In der vorliegenden Arbeit wird der Versuch unternommen, die Stelle Buch VII, 1 – 28 aus Lucans bellum civile eingehend zu untersuchen, zu analysieren und zu interpretieren. Zu diesem Zweck stellen wir zunächst den Text im Original vor und übersetzen ihn selbständig. Im Anschluss daran werden wir darauf eingehen, welche Rolle Träume in der Antike hatten. Es wird sich zeigen, dass Träume trotz vieler Kritik vor allem von philosophischer und medizinischer Seite vor allem dazu dienten, - anders als in der Moderne - die Zukunft vorauszusagen. Darüber hinaus haben Träume beginnend bei Homer eine wichtige Funktion innerhalb von schriftlich fixierten Werken. Sie dienen der Leserlenkung und werden eingesetzt, um die Spannung zu erhöhen, reale Dinge, Geschehnisse vorwegzunehmen etc. Genau diese Funktionen hat auch der Traum in Lucans bellum civile VII 1 – 28. Es schließt sich eine eingehende Interpretation dieser Stelle an, die vor allem auf die drei Deutungen des Traums von Lucan selbst eingeht. Unmittelbar vor der entscheidenden Schlacht zwischen Pompeius und seinem Schwiegersohn Cäsar träumt Pompeius, er sei im Theater in Rom und erhalte einen riesigen Applaus von den anwesenden Zuschauern. Lucan schlägt für diesen Traum drei Deutungen vor, die vor dem Hintergrund, dass die bevorstehende Schlacht der Anfang von Pompeius Ende ist, vorgestellt werden. Nie wieder wird Pompeius glorreich sein, nie wieder Rom, seine Heimat sehen. Lucan stellt diesen Krieg als einen mit kosmischer Dimension dar. Selbst die Sonne verzögert ihren Aufgang. Er sieht den Krieg als ein römisches Drama an, da es sich um einen Bruderkampf handelt, der Rom der Selbstzerfleischung aussetzt, anstatt es an Größe wachsen zu lassen. All dies wird in spannungsgeladener Dramatik in den Traum gelegt, so dass der Hörer bzw. Leser auf die tatsächlichen Ereignisse, die Niederlage des Pompeius und sein lebenslanges Exil, vorbereitet und zugleich voll Spannung auf das Kommende im Epos harren kann. Im Schlusskapitel werden die Ergebnisse zusammengefasst und Lucan gewürdigt.
Inhalt
I. TEIL: Hinführung
1. Einleitung
2. Text und Übersetzung Z. 1 – 8 und 19 – 24
3. Träume in der Antike 5
4. Hintergründe zum Bellum Civile
II. TEIL: Interpretation
1. Einleitende Bemerkungen
2. Die Interpretation von VII, 1 – 6
3. Der Traum des Pompeius und seine drei Deutungen durch Lucan
Schlussbemerkungen
Literatur
Häufig gestellte Fragen
Wovon handelt Lucans „Bellum Civile“?
Es ist ein Epos über den römischen Bürgerkrieg zwischen Pompeius und Caesar.
Was träumt Pompeius vor der entscheidenden Schlacht?
Er träumt, er sei im Theater in Rom und erhalte tosenden Applaus von den Zuschauern, was an seine früheren Triumphe erinnert.
Welche Funktion haben Träume in der antiken Literatur?
Sie dienen der Zukunftsvoraussage, der Leserlenkung und dazu, die Spannung vor entscheidenden Ereignissen zu erhöhen.
Wie viele Deutungen schlägt Lucan für den Traum vor?
Lucan bietet drei verschiedene Deutungen an, die den Traum in den Kontext von Pompeius' drohendem Untergang stellen.
Warum bezeichnet Lucan den Krieg als „römisches Drama“?
Weil es sich um einen Bruderkampf handelt, der zur Selbstzerfleischung Roms führt, anstatt die Größe des Reiches zu mehren.
Welches kosmische Ereignis erwähnt Lucan zu Beginn der Schlacht?
Er beschreibt, dass selbst die Sonne ihren Aufgang verzögert, was die schicksalhafte und düstere Dimension des Krieges unterstreicht.
- Quote paper
- Agnes Thiel (Author), 2009, Der Traum des Pompeius am Vorabend der Schlacht – Eine Interpretation von Lucans "bellum civile" 7, 1 - 28, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202571