Friedrich Schiller und Gotthold Ephraim Lessing - zwei große Namen prägen die
Literaturgeschichte des 18. Jahrhunderts. Neben der heutigen Bedeutung haben die
bekanntesten Werke dieser beiden Schriftsteller vor allem eines gemeinsam: Im Mittelpunkt
stehen Liebespaare, deren Schicksal voller Entsagung und mit dem Tod der Liebenden endet.
Bei einem Vergleich von Miss Sara Sampson und Kabale und Liebe zeigt sich zudem eine
wichtige Gemeinsamkeit anhand des Personenverzeichnisses. Den jungen Mädchen Sara
beziehungsweise Luise Millerin stehen zum einen ihre Geliebten Mellefont und Ferdinand
sowie zum anderen die Konkurrentinnen Marwood und Lady Milford gegenüber. Unschuld
und Tugend treten gegen Laster und Verführung an.
Im Folgenden soll es insbesondere um Verhältnis und Funktion dieser Verführer und
Gegenspielerinnen gehen. Nicht nur das Spannungsmoment kann Anlass und Ziel dieser
Figurenkonstellation sein, denn es ist zu bedenken, dass im 18. Jahrhundert die Rolle der Frau
in der Gesellschaft erstmals überdacht wurde. Dieser Gedanke wird im Rahmen dieser Arbeit
stets ein wichtiger Aspekt sein.
Da der Marwood in Miss Sara Sampson eine deutlich umfangreichere Ausgestaltung
zukommt als der Milford in Kabale und Liebe, wird diese Figur zunächst autonom betrachtet.
Wer ist sie und welche Funktion kommt ihr im Stück zu? Ebendiese Fragen werden sodann
auch auf Mellefont angewandt.
Lady Milford erscheint für den Handlungsverlauf zwar ähnlich bedeutsam wie die Marwood,
ist jedoch weniger präsent. Sie und Ferdinand werden charakterisiert und ebenso auf ihre
Bedeutung für das Trauerspiel untersucht.
Sind Mellefont und Ferdinand wirklich die klassischen Verführer? Können Marwood, die
später zur Mörderin wird, und die Mätresse Lady Milford schlichtweg als lasterhaft
bezeichnet werden? Diese Fragen sollen möglichst textimmanent erörtert werden. Zum
Verständnis der jeweiligen Konflikte wird zunächst ein grundlegender Überblick über die
Rollenkonzepte des 18. Jahrhunderts vorangestellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Rollenkonzeption im 18. Jahrhundert
3 Lasterhafte Vergangenheit: Lessings Miss Sara Sampson
3.1 Mellefont, der „kleine Flattergeist“
3.2 Marwood - „Die Natur rüstet das weibliche Geschlecht zur Liebe“
4 Politik oder Liebe: Ferdinand und Lady Milford
5 Fazit
6 Literaturverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Welche Gemeinsamkeiten haben die Stücke von Lessing und Schiller?
Beide Werke thematisieren tragische Liebespaare, deren Schicksal durch gesellschaftliche Zwänge und den Tod der Liebenden besiegelt wird.
Wer sind die Gegenspielerinnen in den Dramen?
In „Miss Sara Sampson“ ist es die Marwood, in „Kabale und Liebe“ die Mätresse Lady Milford.
Wie wird die Figur der Marwood charakterisiert?
Marwood verkörpert das „Laster“ und die Verführung, agiert aber auch aus einer Position verletzter Leidenschaft und wird letztlich zur Mörderin.
Sind Mellefont und Ferdinand klassische Verführer?
Die Arbeit untersucht kritisch, ob diese männlichen Figuren lediglich als Verführer oder selbst als Getriebene ihrer Gefühle und sozialen Rollen zu sehen sind.
Welche Rolle spielt das Frauenbild des 18. Jahrhunderts?
Die Stücke spiegeln die beginnende Debatte über die Rolle der Frau in der Gesellschaft wider, wobei Unschuld und Tugend oft gegen das Laster ausgespielt werden.
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- Nora Ritzschke (Author), 2012, Verführer und ihre Gegenspielerinnen - Zu Lessings "Miss Sara Sampson" und Schillers "Kabale und Liebe", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195739