Die Begriffe „Kriminalität“ und „(Un-)Sicherheit“ sind in der modernen Gesellschaft und in der öffentlichen sowie in der wissenschaftlichen Diskussion als natürliche Erscheinungsform des gesellschaftlichen Lebens allgegenwärtig.
Seit Mitte der 70er Jahre werden Kriminalitätskartierungen mit großer Emotionalität gefertigt. Methodik und Vorarbeit stellen Wissenschaften zur Verfügung, welche im deutschsprachigen Raum als „Kriminalgeographie“ und „Kriminologische Regionalanalyse“ betitelt werden (BELINA, B. 2007: 241).
Die Thematiken „Kriminalität“ und „(Un-)Sicherheit“ ermöglichen insbesondere der modernen Humangeographie neue und aufschlussreiche Ansatzpunkte. Insofern lässt sich aufzeigen, in welchem Umfang räumliche Zuschreibungen und Bedeutungen mit den obigen Themenfeldern in Verbindung gebracht werden (ROLFES, M. 2008: 4). Ausdrücke wie Ghetto, Kriminalitätsbrennpunkt, Angstraum, nogo-area oder einfach nur Berliner Bahnhof Zoo werden zum Synonym für Kriminalität oder Unsicherheit und deuten darauf hin, dass Diskussionsansätze für eine Verräumlichung von Kriminalität und Unsicherheit vorherrschen. Insofern werden Stadtviertel, Straßenzüge oder Plätze als potenziell kriminelle oder unsichere Räume erschaffen (GLASZE, G.; PÜTZ, R.; ROLFES, M. 2005: 13). Insbesondere Medien, Politik und Polizei tragen dazu bei, dass eine Lokalisierung von Kriminalität und Unsicherheit in bestimmten Gegenden Teil des Alltagsverständnisses wird (BELINA, B. 2007: 241).
Im Hinblick auf die Verräumlichung von Kriminalität und (Un-)Sicherheit wird in der vorliegenden Arbeit verdeutlicht, inwiefern kriminalgeographische Arbeiten und darauf folgende kriminalpräventive Maßnahmen für die Regionalwissenschaft und die Humangeographie ein diskussionswürdiges Instrument sind. Dabei werden sowohl methodische als auch interpretative Defizite aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die traditionelle Kriminalgeographie
2.1 Begriff der Kriminalgeographie
2.2 Geschichte der Kriminalgeographie
3 Praxisrelevanz - Kriminologische Regionalanalysen
4 Kritische Betrachtungen der Kriminalgeographie
4.1 Methodik
4.2 Das Raumverständnis in der Kriminalgeographie
4.2.1 Stigmatisierung von Wohngebieten
4.2.2 Stigmatisierung von Bevölkerungsgruppen
4.3 Räumliche Ideologien in der Kriminalprävention
4.3.1 Das Aussprechen von Betretungsverboten
4.3.2 Videoüberwachung zur Konstruktion sicherer Räume
5 Fazit
6 Literaturverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Was ist Kriminalgeographie?
Eine Wissenschaft, die den Zusammenhang zwischen Raum und Kriminalität untersucht, insbesondere durch die Kartierung von Straftaten.
Was wird an Kriminalitätskartierungen kritisiert?
Kritiker bemängeln, dass sie zur Stigmatisierung von Wohngebieten und Bevölkerungsgruppen führen können, ohne die sozialen Ursachen zu erklären.
Was versteht man unter einem „Angstraum“?
Ein Raum, der durch mediale oder polizeiliche Zuschreibungen als unsicher wahrgenommen wird, was das Verhalten der Menschen (Vermeidung) beeinflusst.
Welche Rolle spielen Medien bei der Verräumlichung von Kriminalität?
Medien tragen maßgeblich dazu bei, bestimmte Orte (z.B. Berliner Bahnhof Zoo) als Synonyme für Unsicherheit im Alltag zu verankern.
Wie wird Videoüberwachung in der Kriminalgeographie bewertet?
Sie wird oft als Instrument zur Konstruktion „sicherer Räume“ kritisch betrachtet, da sie Kriminalität oft nur verlagert, statt sie zu verhindern.
Was ist eine kriminologische Regionalanalyse?
Eine Methode zur Untersuchung lokaler Kriminalitätsstrukturen, um gezielte kriminalpräventive Maßnahmen für bestimmte Regionen zu entwickeln.
- Arbeit zitieren
- Sylvia Lorenz (Autor:in), 2011, Kriminalgeographie - Kritik zur räumlichen Fixierung von Kriminalität und (Un-)Sicherheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194402