Einseitigkeiten in Wahrnehmung, Wirklichkeitskonstruktion und Sprache erweisen sich empirisch evident oft darin, dass notwendige (heilsame) Komplementärbegriffe gleichsam zu fehlen scheinen. Würde man in repräsentativen Umfragen beispielsweise nach komplementären Begriffen (und Trends) zum Stichwort „Globalisierung“ fragen, würden vermutlich nicht viele der Befragten auf Anhieb den korrespondierenden lebensweltlichen Bezug zu Konstrukten wie „Regionalisierung“ bzw. „Lokalisierung“ erkennen. Durch diese Brille betrachtet, scheint Globalisierung „alternativlos“ zu sein – und daher möglicherweise per se erstrebenswerter – als kleinbürgerliche „Provinzialität“.
Direkte lokale und regionale Bürgerbeteiligung hingegen ist spätestens seit „Stuttgart 21“ bundesweit neu ins Bewusstsein des Volkes gerückt: Bürgerinnen und Bürger interessieren und engagieren sich wieder vermehrt für die Gestaltung und Zukunft ihres geographisch-sozialen Lebensraums. Lokale und regionale Raumentwicklung werden Gegenstand öffentlich-medialer Prozesse materieller und immaterieller Güterabwägung, sogar harter Kontroversen und schwerer Konflikte.
Offensichtlich reicht es also im 21. Jahrhundert nicht länger aus, lokale und regionale öffentliche Projekte verwaltungsrechtlich „einwandfrei“ nur durch die formellen Entscheidungsinstanzen zu bugsieren. Bürgerinnen und Bürger wollen vielmehr gerade bei politisch motivierten Projekten mehr denn je persönlich angesprochen, gehört, involviert und emotional „mitgenommen“ werden, anstatt „vor vollendete Tatsachen“ gestellt zu werden – sie wollen sich aktiv beteiligen, vor Ort an der politisch-strategischen Regionalentwicklung „partizipieren“. Erfahrungsgemäß kommt hinzu, „dass sich Bürgerinnen und Bürger meistens erst dann für die Projektfolgen interessieren, wenn diese ganz konkret werden.“
Solche Partizipation ist durchaus im Sinne moderner endogener (eigenständiger) Regionalpolitik: eines ihrer wesentlichen Elemente ist die Stärkung regionaler Selbstorganisationsfähigkeiten und lokaler Eigenverantwortung durch die aktive Mit- und Selbstbestimmung der Bevölkerung vor Ort. Angedacht ist: Wenn unterschiedliche Kompetenzträger auf diese Weise gemeinsam für eine Region Verantwortung tragen und sowohl effektiv als auch effizient zusammenwirken, können Lebensräume nachhaltig dem abgewogenen Gesamtwohl und nicht nur überhöhten lobbygesteuerten Partikularinteressen dienen – und so „ihre maximale Selbstwirksamkeit entfalten.“
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
Tabellenverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Regionen und endogene Regionalentwicklung
2.2 Regionale Standortentwicklung im Wettbewerb
2.3 Partizipative Formen der Bürgerbeteiligung
2.4 Regionale Erwachsenenbildung
3 Moderierter Bürgerdialog: Auslöser für neue Anfragen
3.1 ‚Wissensbilanz – Made in Germany’ als Ausgangsmodell
3.2 Moderationsmethode
3.3 Repräsentative Projektgruppenzusammensetzung
3.4 Eigenschaften und Kompetenzen des Bewertungsteams
3.5 Der Bürger als Ressource des impliziten regionalen Wissens?
3.6 Neue Anfragen an die regionale Erwachsenenbildung
4 Schlussbetrachtung und Ausblick
5 Zusammenfassung
Literaturverzeichnis
Eidesstattliche Erklärung
Häufig gestellte Fragen
Was ist partizipative Regionalentwicklung?
Es ist ein Ansatz, bei dem Bürger aktiv in die Gestaltung und Planung ihres Lebensraums einbezogen werden, anstatt nur über fertige Projekte informiert zu werden.
Warum reicht reine Verwaltungsarbeit bei Großprojekten nicht mehr aus?
Beispiele wie „Stuttgart 21“ zeigen, dass Bürger emotional mitgenommen und persönlich angesprochen werden wollen, um Akzeptanz für politische Projekte zu schaffen.
Was ist ein moderierter Bürgerdialog?
Ein moderierter Bürgerdialog nutzt spezifische Moderationsmethoden, um das implizite Wissen der Bürger als Ressource für die Regionalentwicklung zu nutzen.
Welche Rolle spielt die regionale Erwachsenenbildung?
Die Erwachsenenbildung fungiert als Kompetenzvermittler, um Bürger zu befähigen, konstruktiv an politischen Entscheidungsprozessen teilzunehmen.
Was bedeutet endogene Regionalentwicklung?
Es beschreibt eine Entwicklung „von innen heraus“, die auf die Stärkung regionaler Selbstorganisationsfähigkeiten und lokaler Eigenverantwortung setzt.
- Quote paper
- Dipl.-Kfm. Jörg Michael (Author), 2012, Partizipative Regionalentwicklung als moderierter Bürgerdialog, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198504