Um in das komplexe Thema der Kindergartenpädagogik in der Deutschen Demokratischen Republik einzusteigen zu können, möchte ich zu aller erst einmal den Begriff der Vorschulerziehung völlig neutral betrachtet definieren.
Unter der Vorschulerziehung versteht man im weiteren Sinn die gesamte Erziehung, welche einem Kind vor der Einschulung, also der Schulreife zuteil wird.
Es existieren in dieser kindlichen Entwicklungsphase zwei wichtige Faktoren als Sozialisationsinstanzen. Erstens die Erziehung durch das Elternhaus, auf welche ich in meinen weitern Ausführungen weniger eingehen möchte, und zweitens die Prägung durch die Kinderkrippe und den Kindergarten. Im engeren Sinn bedeutet dies demnach: Die Vorschulerziehung ist die gezielte Vorbereitung des noch nicht schulreifen Kindes auf die Schule beziehungsweise den Schulbesuch.
Was bedeutet jedoch der Kindergartenbesuch für das Kind selbst?
Das Kind besucht Tag für Tag den gleichen Ort, sein Kindergarten. Hier wird es höchstwahrscheinlich nur erzogen oder betreut, weil die Eltern vollzeitlich berufstätig sind und die Erziehung des Vorschulkindes demnach nicht alleine leisten und sicher stellen können. Viele Eltern würden, heute wie damals, ihre Kinder nicht in einen Kindergarten bringen, wenn sie finanziell unabhängiger wären.
Ihr Kind bekommt im Kindergarten Werte und Normen der allgemeinen, breiten Gesellschaft vermittelt, lernt mit anderen, unbekannten Kindern umzugehen, findet die ersten Freunde und lernt seinen Standpunkt in einer Gruppe kennen. Diese Vorschulerziehung findet jedoch fern der eigentlichen Sozialisation durch das Elternhaus statt, denn der Inhalt dieser Erziehung wird durch den regierenden Staat oder dem aktuellen politischen System definiert und festgelegt. Das Elternhaus mit seinen eigenen Werten und Normen hat also in einem Kindergarten nur einen geringen Einfluss und könnte in gewisser Weise einen „Erziehungs – Konkurrenten“ darstellen.
Inhaltsverzeichnis
- Begründung der Themenwahl und Fragestellung
- Definition
- Rückblickende Herleitung und Rahmenbedingungen
- Ziele der sozialistischen Vorschulerziehung
- Alltag in der Kinderbetreuung
- Arten der Erziehungseinrichtungen
- Mögliche Alternativen
- Soziologische Kritikpunkte
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Hausarbeit untersucht die sozialistische Vorschulerziehung in der DDR, mit dem Ziel, die Methoden, Ziele und Strukturen dieser Erziehung aufzuzeigen sowie den Alltag in den Kindergärten zu beleuchten.
- Die Herausbildung der sozialistischen Persönlichkeit als zentrales Ziel der Vorschulerziehung
- Die Bedeutung des Kindergartens als Sozialisationsinstanz in der DDR
- Die Rolle des Staates und des politischen Systems in der Gestaltung der Vorschulerziehung
- Die Vermittlung sozialistischer Werte und Normen in der Kindergartenphase
- Der Einfluss des Kindergartens auf die spätere Entwicklung der Kinder
Zusammenfassung der Kapitel
- Begründung der Themenwahl und Fragestellung: Der Autor erläutert seine persönliche Motivation für die Auseinandersetzung mit dem Thema der sozialistischen Vorschulerziehung in der DDR, die aus seinen eigenen Erfahrungen und der wachsenden Neugier auf die Hintergründe dieser Erziehungspraxis resultiert.
- Definition: Dieser Abschnitt definiert den Begriff der Vorschulerziehung und beleuchtet die verschiedenen Facetten dieser Phase der kindlichen Entwicklung. Es werden die beiden wichtigen Sozialisationsinstanzen - Elternhaus und Kindergarten - vorgestellt.
- Herleitung und Rahmenbedingungen: Dieses Kapitel befasst sich mit den historischen Rahmenbedingungen, die die sozialistische Vorschulerziehung in der DDR prägten. Es wird auf die Nachkriegszeit, die Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen und die allgemeine Notlage der Bevölkerung eingegangen.
Schlüsselwörter
Sozialistische Vorschulerziehung, DDR, Kindergarten, Sozialisation, Wertevermittlung, politische Prägung, Herausbildung der sozialistischen Persönlichkeit, Kinderbetreuung, Erziehungseinrichtungen.
Häufig gestellte Fragen
Was war das Ziel der Vorschulerziehung in der DDR?
Das zentrale Ziel war die „Herausbildung der sozialistischen Persönlichkeit“ und die gezielte Vorbereitung auf den Schulbesuch.
Welche Rolle spielten Kinderkrippen und Kindergärten?
Sie dienten als wichtige Sozialisationsinstanzen, die staatlich definierte Werte und Normen vermittelten, oft als Ergänzung oder Konkurrenz zum Elternhaus.
Warum besuchten fast alle Kinder in der DDR einen Kindergarten?
Dies lag vor allem an der hohen Vollzeitberufstätigkeit beider Elternteile, die auf staatliche Kinderbetreuung angewiesen waren.
Wie sah der Alltag in der sozialistischen Kinderbetreuung aus?
Der Alltag war strukturiert durch die Vermittlung kollektiver Werte, das Erlernen von Standpunkten in der Gruppe und eine frühe politische Prägung.
Welchen Einfluss hatte das Elternhaus auf die Erziehung im Kindergarten?
Das Elternhaus hatte nur geringen Einfluss auf die pädagogischen Inhalte, da diese maßgeblich vom politischen System festgelegt wurden.
- Quote paper
- Stephan Janzyk (Author), 2010, "Zur Herausbildung der sozialistischen Persönlichkeit" - Die Vorschulerziehung im Kindergarten der DDR, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197531