'Void Story' – schon der Titel einer der letzten Arbeiten der englischen Performancegruppe Forced Entertainment scheint im Zeichen des Paradoxes zu stehen: Worin besteht diese leere Geschichte? In welchem Zusammenhang stehen Leere und Ereignis – als erzähltes Ereignis und Ereignis des Erzählens? Ist diese Leere die Bedingung eines Raumes, in dem sich das Erzählen und sein Erzähltes vielleicht erst ereignen können? Eine leere Geschichte also als Geschichte ohne Zentrum – eine ex-zentrische Geschichte? - Wo ereignet sie sich?
Am besten ließe sich vielleicht die Arbeit Void Story, die Forced Entertainment während des Live Brits Special im Hebbel am Ufer am 29. und 30. Juni präsentierte, als grafisches Hörspiel bezeichnen. Void Story ist konzipiert für vier Performer, von denen zwei die Texte der beiden Protagonisten des Stücks sprechen, während die anderen abwechselnd die übrigen Sprechrollen und die Koordination der auf Computer vorgespeicherten Soundeffekte übernehmen.
Währenddessen erscheinen im Stil eines Fotofilms auf einer Projektionsleinwand Bilder, die als Storyboard für einen imaginären Film bezeichnet werden könnten, der in der Überschneidung mit den Live-Dialogen der Performer und den aufgezeichneten Soundeffekten vor den Zuschauern entsteht. So wird die in ihrer bloßen Anhäufung an Gefahren und Unglück absurd übersteigerte Geschichte von Kim und Jackson erzählt, eines Paares, das durch eine monströse Welt von Gewalt, Krieg, Ausnahmezuständen und Naturkatastrophen, grundlos angeschossen und aus der eigenen Wohnung vertrieben, wandern muss. Ihr Schicksal ereignet sich in der Leere eines referentiellen Zwischenraums, in dem verschiedene mediale Ebenen miteinander kommunizieren.
Die auf der Bühne zur Schau gestellte Arbeit des Erzählens ist ein Teil der Performance. Diese Verschränkung der beiden Ebenen von Narration und den Bedingungen ihrer Produktion wird sichtbar in der doppelten Anwesenheit der Performer auf der Bühne. Einmal sind sie in einem eminenten Sinn Beteiligte an der Produktion der Aufführung; zugleich aber verlassen sie immer wieder die ihnen zugehörige Funktion, und können z.B. selber zu Rezipienten des Aufführungsgeschehens werden. So ereignet sich nicht nur das Was einer erzählten Geschichte, sondern das Wie ihrer narrative Produktion wird selber zum Ereignis.
Inhaltsverzeichnis
Zur Einführung: Die Zwischenräume der Imagination
Der Spielraum: Das leere Zentrum
Die Beleuchtung: Zwischen Bruch und Atmosphäre
Die Projektionen: Das Prinzip der Montage als Spiel der Referenz
Die Performer: Das Spiel ohne Rolle und die doppelte Präsenz
Schluss/Ausblick: Der Zuschauer als Ort des Ereignisses und das Bewusstsein der Verantwortung
Häufig gestellte Fragen
Was verbirgt sich hinter dem Titel 'Void Story'?
'Void Story' ist eine Performance der Gruppe Forced Entertainment, die als paradoxe „leere Geschichte“ konzipiert ist und das Verhältnis zwischen Leere und dem Ereignis des Erzählens untersucht.
Wie ist die Performance 'Void Story' technisch aufgebaut?
Sie wird als grafisches Hörspiel beschrieben, bei dem vier Performer live Texte sprechen und Soundeffekte koordinieren, während auf einer Leinwand Bilder im Stil eines Fotofilms (Storyboard) projiziert werden.
Wovon handelt die Geschichte von Kim und Jackson?
Es ist die absurd übersteigerte Erzählung eines Paares, das durch eine Welt voller Gewalt, Krieg und Naturkatastrophen wandern muss, nachdem sie grundlos aus ihrer Wohnung vertrieben wurden.
Welche Rolle spielen die Performer auf der Bühne?
Die Performer haben eine doppelte Präsenz: Sie sind einerseits aktiv an der Produktion beteiligt, verlassen aber immer wieder ihre Funktion und werden selbst zu Rezipienten des Geschehens.
Was ist das Besondere am Erzählstil von Forced Entertainment?
Das „Wie“ der narrativen Produktion wird selbst zum Ereignis. Die Arbeit des Erzählens wird offen zur Schau gestellt und findet in einem medialen Zwischenraum statt.
- Arbeit zitieren
- Maximilian Gilleßen (Autor:in), 2009, Die Arbeit des Erzählens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194812