„Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“ Die Worte, die Jesus bei der Bereitung des Paschamahls spricht klingen bis heute in den Ohren der Christen dieser Welt. Jene berühmten Worte, die die Einheit zwischen Gott und den Menschen seiner Gnade wie kaum etwas anderes zum Ausdruck bringt. Der Bund zwischen Gott und den Menschen, der mit Mose im Alten Testament seinen Ursprung hat – „Da nahm Mose das Blut, besprengte damit das Volk und sagte: Das ist das Blut des Bundes, den der Herr aufgrund all dieser Worte mit euch geschlossen hat.“ – wird durch diese Tat Jesu Christi erneuert, wie Jeremia es schon angekündigt hatte: „Seht, es werden Tage kommen - Spruch des Herrn -, in denen ich mit dem Haus Israel und dem Haus Juda einen neuen Bund schließen werde“ . Die Menschen können sich glücklich schätzen, sie sind Teil des Heilsplans Gottes und dadurch offenbart sich ihnen hierin die größte Gnade, die Errettung der Menschen vor dem Tod und das ewige Leben bei ihm.
Und auch heute wird dieser wichtigen Stelle des Evangeliums eine ungeheure Aufmerksamkeit gewidmet. Die Feier der Eucharistie ist Grundbestandteil des christlichen Glaubens. In ihr findet die Begegnung zwischen den Menschen und Gott bzw. Jesus Christus statt. Die Katholiken dieser Erde kommen zusammen, um Gott zu loben und sich auf die Spuren Jesu Christi zu begeben, ihm zu begegnen im Brot und Wein des Abendmahls. Dementsprechend ist die Feier der Kommunion ein wichtiger Bestandteil der Eucharistie. Die oben angesprochenen Worte Jesu aus dem Evangelium nach Matthäus finden sich in dieser Kommunionsfeier wieder. Die Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi, die vom Priester vollzogen wird, beinhaltet eben jenen Einsetzungsbericht. Das Brot wird gebrochen, es ist sein Leib, der für uns hingegeben wird. Und der Wein wird gereicht; „Das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes. Mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird, zur Vergebung der Sünden. Tut dies zu meinem Gedächtnis“ . Für euch und für alle? Warum unterscheiden sich die Worte der Wandlung von den Worten Jesus Christus, wie wir sie aus den Evangelien kennen. Heißt es nun ‚für viele‘ oder ‚für alle‘?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Die richtige Übersetzung und die Stellung der Kirche
2.1.1. Das „ὑπὲρ πολλῶν“
2.1.2. Die Konsekrationsworte verändern sich – „Das Schicksalsjahr 1968“
2.2. Jesu Leben für die Menschen und die Bedeutung für die Gesellschaft
2.2.1. Der Begriff der ‚Stellvertretung‘
2.2.1.1. Die Stellvertretung Jesu Christi im Allgemeinen
2.2.1.2. Exkludierende oder inkludierende Stellvertretung?
2.2.2. Die Proexistenz Jesu Christi
2.2.3. Das Opfer Jesu Christi und seine Bedeutung in der heutigen Gesellschaft
3. Schlussbetrachtung
4. Literaturverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Kern der Diskussion um die Wandlungsworte?
Es geht um die Frage, ob es in der Eucharistiefeier heißen muss, dass das Blut Christi 'für viele' (biblisch näher) oder 'für alle' (theologisch inklusiver) vergossen wurde.
Was bedeutet der griechische Begriff 'ὑπὲρ πολλῶν'?
Wörtlich übersetzt bedeutet er 'für viele'. In der theologischen Exegese wird debattiert, ob dies eine einschränkende Menge meint oder im semitischen Sinne eine Gesamtheit umschreibt.
Was änderte sich im Jahr 1968 bezüglich der Wandlungsworte?
In diesem Jahr wurde in vielen Sprachen, auch im Deutschen, die Übersetzung 'für alle' eingeführt, was später zu kirchenamtlichen Diskussionen über die Treue zum Urtext führte.
Was versteht man unter der 'Proexistenz' Jesu Christi?
Der Begriff beschreibt Jesu Leben und Sterben als ein konsequentes Dasein 'für andere', was die Grundlage für das Verständnis seines Opfers bildet.
Welche Rolle spielt der Begriff 'Stellvertretung'?
Die Arbeit untersucht, ob das Handeln Jesu als exkludierende (nur für eine bestimmte Gruppe) oder inkludierende (für die gesamte Menschheit) Stellvertretung zu verstehen ist.
Warum ist diese sprachliche Feinheit für die Kirche so wichtig?
Da die Eucharistie das Zentrum des katholischen Glaubens ist, haben die verwendeten Worte eine hohe dogmatische und liturgische Bedeutung für die Einheit der Kirche.
- Arbeit zitieren
- Matthias Wein (Autor:in), 2012, „Für viele“ oder „für alle“? - Zur Diskussion über die Wandlungsworte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194082