Der berühmte Satz Noelle-Neumanns ‚Return to the Concept of Powerful Mass Media’ stellte einen Paradigmenwechsel in der Geschichte der Medienwirkungsforschung der Kommunikationswissenschaft dar und bewegte Wissenschaftler in der Vergangenheit wie auch heute dazu, sich intensiv mit den Annahmen und den daraus resultierenden Folgen der Theorie der Schweigespirale auseinanderzusetzen (vgl. Bonfadelli/Wirth 2005: 590). Es gibt nur wenige Theorien in der Medienwirkungsforschung, die so umstritten und stark diskutiert worden sind wie die Theorie der Schweigespirale.
Noelle-Neumann ging davon aus, dass Medien sofort und direkt auf die Rezipienten einwirkten so „als würde ihnen eine Spritze gesetzt“.
(Noelle-Neumann 1994: 521) Diese eminente Äußerung illustriert besonders welch radikale Umwälzung in der Kommunikationswissenschaft stattfand – weg von der Ohnmacht, hin zur Allmacht der Medien. Das Werk Noelle-Neumanns ‚Die Schweigespirale – öffentliche Meinung – unsere soziale Haut’, das in den 1970er Jahren entstand, wurde innerhalb der Scientific Community einerseits als revolutionäre Theorie der öffentlichen Meinung und andererseits als absurd bezeichnet.
Mit Hilfe dieses Konzepts versuchte die Wissenschaftlerin in ihren populären Publikationen die Entstehung der öffentlichen Meinung und den Zusammenhang zur Massenkommunikation zu erklären. Dabei war die Definition der öffentlichen Meinung eine wichtige Prämisse, um den sozialpsychologischen Prozess der Schweigespirale zu verstehen (vgl. Schenk 1987: 526). Hierbei wurden auch Disziplinen wie die Soziologie, Politologie und andere Sozialwissenschaften in das neue Konzept mit eingebracht. Noelle-Neumann geht in ihren Arbeiten sowohl auf das Publikum als Rezipienten, als auch auf den Einfluss von Kommunikatoren und Medien ein und initiiert besonders dadurch eine heftige internationale Debatte um die Validität ihrer Theorie. (Vgl. Deisenberg 1986: 51ff.)
Aufgrund der enormen Skepsis, die bis heute an der Theorie der Schweigespirale geäußert wird, ist es Ziel dieser Arbeit, sich kritisch mit den Hypothesen der Schweigespirale auseinanderzusetzen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Schweigespirale
- Konzept
- Prämissen
- Wertgeladenheit
- Aktualität
- Wandelnde Mehrheitsverhältnisse
- Hypothesenkritik
- Isolationsfurcht
- „Quasi-statistischer Wahrnehmungsapparat“
- Artikulationsfunktion der Massenmedien
- Redebereitschaft
- Methodische Kritik
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Ziel dieser Arbeit ist eine kritische Analyse der Theorie der Schweigespirale, insbesondere hinsichtlich der Gültigkeit ihrer Grundannahmen. Hierzu werden das Konzept und die Prämissen der Theorie vorgestellt und anschließend im Detail analysiert.
- Das Konzept der Schweigespirale und ihre Bedeutung für die öffentliche Meinung
- Die drei zentralen Prämissen der Theorie: Wertgeladenheit, Aktualität und wandelnde Mehrheitsverhältnisse
- Die Kritik an den vier zentralen Hypothesen: Isolationsfurcht, der quasistatistische Wahrnehmungsapparat, die Artikulationsfunktion der Massenmedien und die Redebereitschaft
- Die methodische Vorgehensweise von Noelle-Neumann und ihre Kritik
- Die Schlussfolgerungen zur Qualität und Haltbarkeit der Theorie der Schweigespirale
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die Theorie der Schweigespirale von Elisabeth Noelle-Neumann vor und erläutert deren Bedeutung für die Medienwirkungsforschung. Das zweite Kapitel widmet sich dem Konzept der Schweigespirale und den drei zentralen Prämissen, die den Spiralprozess in Gang setzen: Wertgeladenheit, Aktualität und Wandelnde Mehrheitsverhältnisse. Die Kapitel 3-5 beleuchten die vier zentralen Hypothesen der Theorie und deren Kritik: Isolationsfurcht, der quasistatistische Wahrnehmungsapparat, die Artikulationsfunktion der Massenmedien und die Redebereitschaft.
Schlüsselwörter
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Theorie der Schweigespirale, einem zentralen Konzept der Medienwirkungsforschung. Weitere wichtige Begriffe sind öffentliche Meinung, Massenmedien, Isolationsfurcht, quasistatistischer Wahrnehmungsapparat, Artikulationsfunktion, Redebereitschaft und methodische Kritik.
Häufig gestellte Fragen
Was besagt die Theorie der Schweigespirale?
Die Theorie von Elisabeth Noelle-Neumann besagt, dass Menschen ihre Meinung eher verschweigen, wenn sie glauben, sich in der Minderheit zu befinden, aus Angst vor sozialer Isolation.
Was ist der „quasi-statistische Wahrnehmungsapparat“?
Es ist die angenommene Fähigkeit des Menschen, die Mehrheitsverhältnisse in seiner Umwelt ständig unbewusst zu scannen, um die eigene Meinung daran anzupassen.
Welche Rolle spielen die Massenmedien in dieser Theorie?
Medien haben eine Artikulationsfunktion: Sie geben vor, welche Meinungen mehrheitsfähig sind, und verstärken den Spiralprozess durch ihre Allmacht.
Was sind die drei zentralen Prämissen der Schweigespirale?
Die Themen müssen wertgeladen sein, eine gewisse Aktualität besitzen und die Mehrheitsverhältnisse müssen sich im Wandel befinden.
Warum wird die Theorie heute oft kritisch gesehen?
Kritiker hinterfragen die tatsächliche Allmacht der Medien, die Universalität der Isolationsfurcht sowie die methodische Vorgehensweise Noelle-Neumanns.
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- B.A. Juliane Rietzsch (Author), 2010, Die Schweigespirale - Eine kritische Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193212