Die in dieser Arbeit behandelte 'Villa der Lilien' stellt, aufgrund ihrer qualitativ hochwertigen Architektur und v.a. aufgrund ihrer berühmten Ausstattung mit Fresken, wie dem bekannten Lilienfresko, dem Minzenfresko und dem Papyrusfresko, ein wissenschaftlich und historisch sehr bedeutendes Monument der Minoischen Kultur der Ägäischen Bronzezeit dar.
In dieser Arbeit werden anhand der Architektur der 'Villa', die in den Punkten 3.1 – 3.4 behandelt ist, Rückschlüsse auf Zeitstellung (Datierung bei Punkt 3.6), Bedeutung und Funktion des Baues gezogen. Ebenso ist es möglich, Erkenntnisse darüber zu gewinnen durch eine Auswertung der in der 'Villa' gefundenen Reste der Ausstattung und des Inventars. Das sind bei der leider ziemlich fundarmen 'Villa der Lilien' als Bestandteil der ursprünglichen Ausstattung v.a. die Freskenbruchstücke , und als Bestandteil des ursprünglichen Inventars die gefundene Keramik, beide Fundgruppen sind behandelt im Punkt 3.5.
Genauso wichtig wie der archäologische Befund an sich selbst ist die Kontextualisierung desselben in eine zeitliche und kunststilistische Phase der Minoischen Kultur und in den räumlichen und funktionellen Kontext, v.a. also zur Hafensiedlung Amnisos und zum nahebei liegenden bedeutendsten Zentrum dieser Kultur, Knossos. Wichtig ist auch die funktionelle Einordnung (Punkt 4) in den Bautyp minoischer Gebäude, der in der Forschung als „Minoische Villa“ benannt wird.
Zu beachten sind die großen Herausforderungen und offenen Fragestellungen, die beim Blick auf den topographischen Kontext der 'Villa der Lilien' auftauchen. So ist z.B. das direkte Umfeld des Gebäudes nicht ergraben und von der minoischen Hafensiedlung Amnisos ebenso auch nur ein Bruchteil einer ursprünglich ziemlich großen Fläche (siehe 2.), außerdem ist aufgrund der unzureichenden Ergrabung auch die Funktion einiger gefundener Gebäude unklar und direkt daraus resultierend bestehen auch Unklarheiten über den Charakter des Fundplatzes Amnisos selbst (Siedlung/Hafen(Stadt/Dorf/Garnison u.a-siehe 2.). Der Bautyp von Gebäuden, den der Terminus „Minoische Villa“ definiert (siehe 4.-Einordnung), umfasst eine Vielzahl von Gebäuden unterschiedlicher Funktion, die manchmal nur teilweise vergleichbar sind. Aufgrund dieser Umstände sind der Einordnung des Gebäudes in seinen funktionellen Kontext Grenzen gesetzt. Gleichwohl kann man aus dem Befund sehr wichtige Aussagen über dieses Gebäude treffen, das 3500 Jahre unter der Erde seiner Entdeckung harrte.
Inhalt
1. Einleitung
2. Amnisos
3. Die 'Villa der Lilien'
3.1 Räume
3.2 Fassaden
3.3 Bauphasen
3.4 Baumaterialien
3.5 Funde
3.6 Datierung
4. Einordnung
4.1 System von Betancourt / Marinatos
4.2 System von McEnroe
4.3 System von Westerburg-Eberl
4.4 Vergleich zu Nirou Chani
5. Zusammenfassung
6. Abbildungsverzeichnis
7. Bibliographie
Häufig gestellte Fragen
Was ist die „Villa der Lilien“?
Die „Villa der Lilien“ ist ein bedeutendes minoisches Gebäude in Amnisos auf Kreta, das für seine hochwertige Architektur und berühmten Fresken aus der Bronzezeit bekannt ist.
Welche Fresken wurden in der Villa gefunden?
Zu den bekanntesten Funden gehören das Lilienfresko, das Minzenfresko und das Papyrusfresko, die wichtige Einblicke in die minoische Kunst bieten.
Welche Funktion hatte das Gebäude in Amnisos?
Obwohl die genaue Funktion aufgrund unvollständiger Ausgrabungen diskutiert wird, wird es dem Bautyp der „Minoischen Villa“ zugeordnet, der oft administrative oder religiöse Zwecke erfüllte.
Wie wird die Villa der Lilien datiert?
Die Datierung erfolgt primär durch die Auswertung der gefundenen Keramikreste und den kunststilistischen Vergleich der Fresken mit anderen minoischen Zentren wie Knossos.
Welche Rolle spielte Amnisos für die minoische Kultur?
Amnisos diente als wichtiger Hafenstandort für das nahegelegene Zentrum Knossos und war somit ein zentraler Ort für Handel und maritime Aktivitäten.
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- Felix Hahn (Author), 2012, Die 'Villa der Lilien': Ein minoisches Gebäude in Amnisos auf Kreta, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200208