum ist er eine Kultfigur?
Viktor Coj war der Frontmann der legendären sowjetischen Rockband „Kino“. Er wurde zum Symbol des gesellschaftlichen Umbruchs in den 1980er Jahren und gilt als das spektakulärste Beispiel eines demokratisch stilisierten Helden der Rock-Szene.
Was bedeutet der Slogan „Coj živ!“?
„Coj živ!“ bedeutet „Coj lebt!“ und steht für die anhaltende Mythisierung und Heldenverehrung des Sängers auch lange nach seinem Tod. Es drückt aus, dass sein Geist und seine Musik in der Subkultur weiterwirken.
Wie entwickelte sich die Rock-Szene in der Sowjetunion?
Die Rock-Szene entstand als nonkonformistisches Massenphänomen gegen den sozialistischen Mainstream. In den 1980er Jahren bot sie der jungen Generation eine alternative Identifikationsfläche jenseits der künstlich geschaffenen sozialistischen Helden.
Welche Rolle spielte die Band „Kino“ in Leningrad?
Die Band „Kino“ war eine der prägendsten Formationen des Leningrader Rock-Clubs. Durch Cojs Lyrik und die spezifische Ästhetik der Band wurden sie zu Repräsentanten eines neuen, westlich orientierten Lebensgefühls.
Welche Faktoren trugen zur Popularität von Viktor Coj bei?
Wichtige Faktoren waren seine tiefgründige Lyrik, seine charismatische Persönlichkeit und seine Auftritte als Filmstar, die zu einer gezielten (Selbst-)Stilisierung als Held führten.
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- Oleg Solovey (Author), 2010, Viktor Coj: Die Stilisierung zum Helden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202897