[...] So habe ich mich gefragt, wo oder worin der
Ursprung der Entwicklungen zu einer Gesellschaftsform, so wie jene, in der ich lebe, sein kann.
Und da ich diese meine Gesellschaft als eine kapitalistisch-marktorientierte erlebe und
verstehe, möchte ich mein wissenschaftliches Bemühen in die Erkenntnis über deren
Geburtsstunde stellen. Und frei nach der Sentenz „Ich denke, also bin ich“ verstehe ich den
Moment der Etablierung des Warenhauses als ersten Augenaufschlag einer sich selbst
betrachtenden, neuen, modernen Gesellschaft; dies belegen der zeitgenössische wie
gegenwärtige öffentliche und wissenschaftliche Diskurs. So ergaben sich im Laufe meiner
Recherche zwei hauptsächliche Fragenstränge, deren Beantwortung mir hoffentlich in der
vorliegenden Arbeit gelungen sein wird:
Inwiefern kann das Warenhaus als „Tor zur Moderne“ gesehen werden? Welche
gesamtgesellschaftlichen Veränderungen beschreibt es?
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Die Entstehung und Installierung des frühen Warenhauses, Grand Magazins und
departmentstores zeitgenössischer europäischer Metropolen sowie die damit verbundenen
marktwirtschaftlichen, gesellschaftspolitischen sowie sozialen Umwälzungen sollen in dieser
Arbeit dargestellt und die Forschung zu diesen Themen hinterfragt werden. Dem aktuellen
Forschungsstand nach bestem Wissen und Gewissen folgend, werde ich auf verschiedene
theoretische Ansätze eingehen, sie auf die vorliegende Thematik bezogen umreißen und in
meine Schlussbetrachtungen einfließen lassen.
Das Warenhaus konnte seinen Platz in der modernen Gesellschaft aufgrund bzw. im Zuge von
unterschiedlichen gesellschaftlichen, industriellen und marktwirtschaftlichen
Umstrukturierungen fixieren. All diese gesellschaftlichen Neuerungen griffen ineinander und
beeinflussten sich gegenseitig; sie alle spielten ihren Part in der Dynamik der Etablierung einer
kapitalistischen Konsumgesellschaft. Im Folgenden werde ich versuchen, diese Phänomene
getrennt voneinander zu beschreiben, um die historische Entwicklung zeitgenössischer
Rahmenbedingungen nachvollziehbar zu machen, die die Entstehung des Warenhauses
vorbereiteten.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 LÄNDERSPEZIFISCHE ENTWICKLUNGEN
2.1 England
2.2 Frankreich
2.3 Deutschland
2.4 Die Weltausstellung der Industrie von 1851
3 RESTRUKTURIERUNG DER WIRTSCHAFT
3.1 Handwerk und Zünfte
3.2 Kapitalakkumulation des Frühkapitalismus und dessen Expansionsbestrebung
4 ORGANISATION DES DETAILHANDELS
4.1 Übernahme industrieller Formen in den Handel
4.2 Der Handel
4.3 Transport und Lage als Erfolgsfaktoren des Warenhauses
4.4 Stilisierte Globalisierung
5 DIE GESELLSCHAFT DER MODERNE
5.1 Theoretische Betrachtungen
5.1.1 Innengerichteter Konsum
5.1.2 Demonstrativer Konsum
5.1.3 Konsum der Individualisierung
5.2 Moderne Gesellschaft: ein Ort der „Gleichberechtigung“?
5.2.1 Demokratisierung des Konsumierens
5.2.2 Schaffung neuer Geschlechterverhältnisse
6 DIE ARCHITEKTUR DES WARENHAUSES
6.1 Warenpräsentation
6.2 Technik der Moderne
7 QUELLENINTERPRETATION : PAUL GÖHRE ÜBER DAS WARENHAUS
8 MODERNE RELIGION
9 RESÜMEE
10 LITERATURNACHWEISE
10.1 Buchtitel
10.2 Internet
10.3 Abbildungen
Häufig gestellte Fragen
Was gilt als die Geburtsstunde der modernen Shoppingkultur?
Die Etablierung des Warenhauses (Grand Magazin) in den europäischen Metropolen des 19. Jahrhunderts wird oft als Beginn der modernen Konsumgesellschaft gesehen.
Warum wird das Warenhaus als „Tor zur Moderne“ bezeichnet?
Es symbolisiert den Übergang zu einer kapitalistisch-marktorientierten Gesellschaft und brachte tiefgreifende soziale und ökonomische Umwälzungen mit sich.
Wie veränderte das Warenhaus die Geschlechterverhältnisse?
Warenhäuser schufen neue öffentliche Räume für Frauen und veränderten durch die „Demokratisierung des Konsums“ die gesellschaftliche Teilhabe.
Welche Rolle spielte die Weltausstellung von 1851 für den Handel?
Die Weltausstellung in London präsentierte industrielle Massenprodukte und beeinflusste die Warenpräsentation sowie die Konsumwünsche maßgeblich.
Was versteht man unter „demonstrativem Konsum“?
Es ist eine Form des Konsums, bei der Waren erworben werden, um den eigenen sozialen Status nach außen hin darzustellen und sich von anderen abzugrenzen.
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- Bettina Schwabl (Author), 2012, Die Entstehung früher Shoppingkultur: Betrachtung kulturgeschichtlicher Entwicklungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199974