Das Thema Familie ist in den letzten Jahren verstärkt in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Angesichts struktureller Veränderungen in der demographischen Entwicklung und der sich daraus abzeichnenden Folgen für die sozialen Sicherungssysteme sowie eines tiefgreifenden Wandels familialer Lebenswelten steht Familienpolitik vor der enormen Herausforderung, zum einen den existentiellen Anforderungen der Gesellschaft und ebenso den persönlichen Wünschen ihrer Mitglieder gerecht zu werden. Als Brücke zwischen Familie und Gesellschaft ist es Aufgabe von Familienpolitik, Voraussetzungen für eine optimale Funktionstüchtigkeit von Familien zu schaffen und zum Wohl und Fortbestehen der Gesellschaft beizutragen. Dazu gehört auch das Reagieren auf gesamtgesellschaftliche Wandlungstendenzen, die für die Zukunft der Familie eine Relevanz besitzen. Familienpolitik muss sich immer wieder auf Veränderungen in diesen Bereichen einstellen und dementsprechend handeln: bestehende Gesetze werden aufgehoben, sie werden verändert oder neue Gesetze werden erlassen. Familienpolitik hat die Aufgabe, missliche Verhältnisse in der Gesellschaft umzugestalten – es müssen Reformen stattfinden.
Als eine der bedeutendsten familienpolitischen Reformen der letzten Jahre ist wohl die Einführung des Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetzes am 01. Januar 2007 zu nennen. Das neue Elterngeld sollte einen grundlegenden strukturellen Wandel vorantreiben: Es sollte auf die demographischen und gesellschaftlichen Entwicklungen reagieren, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern und bessere ökonomische Perspektiven für Familien schaffen.
Hat das neue Elterngeld diese Ziele erreicht? Welche Akteure haben an dessen Umsetzung mitgewirkt? Was waren die Einflüsse? Warum ist es gerade im Jahr 2007 eingeführt worden, und nicht vielleicht schon viel früher – oder später? Diese Fragen sollen in der vorliegenden Politikfeldanalyse geklärt werden. Der gesamte Reformprozess – von der ersten Idee eines Elterngeldes bis zur Ergebnisauswertung – wird schrittweise untersucht. Ein geeignetes Instrument zur Analyse solch politischer Prozesse ist der so genannte „Policy-Cycle“, der die politischen Prozesse als eine Folge diskreter Phasen der Problemverarbeitung darstellt.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Hauptteil
- Der Policy-Cycle
- Problemwahrnehmung und Agenda Setting
- Politikformulierung
- Politikimplementierung
- Evaluierung
- Der Policy-Cycle
- Fazit und Empfehlung
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit analysiert die Einführung des Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetzes (BEEG) im Jahr 2007, das eine bedeutende familienpolitische Reform in Deutschland darstellt. Die Analyse zielt darauf ab, den gesamten Reformprozess vom ersten Entwurf bis zur Evaluation zu untersuchen, und wie dieser mit dem so genannten Policy-Cycle in Verbindung steht. Durch die Untersuchung des Politikzyklus soll aufgezeigt werden, wie das Elterngeld zum Thema der öffentlichen Debatte wurde, welche Akteure an seiner Entwicklung beteiligt waren und welche Auswirkungen es auf Familien und die Gesellschaft hatte.
- Einführung des Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetzes
- Analyse des Policy-Cycle Modells
- Akteure und ihre Rollen im Reformprozess
- Auswirkungen des Elterngeldes auf Familien und Gesellschaft
- Evaluation des Elterngeldes
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die Bedeutung der Familienpolitik in der Gegenwart und stellt die Einführung des Elterngeldes als eine wichtige Reform vor. Sie skizziert die Forschungsfragen der Arbeit und erläutert die Verwendung des Policy-Cycle Modells für die Analyse.
- Hauptteil: Der Hauptteil befasst sich mit dem Policy-Cycle, ein Modell, das den politischen Prozess in verschiedene Phasen unterteilt. Es wird zunächst das ideale Modell erläutert und anschließend auf die konkrete Einführung des Elterngeldes angewandt. Dabei werden die Phasen der Problemwahrnehmung, Agenda Setting, Politikformulierung, Politikimplementierung und Evaluierung im Detail beschrieben.
Schlüsselwörter
Familienpolitik, Elterngeld, Policy-Cycle, Problemwahrnehmung, Agenda Setting, Politikformulierung, Politikimplementierung, Evaluierung, Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz, BEEG, Deutschland.
Häufig gestellte Fragen
Was war das Ziel der Einführung des Elterngeldes 2007?
Das Elterngeld sollte die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern, auf den demographischen Wandel reagieren und Vätern einen Anreiz bieten, sich stärker an der Erziehung zu beteiligen.
Was versteht man unter dem "Policy-Cycle"?
Es ist ein Modell, das den politischen Prozess in Phasen unterteilt: Problemwahrnehmung, Agenda Setting, Politikformulierung, Implementierung und Evaluierung.
Wer waren die wichtigsten Akteure bei der Elterngeld-Reform?
Neben der Bundesregierung spielten Parteien, Verbände und wissenschaftliche Berater eine zentrale Rolle im Diskurs und bei der Ausgestaltung des Gesetzes.
Wie wirkt sich das Elterngeld auf die ökonomische Situation von Familien aus?
Es ersetzt einen Teil des wegfallenden Erwerbseinkommens (Lohnersatzleistung), was besonders für Familien mit mittleren Einkommen eine bessere Absicherung darstellt als das alte Erziehungsgeld.
Wurde das Elterngeld erfolgreich evaluiert?
Ja, die Arbeit untersucht die Auswirkungen und stellt fest, dass das Elterngeld zu einer höheren Väterbeteiligung und einer schnelleren Rückkehr von Müttern in den Beruf beigetragen hat.
- Quote paper
- Kirsten Reinhardt (Author), 2012, Reform in der Familienpolitik am Beispiel der Einführung des Bundeselterngeldes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193027