I. Einleitung
„Die Studentenbewegung markiert eine Zäsur in der Entwicklungsgeschichte der BRD“ . Ihr wichtigster Vertreter war Rudi Dutschke. Es war seine Bewegung. Dutschke verstand sich seit seiner Jugendzeit als antiautoritärer demokratischer Sozialist. In seiner Studienzeit entwickel¬te er sich zu einem überzeugten revolutionären Marxisten in der Nachfolge des ungarischen Philosophen Georg Lukács. Ähnlich wie dieser betonte er die libertären, oft vergessenen Tra¬ditionen der Arbeiterbewegung sowohl gegen den Reformismus als auch den Stalinismus. Sein ganzes Leben lang versuchte Rudi Dutschke Antworten zu finden. Er wollte versuchen, „das Rätsel der Machtlosigkeit von Arbeitern und Bauern in einem Arbeiter- und Bauernstaat zu lösen“ . Er wollte aufklären, „warum der 'reale' Sozialismus so wenig mit dem von Marx (und ihm) erträumten zu tun hat“ . Daher ist „ohne Scheu vor Pathos (...) zu sagen: für die Wahrheit, für seine Wahrheit hat er bis zuletzt gelebt, gekämpft, seiner Obsession sich hinge¬bend. Das kann, nicht nur in Deutschland, gewaltsam-tödlich enden“ .
Mehrere Dinge sagte Rudi Dutschke, die die Nation bewegten und erschütterten: Wir sind nicht hoffnungslose Idioten der Geschichte, die unfähig sind, ihr eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen; Die Parteien sind nur noch Plattformen für Karrieristen; Unser Prozess der Revolution wird ein sehr langer Marsch sein; Der Sozialismus ist kein Warten auf Godot, kein Warten auf Rezepte, keine Hoffnung auf große Führer; In der DDR ist alles real, bloß nicht der Sozialismus; in der BRD ist alles real, bloß nicht 'Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit'; Wir sind nicht mehr die dreißig, vierzig Spinner, die einen Traum von einer ach so fernen Welt haben; Holger, der Kampf geht weiter und Revolution ist nicht ein kurzer Akt, wo mal irgendwas geschieht und dann ist alles anders. Revolution ist ein langer, komplizierter Prozess, wo der Mensch anders werden wird. Diese letzte Aussage gab Dutschke von sich auf einer Podiumsdiskussion in Hamburg am 24. November 1967 mit Rudolf Augstein und Ralf Dahrendorf. Im Folgenden werde ich zuerst auf die Studentenbewegung eingehen, um die es in dieser Podiumsdiskussion auch gehen wird. Anschließend werde ich Rudi Dutschkes Leben nachzeichnen und im letzten Teil meiner Arbeit eine linguistische Analyse dieser Podiums-diskussion zu verfassen.
Inhaltsverzeichnis
- I. Einleitung
- II. Die Studentenbewegung in der BRD und Westberlin
- II.1 Der historische Ablauf der Studentenbewegung
- II.2 Entscheidende Aspekte der Studentenbewegung
- II.2.1 Die Frontstellungen der Studentenbewegung
- II.2.2 Die Aktionsformen der Studentenbewegung
- II.3 Die theoretischen Einflüsse und Aspekte der Studentenbewegung
- II.4 Probleme zur Studentenbewegung
- III. Rudi Dutschkes Leben
- III.1 Kindheit und Jugend in der DDR
- III.2 Rudi Dutschkes Studium und die Studentenbewegung
- III.3 Das Attentat auf Rudi Dutschke
- III.4 Die Spätzeit
- IV. Podiumsdiskussion mit Rudi Dutschke, Rudolf Augstein und Ralf Dahrendorf
- Abschrift der Podiumsdiskussion
- IV.1 Linguistische Analyse und Interpretation der Podiumsdiskussion
- IV.2 Abschließendes zur Analyse der Podiumsdiskussion
- V. Schlussbemerkungen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Hausarbeit befasst sich mit der Studentenbewegung der späten 60er-Jahre und der Rolle von Rudi Dutschke als ihrem wichtigsten Vertreter. Im Zentrum steht eine linguistische Analyse einer Podiumsdiskussion mit Rudi Dutschke, Rudolf Augstein und Ralf Dahrendorf vom 24. November 1967.
- Historischer Kontext der Studentenbewegung
- Ideologische und politische Positionen von Rudi Dutschke
- Linguistische Analyse der Podiumsdiskussion
- Die Rolle der Medien in der Studentenbewegung
- Die Auswirkungen der Studentenbewegung auf die deutsche Gesellschaft
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung bietet einen Überblick über die Studentenbewegung der späten 60er-Jahre und die Bedeutung von Rudi Dutschke. Kapitel II beleuchtet die Studentenbewegung in der BRD und Westberlin, inklusive ihres historischen Ablaufs, wichtiger Aspekte und theoretischer Einflüsse. Kapitel III zeichnet das Leben von Rudi Dutschke nach, von seiner Kindheit in der DDR über sein Studium und die Studentenbewegung bis hin zum Attentat und seiner Spätzeit. Die linguistische Analyse einer Podiumsdiskussion mit Rudi Dutschke, Rudolf Augstein und Ralf Dahrendorf, die in Kapitel IV dargestellt wird, bildet den Kern der Arbeit. Die Schlussbemerkungen geben einen Ausblick auf die Bedeutung der Studentenbewegung für die deutsche Gesellschaft und bieten eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse der Arbeit.
Schlüsselwörter
Die Arbeit beschäftigt sich mit den folgenden Schlüsselbegriffen und Themen: Studentenbewegung, Rudi Dutschke, antiautoritär, politischer Aktivismus, linguistische Analyse, Podiumsdiskussion, Rudolf Augstein, Ralf Dahrendorf, 68er Bewegung, Westdeutschland, BRD, Marxismus, Revolution, Sozialismus, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Wer war Rudi Dutschke?
Rudi Dutschke war der bekannteste Vertreter der deutschen Studentenbewegung der 1960er-Jahre und ein marxistischer Soziologe, der für einen antiautoritären Sozialismus eintrat.
Was war der „lange Marsch durch die Institutionen“?
Ein von Dutschke geprägter Begriff, der die Strategie beschreibt, gesellschaftliche Veränderungen durch das Eindringen und Wirken in bestehenden staatlichen und sozialen Strukturen zu erreichen.
Was geschah bei der Podiumsdiskussion 1967 in Hamburg?
Dutschke diskutierte mit Rudolf Augstein (Spiegel) und Ralf Dahrendorf über die Ziele der Studentenbewegung, die Rolle der Parteien und den Begriff der Revolution.
Was waren die Hauptforderungen der Studentenbewegung?
Zu den Kernpunkten gehörten die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit, Kritik am Vietnamkrieg, eine Hochschulreform und mehr demokratische Mitbestimmung.
Wie beeinflusste das Attentat auf Dutschke die Bewegung?
Das Attentat im Jahr 1968 führte zu einer Radikalisierung der Bewegung und massiven Protesten, insbesondere gegen den Springer-Verlag.
Welchen theoretischen Einfluss hatte Georg Lukács auf Dutschke?
Lukács' Philosophie prägte Dutschkes Verständnis eines libertären Marxismus, der sich sowohl gegen den westlichen Kapitalismus als auch gegen den stalinistischen Staatssozialismus wandte.
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- M.A. Anna Lietz (Author), 2005, Die Studentenbewegung der späten 60er Jahre und Rudi Dutschke, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200323