Mit seiner beinahe 90-jährigen Geschichte hat das Hörspiel auch heute noch seinen festen Platz in einer kaum noch als überschaubar wahrnehmbaren Medienwelt.1 In meiner Hausarbeit versuche ich anhand theater- und medienwissenschaftlicher Texte eine Einordnung und Beschreibung des „Mediums“ Hörspiel. Dabei geht es mir nicht um eine Analyse einzelner Hörspiele oder um die Aneinanderreihung von Hörspieltiteln, die leicht aus dem Internet abfragbar sind, sondern um eine strukturelle Abgrenzung und Einordnung dessen, was eigentlich als Hörspiel verstanden wird, wo die Gattung, sofern sie denn als solche beschrieben werden kann, ihre Grenzen hat und inwiefern sich mit ihr verbundene Bedeutungszuschreibungen über die Jahrzehnte geändert haben. Bei all meinen Ausführungen beziehe ich mich auf deutsche Hörspiele. Ebenso nehme ich das „Hörbuch“ aus meinen Überlegungen heraus. Wichtig ist mir dabei die Auseinandersetzung mit dem Medium, die, wie ich zu zeigen beabsichtige, seit der Frühzeit des Radiofunks einen festen Bestandteil in der Beschäftigung mit Hörspielen hat. In meinem Text werden sich „Medium“ und „Inhalt“ nicht gegenüberstehen – oft ergibt eine scharfe Trennung keinen Sinn, da in der Hörspieltheorie fast zwangsläufig darüber diskutiert wurde und wird, welche Rolle genau dieses Medium (des Funks) in der Reproduktion oder Improvisation des jeweiligen Inhaltes hat. Aufgrund der Beschränkungen durch den relativ geringen Umfang der Arbeit werde ich, wie oben bereits ausgeführt, versuchen, mich im Kern auf eine Systematisierung des Hörspielbegriffes zu beschränken. Gesellschaftliche Strömungen, wie beispielsweise die äußerst interessanten Arbeitslosenhörspiele der späten 1920er Jahre2, bedürfen einer genaueren historischen Analyse und können leider (auch wegen des inhaltlichen Fokus auf den Hörspielbegriff) nicht berücksichtigt werden. Bei der Beschreibung der Veränderungen in der Begriffsdefinition werde ich, wenn inhaltlich angebracht, Beispiele einfließen lassen – die Chronologie der Hörspielgeschichte wird in meiner Analyse zwar nie gesondert im Vordergrund stehen, sich allerdings aus der Auseinandersetzung ergeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Ein Systematisierungsversuch aus theaterwissenschaftlicher Perspektive
2.2. Das Hörspiel als Drama / literarische Gattung
2.3. Der moderne Hörspielbegriff
Das „neue Hörspiel“ und der Aufbruch des Gattungsbegriffs
2.4. Das kommerzielle Zielgruppen-Hörspiel als
„traditionalistische“ Parallelentwicklung
3. Schluss
4. Literaturverzeichnis
5. Anmerkungen zur Zitierweise
Häufig gestellte Fragen
Wie wird das Medium Hörspiel definiert?
Das Hörspiel ist eine eigenständige Gattung der Audiokunst, die Sprache, Geräusche und Musik nutzt, um eine dramatische Handlung rein akustisch zu vermitteln.
Was unterscheidet ein Hörspiel von einem Hörbuch?
Ein Hörbuch ist meist eine Lesung eines vorhandenen literarischen Textes, während ein Hörspiel eine inszenierte, oft speziell für das Medium geschriebene Produktion mit mehreren Sprechern und Sounddesign ist.
Was versteht man unter dem „neuen Hörspiel“?
Es bezeichnet eine Phase des Aufbruchs ab den 1960er Jahren, in der traditionelle Erzählformen zugunsten von akustischen Experimenten und Dokumentationen aufgelöst wurden.
Welche Rolle spielte das Radio für die Entwicklung des Hörspiels?
Das Radio bot seit 1924 die technische Plattform und den Verbreitungsweg, der die Entstehung dieser rein akustischen Kunstform erst ermöglichte.
Was sind Arbeitslosenhörspiele?
Dies waren gesellschaftskritische Hörspiele der späten 1920er Jahre, die die sozialen Folgen der Weltwirtschaftskrise thematisierten.
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- Dennis Dellschow (Author), 2012, Der Begriff des Hörspiels und sein Wandel von 1924 bis heute, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202542