Der Aufsatz von Karl Marx Zur Judenfrage von 1843 stellt eine Replik auf zwei Texte Bruno Bauers: Die Judenfrage und Die Fähigkeit der heutigen Juden und Christen, frei zu werden, ebenfalls aus dem Jahre 1843, dar. Marx‘ Schrift entstand vor dem Hintergrund seiner kritischen Auseinandersetzung mit dem Diskurs der Junghegelianer im Vormärz, im Zuge dessen er sich intensiv mit Hegel, aber auch mit einigen seiner Adepten, wie beispielsweise Ludwig Feuerbach, Max Stirner, Moses Hess und eben Bruno Bauer, auseinandersetzte. Er begann in diesem Zeitraum damit, seine materialistische Methode zu entwickeln, sein Programm einer „materialistischen Umstülpung“, mit dem Ziel „sowohl die bürgerliche Gesellschaft, als auch Religion und die hegelsche wie junghegelianische Staats- und Rechtsphilosophie kritisieren und überwinden zu können. Genau dies war auch Marx‘ Anliegen und Antrieb bei seiner Kritik von Bauers Traktaten.“ (Haury 2011: 146)
Im Folgenden wird zunächst der Argumentationsgang von Marx im ersten Teil von Zur Judenfrage rekonstruiert, in dem er Bauers „Judenfrage“ kritisch rezensiert, in welcher dieser die Emanzipationsbestrebungen der deutschen Juden verhandelt. Gegen Ende wird dabei der Antisemitismus Erwähnung finden, evident wird dieser vor allem in Hinblick auf Vorwürfe an Marx’ Text, er sei antisemitisch oder bediene zumindest entsprechende Ressentiments. Vorwürfe dieser Art beziehen sich zumeist auf den zweiten Teil von Marx Schrift, folglich werden bei der argumentativen Nachverfolgung diesen Teils analog zu den betreffenden besonders kontroversen Stellen daher weiterführende Erläuterungen eingearbeitet. Zentral ist dabei die Frage, ob Marx‘ Text als antisemitisch zu bezeichnen ist. Eine kurze Klärung, was unter dem Phänomen des Antisemitismus zu fassen ist, erfolgt vorhergehend. In einer resümierenden Schlussbemerkung werden die Ergebnisse abschließend zusammenfassend dargelegt und interpretatorisch in Zusammenhang mit über den Gegenstand dieser Arbeit hinausweisenden Fragen gebracht werden.
Inhalt
Der erste Teil von Marx‘ Zur Judenfrage
Zur Kritik der Menschenrechte
Hinführung zum zweiten Teil
Antisemitismus (nicht nur) bei Marx – eine Vorbemerkung
Der zweite Teil von Marx‘ Zur Judenfrage
Resümierende Schlussbemerkung
Literatur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in Karl Marx' Schrift „Zur Judenfrage“?
Marx setzt sich kritisch mit Bruno Bauers Thesen zur Emanzipation der Juden auseinander und entwickelt dabei seine eigene Sicht auf politische vs. menschliche Emanzipation.
Ist der Text von Marx als antisemitisch einzustufen?
Die Arbeit untersucht diese kontroverse Frage, da Marx insbesondere im zweiten Teil starke Ressentiments und ökonomische Klischees bedient, die heute oft als antisemitisch bewertet werden.
Was kritisiert Marx an den Menschenrechten?
Marx sieht in den Menschenrechten lediglich die Rechte des egoistischen Individuums der bürgerlichen Gesellschaft, die eine wahre menschliche Emanzipation nicht ersetzen können.
Wer war Bruno Bauer im Kontext dieses Werks?
Bruno Bauer war ein Junghegelianer, dessen Schriften zur „Judenfrage“ Marx als Anlass für seine eigene Replik und die Entwicklung seiner materialistischen Methode dienten.
Was versteht Marx unter „materialistischer Umstülpung“?
Es ist sein Programm, Hegels idealistische Philosophie auf eine materielle, ökonomische Basis zu stellen, um Staat und Religion radikal zu kritisieren.
- Quote paper
- Dominic Goebel (Author), 2012, Karl Marx‘ "Zur Judenfrage" und das Verhältnis zum Antisemitismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195500