„Strawinskys ‚Exil‘ war ein künstlerisches, das lange vor Weltkrieg, Revolution oder Bürgerkrieg einsetzte […].“
Mit diesen Worten beschreibt der Musikwissenschaftler Christoph Flamm das Exilleben Igor Strawinskys, der im Laufe seines Lebens in Russland, der Schweiz, Frankreich und Amerika beheimatet war. Wie viele Komponisten seiner Zeit (z.B. Hindemith, Schönberg, Weill usw.) floh auch er vor den Unruhen in Europa und fand als letzte Sta-tion Exil in den USA. Doch welche Beweggründe er wirklich hatte, welche Auswirkun-gen die Ortswechsel auf seine Musik hatten, und wie er sich letztendlich im neuen Le-ben fühlte, das soll in folgender Arbeit untersucht werden. Zuerst soll sei Lebenslauf dargestellt werden, anschließend sein Werk und sein Kompositionsstil. In einem ab-schließenden Punkt soll die „Sinfonie in C“, die auf zwei verschiedenen Kontinenten, also genau in einer erneuten Umbruchphase, geschrieben wurde, analysiert werden.
Inhaltsverzeichnis
I EINLEITUNG
II IGOR STRAWINSKY: RUSSE, FRANZOSE ODER AMERIKANER? – EINE UNTERSUCHUNG ANHAND DER SINFONIE IN C
1 Biografie
1.1 Russland
1.2 Schweiz
1.3 Frankreich
1.4 Amerika
2 Werke
3 Stil
3.1 Russische Phase (ca.1908-1919)
3.2 Neoklassische Phase (ca. 1920-1954)
3.3 Serielle Phase (ca. 1954-1966)
4 Sinfonie in C
4.1 Erster Satz: Moderato alla Breve
4.3 Dritter Satz: Allegretto
4.4 Vierter Satz: Largo; Tempo Giusto, alla breve
4.5 Zusammenfassung
III SCHLUSS
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Leben und Wirken Igor Strawinskys vor dem Hintergrund seiner verschiedenen Aufenthaltsorte und analysiert, inwiefern diese Ortswechsel und das damit verbundene Exil seine musikalische Entwicklung beeinflussten. Anhand der „Sinfonie in C“ wird dabei aufgezeigt, wie der Komponist unterschiedliche Einflüsse verarbeitete und trotz seiner nomadischen Lebensweise einen konsistenten, persönlichen Kompositionsstil wahrte.
- Biografische Stationen Strawinskys: Russland, Schweiz, Frankreich und Amerika.
- Einteilung des kompositorischen Schaffens in die Russische, Neoklassische und Serielle Phase.
- Detaillierte formale und motivische Analyse der Sinfonie in C.
- Diskussion des Exil-Begriffs und der Identitätsfrage im Kontext des Musikschaffens.
Auszug aus dem Buch
4.1 ERSTER SATZ: MODERATO ALLA BREVE
Die Form des ersten Satzes entspricht einer Sonatenhauptsatzform, allerdings in einer anderen tonalen Struktur als üblich: 1-25 Introduktion (C-Dur + fis), 26-148 Exposition, 26-59 Hauptsatz (C-Dur, ab 34 + fis, cis, gis, dis, ab 40 +b, es, as), 60-96 Überleitung, 96-148 Seitensatz (F-Dur mit gis, ab 109 auch h), 149-219 Durchführung, 220-225 Rückführung, 226-309 Reprise, 226-260 Reprise Hauptsatz (C-Dur + fis), 261-277 Reprise Überleitung (verkürzt), 278-292 Reprise Seitensatz (C-Dur + dis), 293-309 Reprise Überleitung (2.Teil), 310-368 Coda (C-Dur, f↔fis und h↔b).
