In und durch Sprache bestimmen wir, wer dazugehört und wer nicht. Die Sprache bestimmt, wie unsere Realität aussieht. Sie ermöglicht es uns, Außenseiter zu schaffen, indem wir solchen Individuen negative Eigenschaften „zusprechen“, ihnen die Ehre und Menschenwürde „absprechen“, und ihnen eine minderwertige Identität „zuschreiben“. Allein das Vokabular dieser Etikettierungen verweist schon auf den schöpferischen Charakter, die Handlungsmacht der Sprache. Wie all diese Prozesse sprachlicher Gewalt von statten gehen, d.h. wie durch die Handlungsmacht der Sprache Außenseiter geschaffen werden, soll im folgenden Teil zunächst allgemein, dann am Beispiel der Stigmatisierung Gretchens in Goethes „Faust I“ näher erläutert werden. Dieses Bürgermädchen wird von ihrer Gesellschaft als Hure etikettiert, verurteilt und ausgestoßen, weshalb auch diese spezielle Kategorisierung der Frauen vor ihrem linguistischsoziologischen Hintergrund untersucht werden soll.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Stigma, Identität und Ehre
- Stigmatisierung und sprachliche Gewalt
- Stigmatisierung und gesellschaftliche Außenseiter
- Die Stigmatisierung Gretchens in Goethes „Faust I“
- Prostituierte und Huren in der frühneuzeitlichen Gesellschaft
- Soziale Kontrolle durch Sprache
- Gretchens Stigmatisierung als Hure
- Folgen der Stigmatisierung
- Fazit
- Literatur
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Phänomen der Stigmatisierung und ihrer Auswirkungen auf die Identität und das soziale Leben von Individuen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sprachliche Gewalt zur Ausgrenzung und Diskriminierung beiträgt und welche Rolle die Sprache bei der Konstruktion von Stereotypen und der Zuschreibung negativer Eigenschaften spielt.
- Der Begriff des Stigmas und seine historische Entwicklung
- Der Zusammenhang zwischen Stigma, Identität und Ehre
- Sprachliche Gewalt als Mittel der Stigmatisierung
- Die Auswirkungen der Stigmatisierung auf die gesellschaftliche Teilhabe
- Die Rolle der Sprache bei der Konstruktion von Stereotypen
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Einleitung stellt das Thema der Stigmatisierung und sprachlicher Gewalt vor und skizziert die Relevanz der Thematik im Kontext des menschlichen Zusammenlebens. Der Begriff des Stigmas wird in seinem historischen Kontext erläutert und in Verbindung mit der gesellschaftlichen Ausgrenzung gesetzt. Die Bedeutung der Sprache als Mittel zur Konstruktion von Normen und der Unterscheidung von "normalem" und "unnormalem" Verhalten wird hervorgehoben.
- Stigma, Identität und Ehre: Dieses Kapitel untersucht die Bedeutung des Begriffs "Stigma" im Hinblick auf die soziale Identität und die Ehre eines Individuums. Es wird erläutert, wie Stigmatisierung das Image einer Person beeinträchtigen kann und wie sprachliche Gewalt zu Imageschädigungen führen kann.
- Stigmatisierung und sprachliche Gewalt: Dieses Kapitel beleuchtet die enge Verbindung zwischen Stigmatisierung und sprachlicher Gewalt. Es wird erläutert, wie Sprache als Werkzeug der Ausgrenzung und Diskriminierung eingesetzt werden kann und welche Mechanismen der sprachlichen Gewalt zur Konstruktion von Stereotypen beitragen.
- Stigmatisierung und gesellschaftliche Außenseiter: Dieses Kapitel befasst sich mit den Folgen der Stigmatisierung für den Einzelnen. Es wird gezeigt, wie stigmatisierte Personen von der Gesellschaft ausgegrenzt und diskriminiert werden, was zu sozialen und psychischen Belastungen führt.
- Die Stigmatisierung Gretchens in Goethes „Faust I“: Dieses Kapitel analysiert die Stigmatisierung der Figur Gretchen in Goethes "Faust I". Es wird untersucht, wie die gesellschaftliche Konstruktion des Begriffs "Hure" in der frühneuzeitlichen Gesellschaft zu Gretchens Ausgrenzung und Verurteilung geführt hat.
Schlüsselwörter
Stigma, Stigmatisierung, sprachliche Gewalt, Identität, Ehre, Ausgrenzung, Diskriminierung, Stereotypen, soziale Kontrolle, sprachliche Normen, "Faust I", Gretchen, Hure, frühneuzeitliche Gesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Was wird unter „sprachlicher Gewalt“ in Goethes Faust verstanden?
Sprachliche Gewalt bezeichnet die Macht der Sprache, Individuen durch Etikettierung (z.B. als „Hure“) die Ehre abzusprechen und ihnen eine minderwertige Identität zuzuschreiben.
Wie wird Gretchen in der Gesellschaft von „Faust I“ stigmatisiert?
Gretchen wird aufgrund ihres außerehelichen Verhältnisses von ihrem sozialen Umfeld als Hure etikettiert, verurteilt und schließlich aus der Gemeinschaft ausgestoßen.
Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Stigma und Ehre?
Ein Stigma beeinträchtigt das soziale Image und führt zum Verlust der Ehre, was in der frühneuzeitlichen Gesellschaft existenzbedrohend war.
Welche Rolle spielt die soziale Kontrolle durch Sprache?
Sprache dient als Werkzeug, um Normen zu festigen und Außenseiter zu schaffen, indem man ihnen negative Eigenschaften „zuspricht“ und sie so diskriminiert.
Wie war die Kategorisierung von Frauen in der Frühneuzeit?
Die Arbeit untersucht den linguistisch-soziologischen Hintergrund von Begriffen wie „Prostituierte“ und „Hure“ und deren Funktion zur Disziplinierung von Frauen.
Was ist das Fazit zur „Handlungsmacht der Sprache“?
Sprache bildet Realität nicht nur ab, sondern erschafft sie aktiv, indem sie bestimmt, wer zur Gesellschaft dazugehört und wer als Außenseiter gilt.
- Arbeit zitieren
- Anja Schäfer (Autor:in), 2010, Stigmatisierung und sprachliche Gewalt in Goethes "Faust I", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198339