Jean-Jacques Rousseaus Philosophie wurde schon mit der verschiedenster Theoretiker verglichen. Umso erstaunlicher ist es, dass es kaum Vergleiche mit dem Denken der Federalist Papers gibt – obwohl beide zeitnah beieinander verfassten Konzepte das Ziel des Gemeinwohls hatten, aber ihre Ideen sich diametral gegenüber stehen. So will Rousseau in der Republik möglichst eine direkte Demokratie zur Verwirklichung des Gemeinwillens und die Federalists forcieren ein Repräsentativsystem.
Die Unterschiede beginnen schon bei den Vorbedingungen für den jeweiligen Staat, etwa bei der Frage nach der besten Größe der Republik. So kommt Rousseau zu einem ähnlichen Schluss wie die Anti-Federalists: Das gesellschaftliche Band sei bei kleinen Völkern enger und eine direkte Demokratie nur in Kleinstaaten, zu verwirklichen - denn „im allgemeinen ist ein kleiner Staat verhältnismäßig stärker als ein großer“ und es gebe Gründe für große und kleine Staaten, aber generell seien „die Gründe für eine Vergrößerung, da sie nur äußere und bedingte sind, den Gründen für die Verkleinerung, die innerlich und unbedingt sind“ untergeordnet. Denn es bedürfe nahezu einer Gleichheit der Interessen im Staate für die Bildung des Gemeinwillens. Die Federalists plädieren dagegen für eine große föderalistische Republik in Amerika, einer Union, die sich von den Polisdemokratien absetze .
Daher soll das Thema dieser Arbeit ein Vergleich der Größenkonzeptionen sein, soll also darstellen, worin und weshalb sich die Größen der Republik bei Rousseau und den Federalists unterscheiden und was im Rückschluss realistischer und überzeugender wirkt. Dazu möchte ich die Arbeit folgendermaßen untergliedern: Erst wird auf die innenpolitischen Faktoren jeweils eingegangen, wie Homo- und Heterogenität, Herrschaftsmodelle und die Rolle von Parteiungen. Dann werden außenpolitische Faktoren jeweils beleuchtet, wie Handel, Autarkie, Bevölkerungsdichte, Krieg und Frieden. Je ein Zwischenfazit bilanziert die vorläufige Lage und ein Schlussresümee rundet das Ganze ab.
Inhaltsverzeichnis
- Vergleichsansätze zur Größenkonzeption der Republik bei Rousseau und den Federalists
- Die Größenkonzeption der Republik im Vergleich
- Innenpolitische Faktoren der Größenkonzeptionen
- Innenpolitische Faktoren bei Jean-Jacques Rousseau
- Innenpolitische Faktoren bei den Federalist Papers
- Zwischenfazit zu den innenpolitischen Faktoren von Rousseau und den Federalists
- Außenpolitische Faktoren der Größenkonzeptionen
- Außenpolitische Faktoren bei Jean-Jacques Rousseau
- Außenpolitische Faktoren bei den Federalist Papers
- Zwischenfazit zu den außenpolitischen Faktoren von Rousseau und den Federalists
- Schlussfazit: Federalists realitätsnäher, aber verdiente Aufmerksamkeit für Rousseau
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit analysiert die Größenkonzeption der Republik bei Jean-Jacques Rousseau und den Federalist Papers im Vergleich. Sie untersucht die innen- und außenpolitischen Faktoren, die bei beiden Denkern zur Festlegung der optimalen Größe des Staates führen. Ziel ist es, die jeweiligen Argumente zu vergleichen und zu bewerten, um zu erforschen, welche Konzeption realistischer und überzeugender erscheint.
- Volkssouveränität und die Rolle des Einzelnen im Staat
- Homogenität und Heterogenität der Bevölkerung
- Direkte Demokratie vs. Repräsentation
- Autarkie und Handel als außenpolitische Faktoren
- Der Einfluss von Krieg und Frieden auf die Größe des Staates
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel analysiert die Vergleichsansätze zur Größenkonzeption der Republik bei Rousseau und den Federalists. Es zeigt auf, dass beide Denker das Ziel des Gemeinwohls verfolgen, jedoch unterschiedliche Konzepte zur Erreichung dieses Ziels favorisieren.
Das zweite Kapitel widmet sich der Analyse der innenpolitischen Faktoren der Größenkonzeptionen. Zunächst werden die Argumente Rousseaus für einen kleineren Staat mit homogenen Interessen beleuchtet, wobei die Rolle der Volkssouveränität, der Verwaltung und des Patriotismus im Vordergrund stehen. Anschließend werden die Federalist Papers in Bezug auf Repräsentation, Heterogenität und den föderalistischen Aufbau des Staates untersucht.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den Schlüsselbegriffen: Volkssouveränität, direkte Demokratie, Repräsentativsystem, Homogenität, Heterogenität, Autarkie, Handel, Krieg und Frieden, Gemeinwohl, Staat, Republik.
Häufig gestellte Fragen
Warum bevorzugte Rousseau eine kleine Republik?
Rousseau glaubte, dass der Gemeinwille (Volonté générale) nur in kleinen, homogenen Völkern durch direkte Demokratie wirksam realisiert werden kann.
Was war das Konzept der Federalists für die USA?
Die Federalists plädierten für eine große, föderalistische Union mit einem Repräsentativsystem, um Parteiungen auszugleichen und Stabilität zu gewährleisten.
Welche Rolle spielt die Homogenität der Bevölkerung?
Für Rousseau war Homogenität die Basis für ein enges gesellschaftliches Band, während die Federalists Heterogenität als Schutz gegen Tyrannei ansahen.
Wie beeinflussen Außenpolitik und Handel die Staatsgröße?
Während Rousseau Autarkie und eine geringe Abhängigkeit vom Außenhandel für Kleinstaaten favorisierte, sahen die Federalists in einer großen Union wirtschaftliche und militärische Vorteile.
Welches Modell wird in der Arbeit als realistischer bewertet?
Die Arbeit kommt zum Schluss, dass die Konzeption der Federalists realitätsnäher ist, betont jedoch die Bedeutung von Rousseaus theoretischen Ansätzen.
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- Philip J. Dingeldey (Author), 2012, Eine große oder kleine Republik?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193740