Statt der üblichen Quinte steht der Seitensatz also in der Quarte. Ausgehend von einem diatonischen C-Dur tauchen außerdem immer wieder, in der Reihenfolge des Quintenzirkels, leiterfremde Vorzeichen auf, wodurch „Vorzeichen-Konflikte“ entstehen, beispielsweise zwischen f und fis oder h und b auf. Strawinsky arbeitet also auf zwei tonalen Ebenen (eine Art „Bitonalität“), wobei die erste Ebene eindeutig ist (C-Dur), die zweite durch die auftauchenden Vorzeichen nur angedeutet wird.
Weiter auffallend und für den Komponisten charakteristisch ist das schnittartige Reihen von Abschnitten, das heißt, Überleitung fallen sehr knapp aus oder fehlen ganz. Aufgebaut ist der komplette erste Satz auf das Dreiton-Motiv h-c-g, welches gleich im zweiten Takt vorgestellt wird und sich durch sämtliche folgende motivische Arbeit zieht. Statt von einem Thema bzw. Motiv wird hier eher von einer „Devise“ geredet, die fortgesponnen und zu einem Thema entwickelt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
Biografie: Der Abschnitt skizziert Strawinskys Leben in den vier Etappen Russland, Schweiz, Frankreich und USA.
Werke: Es wird ein strukturierter Überblick über das umfangreiche Schaffen Strawinskys gegeben, unterteilt in Bühnenwerke, Ballette, Vokal-, Orchester- und Klavierwerke.
Stil: Die Entwicklung des Komponisten wird in die drei Hauptphasen – russisch, neoklassisch und seriell – untergliedert und charakterisiert.
Sinfonie in C: Dieses Kapitel analysiert das Entstehungsumfeld, die Struktur und die motivische Einheit der Sinfonie in C als exemplarischem Werk der neoklassischen Phase.
Schlüsselwörter
Igor Strawinsky, Sinfonie in C, Exil, Neoklassizismus, Musikgeschichte, Kompositionsstil, Sonatenhauptsatzform, Biografie, Motivarbeit, Russland, Amerika, Musikanalyse, Bitonalität, Werkgeschichte, 20. Jahrhundert.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet das Leben und das künstlerische Schaffen von Igor Strawinsky im Kontext seiner verschiedenen Lebensstationen in Europa und Amerika und analysiert, wie diese Einflüsse seine Musik prägten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Biografie des Komponisten, der Einteilung seines Gesamtwerks in spezifische Stilphasen und der detaillierten Analyse der Sinfonie in C.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, wie Strawinsky die verschiedenen kulturellen Einflüsse seiner Exil-Lebensstationen verarbeitete und ob diese zu einer Identitätsänderung oder zu einem Bruch in seinem kompositorischen Stil führten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine biografische Einordnung sowie eine werkzentrierte, musiktheoretische Analyse, insbesondere im Hinblick auf formale und motivische Aspekte der Sinfonie in C.
Was wird im Hauptteil detailliert ausgeführt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Lebensphasen, eine Übersicht der wichtigsten Werkgruppen, eine Stildefinition sowie die spezifische Analyse der Sätze der Sinfonie in C.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Zentrale Begriffe sind Strawinsky, Exil, Neoklassizismus, Sinfonie in C, Kompositionsstil und die verschiedenen nationalen Lebensabschnitte des Komponisten.
Was meint Strawinsky mit der Bezeichnung „weißeste Partitur“ für die Sinfonie in C?
Der Begriff bezieht sich auf die weißen Tasten des Klaviers, womit Strawinsky zum Ausdruck bringt, dass das Werk sehr diatonisch angelegt und weitgehend frei von Chromatik ist.
Warum wird die Arbeit als „Exil-Leben“ in der Einleitung beschrieben?
Der Autor greift auf die Definition von Christoph Flamm zurück, um Strawinskys Leben als eine künstlerische Emigration zu charakterisieren, die bereits vor den großen politischen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts begann.
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- Regina Steinbügl (Author), 2012, Igor Strawinsky: Russe, Schweizer, Franzose oder Amerikaner?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196484