Wenn wir zu allen Stunden grausige Geschehnisse mitansehen und mitanhören müssen, so verlieren wir schließlich, selbst die von Natur Zartesten unter uns, durch die ständige Folge der quälenden Eindrücke, jegliches Empfinden für Menschlichkeit.
Marcus Tullius Cicero
Ein Alltag ohne Medien erscheint in der heutigen Zeit schlichtweg undenkbar. In unserer Gesellschaft, in welcher in nahezu jedem Haushalt ein Fernsehgerät existiert und in der jeder mit der ganzen Welt vernetzt ist, Videos sekundenschnell aus dem Internet geladen werden können, Smartphones Zugriff auf den gesamten digitalen Reichtum der Menschheit erlauben und Computerspiele realitätsnahe Bilder des Krieges imitieren, ist die Frage nach dem Einfluss dieser medialen Vielfalt auf die menschliche Psyche unumgänglich.
Vor allem Kriminalität jeglicher Art, doch im speziellen Amokläufe an Schulen und Gewalttaten Jugendlicher werden oft mit dem erhöhten Medienkonsum der Heranwachsenden begründet. Nach jedem neu publizierten Gewaltverbrechen verlangt die Öffentlichkeit nach Sündenböcken und immer wieder wird der Zusammenhang zwischen medialer Gewalt und realer Gewalt aufgezeigt.
Die Diskussion um den verderbenden Einfluss von inszenierter Gewalt ist so alt wie die Medien selbst. Bereits Platon argumentierte in seinem Werk „Politeia“, welches 370 vor Christus verfasst wurde, dass die mündliche Überlieferung von Märchen beaufsichtigt werden müsse, um die Seelen der Kinder vor Vorstellungen zu schützen, die negative Einflüsse auf deren Heranwachsen haben könnten (vgl. Kunczik, 1996: S. 18). Auch Seneca äußerte etwa 400 Jahre später die Furcht vor den „verderbende[n] Einflüsse[n] realistischer, zur Unterhaltung inszenierter Gewaltdarstellungen, nämlich der Gladiatorenkämpfe“ (ebd.), während Lukrez ersann, dass eine Seeschlacht sogar unterhaltsamer Natur ist, da man nicht um das eigene Leben fürchten müsse, solange man aus der Ferne zusieht (vgl. ebd.). Nun waren damals, entgegen der oft verklärt-abenteurlichen Vorstellungen vom alten Rom, Seeschlachten nicht an der Tagesordnung, doch wenn der Gedanke des aus der Ferne Zusehens weiter verfolgt wird, so wird eines unumgänglich klar: Wenn Philosophen sich bereits in der Antike über sporadisch inszenierte Gewaltdarstellungen und deren Einfluss auf die menschliche Natur Gedanken machten, so ist es bei den heutigen Medienkonsumgewohnheiten der Gesellschaft unabdingbar, den Zusammenhang zwischen medialer Gewalt und realer Aggression zu ergründen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmung Gewalt und Aggression
3. Sozial- und Medienpsychologische Theorien zur Wirkung medialer Gewalt
3.1 Katharsistheorie und Inhibitionsthese
3.2 Die Habitualisierungsthese
3.3 Die Suggestionsthese
3.4 Die Lerntheorie
3.5 Die Stimulationstheorie
4. Von der Theorie zum experimentellen Beweis
4.1 Die Studie
4.2 Vorüberlegungen
4.3 Verfahren
4.4 Ergebnisse
5. Anwendung
6. Literaturverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Was besagt die Katharsistheorie in Bezug auf mediale Gewalt?
Diese Theorie geht davon aus, dass das Betrachten von Gewalt in Medien zu einer Reinigung (Katharsis) führt und reale Aggressionen eher abbaut.
Was ist die Habitualisierungsthese?
Sie besagt, dass häufiger Konsum von Gewaltmedien zu einer Abstumpfung führt, wodurch reale Gewalt als normaler wahrgenommen wird.
Wie unterscheidet sich die Stimulationstheorie von der Lerntheorie?
Die Stimulationstheorie geht von einer kurzfristigen Anregung zu Aggression aus, während die Lerntheorie die langfristige Übernahme von Gewalt als Verhaltensmuster beschreibt.
Wurde das Thema mediale Gewalt bereits in der Antike diskutiert?
Ja, bereits Platon und Seneca äußerten Bedenken über den negativen Einfluss von Märchen oder Gladiatorenkämpfen auf die menschliche Seele.
Gibt es experimentelle Beweise für den Zusammenhang von Medien und Gewalt?
Die Arbeit widmet sich im vierten Kapitel speziellen Studien und Verfahren, um theoretische Annahmen durch experimentelle Ergebnisse zu stützen.
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- Pet Er (Author), 2012, Führt mediale Gewalt zu realer Gewalt? Eine Betrachtung unter sozialpsychologischen Aspekten., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199982