(Neo-)Klassische Wirtschaftsmodelle gehen von der völligen Flexibilität der Preise aus. Diese Flexibilität ermöglicht den ständigen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage. Keynesianische Modelle basieren hingegen auf der Annahme, dass Preise (und Löhne) sich zwar langfristig anpassen, kurzfristig jedoch starr sein können. Aus diesem Grund kann es zu kurzfristigen Differenzen zwischen Angebot und Nachfrage kommen [Hall et al. (1997), Malinvaud (1977)].
Preisrigidität1 lässt sich empirisch beobachten. Sie erlaubt beispielsweise, die Geldmenge als Instrument antizyklischer Wirtschaftspolitik einzusetzen. Bleiben nominale Preise
starr, ändert sich mit der Geldmenge die Nachfrage auf allen Märkten. Einziges verbliebenes Mittel zum Ausgleich dieser Nachfrageänderung ist eine Anpassung der ausgebrachten Menge. Geldpolitik erhält auf diese Weise Einfluss auf die Realwirtschaft [Blinder et al. (1998), Gordon (1990)].
Mit der Begründung von Preisstarrheiten tut sich die Forschung schwer. Einer von vielen Erklärungsansätzen ist der Einfluß von Preisanpassungskosten auf das Verhalten der Wirtschaftsakteure. Voraussetzung für das Auftreten von Preisstarrheiten ist Markt-
macht der Anbieter, die ihnen erlaubt, Preise zu setzen. Auf perfekten Märkten nehmen alle Anbieter den (Markt-)Preis als exogen gegeben hin. Sie haben keinen Einfluss auf ihn und können damit auch nicht über Preisänderungen entscheiden [Akerlof und Yellen
(1991)].
Inhalt
1. Einleitung
2. Menu Cost-Modelle
2.1 Der Einfluss von Preisanpassungskosten auf die soziale Wohlfahrt
2.2 Das Akerlof/Yellen-Modell des ‚fast rationalen Verhaltens’
2.3 Preisstarrheit durch Anwendung von (S,s)-Regeln zur Preisanpassung
3. Preisanpassungskosten in der Empirie
3.1 Wahrnehmung von Menu Costs in Unternehmen
3.2 Direkte Messung von Menu Costs
4. Kritika
5. Fazit
Literatur
Häufig gestellte Fragen
Was sind Preisanpassungskosten (Menu Costs)?
Das sind Kosten, die einem Unternehmen entstehen, wenn es seine Preise ändert (z. B. Druck neuer Preislisten, Information der Kunden).
Warum führen Menu Costs zu Preisstarrheit?
Wenn die Kosten für eine Preisänderung höher sind als der zusätzliche Gewinn durch den neuen Preis, verzichtet das Unternehmen auf die Anpassung.
Was besagt das Akerlof/Yellen-Modell?
Es beschreibt „fast rationales Verhalten“, bei dem kleine Abweichungen vom optimalen Preis für das einzelne Unternehmen kaum Verluste bedeuten, aber große Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft haben können.
Welche Rolle spielt Marktmacht bei Preisstarrheit?
Nur Anbieter mit Marktmacht können Preise selbst setzen. Auf perfekten Märkten sind alle Preisnehmer und haben keinen Spielraum für starre Preise.
Wie beeinflusst Preisstarrheit die Geldpolitik?
Wenn Preise starr bleiben, wirkt sich eine Erhöhung der Geldmenge direkt auf die reale Nachfrage und die produzierte Menge aus, was der Geldpolitik reale Macht verleiht.
Was sind (S,s)-Regeln zur Preisanpassung?
Das sind Schwellenwert-Regeln: Ein Preis wird erst dann angepasst, wenn die Abweichung vom Optimum eine bestimmte Grenze (S oder s) über- oder unterschreitet.
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- Dr. Christopher Müller (Author), 2005, Begründung starrer Preise durch Preisanpassungskosten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200932