Zum Ende des 20. Jahrhunderts veränderten sich die Bilanzierungsgrundlagen für deutsche kapitalmarktorientierte Unternehmen erheblich, da international übliche Bilanzierungsstandards aus dem angloamerikanischen Raum über-nommen wurden. Hier sind insbesondere die International Financial Reporting Standards (IFRS) und die United States Generally Accepted Accounting Principles (US-GAAP), zu nennen. In der Fachliteratur ist in diesem Zusammenhang von einem „Paradigmenwechsel“ und einer neuen „Ära der Rechnungslegung“ die Rede, weil Aufgaben der Rechungslegung – wie Dokumentation und Rechenschaftslegung – nicht mehr im Vordergrund stehen, sondern mehr eine ausgerichtete investorenorientierte Informationsvermittlung.
Im Zuge dieser Veränderungen wurde auch der Fair Value, also die Bilanzierung von Vermögenswerten und Schulden zum beizulegenden Zeitwert, eingeführt. Dies resultiert in einer komplexen Prüfungssituation, da in der Regel keine Marktdaten für Vermögenswerte vorhanden sind. So äußerte auch Douglas Carmichael , dass die meisten Werte ohne börsennotierte Marktpreise nicht prüffähig seien. Die fehlende Sicherheit über das Eintreten von Ereignissen erhöht das Risiko falscher Angaben in der Rechnungslegung und bedarf somit besonderer Berücksichtigung durch den Abschlussprüfer. Es stellt sich die Frage, wie der Abschlussprüfer geschätzte (Zeit-)Werte zu prüfen hat. Die Prüfung von beizulegenden Zeitwerten ist in der Regel möglich, wenn bestimmte Prüfungsvorgaben, insbesondere der IDW-Prüfungsstandard 314 n. F. verfolgt werden.
INHALTSVERZEICHNIS
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
1 Problemstellung
2 Bilanzielle Wertbegriffe
2.1 Fair Value
2.2 Geschätzte Werte
3 Informationsasymmetrien zwischen Management und Eigner und die Folgen für die Abschlussprüfung
3.1 Prinzipal-Agenten-Theorie
3.2 Notwendigkeiten von Abschlussprüfungen
4 Prüfungen von (Zeit-)Werten nach PS 314 n. F
4.1 Prüfungsstandard 314 n. F
4.2 Prüfung von Marktwerten nach PS 314 n. F
4.2.1 Prüfung von geschätzten Werten und Zeitwerten nach PS 314 n. F
4.2.2 Prüfungshandlungen nach PS 314 n. F
5 Zusammenfassung und Fazit
LITERATURVERZEICHNIS
VERZEICHNIS DER PRÜFUNGSSTANDARDS
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Fair Value in der Rechnungslegung?
Der Fair Value (beizulegender Zeitwert) ist der Preis, der in einem geordneten Geschäftsvorfall zwischen Marktteilnehmern für einen Vermögenswert gezahlt oder für eine Schuld übertragen würde.
Warum ist die Prüfung von Zeitwerten schwierig?
Oft fehlen aktive Marktdaten, sodass Werte auf Schätzungen und Modellen basieren, was einen hohen Ermessensspielraum des Managements und Prüfungsrisiken birgt.
Was regelt der IDW Prüfungsstandard 314 n. F.?
Er gibt Abschlussprüfern Leitlinien vor, wie geschätzte Werte und Zeitwerte in der Bilanz auf ihre Angemessenheit und Vertretbarkeit zu prüfen sind.
Was besagt die Prinzipal-Agenten-Theorie für die Prüfung?
Sie beschreibt den Interessenkonflikt zwischen Management (Agent) und Eigentümern (Prinzipal); die Abschlussprüfung dient dazu, Informationsasymmetrien abzubauen.
Warum spricht man von einem Paradigmenwechsel in der Bilanzierung?
Die Rechnungslegung hat sich von der reinen Dokumentation hin zur investorenorientierten Informationsvermittlung (IFRS/US-GAAP) gewandelt.
Was sind die Folgen falscher Schätzwerte in der Bilanz?
Falsche Angaben können Investoren in die Irre führen, das Vertrauen in den Kapitalmarkt schädigen und zu rechtlichen Konsequenzen für Unternehmen und Prüfer führen.
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- Martin Kopec (Author), 2012, Prüfung von geschätzten Werten und beizulegenden Zeitwerten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196438