In der ehemaligen ARD-Talkshow Heut’ abend äußerte sich der Autor Michael Ende über die Entstehung seines Bestsellers „Die unendliche Geschichte“ . Das in über 40 Sprachen übersetzte und inzwischen über 10 Millionen Mal verkaufte Buch, sei aus einer Aufforderung seines Verlegers heraus, endlich wieder ein dickes Buch zu schreiben, entstanden. Daraufhin habe er in seinen als Ideenkiste umfunktionierten Schuhkarton gegriffen und folgende Grundidee aufgegriffen: “Ein Junge gerät, beim Lesen einer Geschichte, buchstäblich in diese Geschichte hinein und findet nur schwer wieder heraus.“ Damit wurde der Grundstein für das weltweit bekannte Abenteuer des jungen Bastian Balthasar Bux gelegt. Der 1979 erschienene Roman erfährt in den folgenden Jahrzehnten zahlreiche Adaptionen in verschiedensten Medien. Mit dem gleichnamigen deutsch-amerikanischen Fantasyfilm erfolgt im Jahre 1984, unter der Regie Wolfgang Petersens, die mit 4,8 Millionen Kinobesuchern erfolgreichste und bekannteste Adaption. Doch bleibt es nicht nur bei bloßen Adaptionen. Es kommt auch zu Psychologiesierungsversuchen, welche dem Verfasser nach eigenen Angaben genauso wie jene erste Verfilmung missfallen und sogar verärgern.
Diese Arbeit stellt das Buch und den ersten Film von 1984 gegenüber und bezieht dabei immer wieder auch die Stellung des Autors zu beiden Werken und den Umgang damit ein. Dadurch sollen drei Themenbereiche näher erläutert werden. Das Thema der Eingliederung des Romans innerhalb der Kinder- und Jugendliteratur, die Schwierigkeit der Umsetzung der Grundideen der Geschichte auf die Leinwand und die zum Teil auch damit verbundene Interpretation und Psychologisierung durch Dritte.
Inhaltsverzeichnis
1. ENDES LEIDENSGESCHICHTE
2. MICHAEL ENDES UNENDLICHE GESCHICHTE
2.1 KINDER- UND JUGENDLITERATUR IN THEORIE
2.2 DAS BUCH VON A BIS Z
2.2.1 Handlung
2.2.2 Poetische Gesamtstruktur
2.2.3 Personenkonstellation
2.3 TIEFENPSYCHOLOGISCHE BETRACHTUNGEN
3. WOLFGANG PETERSENS NEVERENDING STORY
3.1 DER KINDER- UND JUGENDFILM
3.2 DER FILM VON ATRÉJU BIS FALKOR
3.2.1 Handlung und Struktur
3.2.2 Figuren
4. EINWÄNDE EINES ERWACHSENEN KINDES
5. KRITISCHE WÜRDIGUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen Michael Endes Roman "Die unendliche Geschichte" und der ersten Verfilmung durch Wolfgang Petersen aus dem Jahr 1984, wobei der Fokus auf der Intention des Autors sowie der kritischen Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen medialen Umsetzungen liegt.
- Klassifizierung der literarischen Gattung des Werks
- Analyse der narrativen Struktur und Personenkonstellation
- Tiefenpsychologische Deutung des Individuationsprozesses
- Kritische Gegenüberstellung von Buch und Film
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Handlung
Eine Untersuchung der Handlung wird dadurch erschwert, dass DuG sowohl verschiedene Erzählebenen, als auch unterschiedliche Handlungsebenen hat. Diese Vielschichtigkeit macht eine Aufteilung der Erzählung hinsichtlich bestimmter Kriterien notwendig.
Weil die Geschichte, durch seine „Buch-im-Buch-Konstruktion“, von einer Verschmelzung der Handlungsebenen geprägt ist, stellt Schnöbel die Interferenzen zwischen den Erzählebenen in den Mittelpunkt. Dadurch kann er, an der Systematik des Textes orientiert, die Handlungsebenen in drei Handlungsabschnitte aufteilen:
Abschnitt 1: Handlung vor der Verschmelzung, S. 5-216.
Dieser Abschnitt ist durch eine Trennung der Rahmen- und Binnenhandlung geprägt. Äußerlich sichtbar wird dies durch die Verwendung verschiedener Farben im Schriftbild für die unterschiedlichen Handlungsstränge. Der lesende Bastian und seine Welt werden strikt in rot gehalten. Die Geschehnisse in Phantásien in grün. Die Annäherung der zwei Stränge zueinander wird durch zunehmende gegenseitige Brechungen evoziert. Die letzten fünf Seiten des Abschnitts enthalten, mit zehn unmittelbaren Brechungen, bis zu diesem Zeitpunkt die höchste Dichte an wechselnder Erzähl- und Handlungsebene. Trotzdem bleiben die thematischen Einheiten in diesem Abschnitt gewahrt.
Abschnitt 2: Handlung während der Verschmelzung, S.219- 475
Der zweite Abschnitt ist der komplizierteste und ist zunächst „nur nach einer zurückgreifenden Betrachtung des Prozesses möglich, der zu der Verschmelzung geführt hat.“ Schnöbel teilt diesen Prozess in sechs aufeinander aufbauende Stufen auf, um im nächsten Schritt Rückschlüsse auf Konstruktion und Interpretation in diesem Abschnitt machen zu können.
Damit kommt er zu dem Schluss, dass die Verschmelzung einen Rollenwechsel Bastians initiiert, die ihn vom Rezipienten zum Produzenten der Geschichte werden lässt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. ENDES LEIDENSGESCHICHTE: Einleitung in die Entstehungsgeschichte des Romans, die Intention des Autors sowie die Rezeption des Buches und der Verfilmung.
2. MICHAEL ENDES UNENDLICHE GESCHICHTE: Theoretische Einordnung des Romans in die Kinder- und Jugendliteratur mit Fokus auf Struktur, Figurenkonstellation und tiefenpsychologische Aspekte.
3. WOLFGANG PETERSENS NEVERENDING STORY: Analyse des Films als Adaption, unter Berücksichtigung filmspezifischer Merkmale, Regieentscheidungen und der Abweichungen von der Romanvorlage.
4. EINWÄNDE EINES ERWACHSENEN KINDES: Darstellung der persönlichen Position Michael Endes gegenüber Deutungsversuchen und der filmischen Umsetzung seines Werks.
5. KRITISCHE WÜRDIGUNG: Abschließende Reflexion über die Ergebnisse der Analyse und das Fazit zur Verfilmbarkeit der Vorlage.
Schlüsselwörter
Die unendliche Geschichte, Michael Ende, Wolfgang Petersen, Phantásien, Kinder- und Jugendliteratur, Literaturverfilmung, Erzählstruktur, Individuationsprozess, Tiefenpsychologie, Rezeptionsästhetik, Märchen, Bildungsroman, Medienvergleich, Bastian Balthasar Bux, Werwolf Gmork.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Michael Endes Roman "Die unendliche Geschichte" zu seiner ersten Verfilmung aus dem Jahr 1984 und analysiert dabei die Differenzen in Intention und Umsetzung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themen umfassen die literarische Klassifizierung, die Analyse der Handlungsebenen, die Rollen der Figuren sowie die psychologische Deutung der Geschichte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch einen systematischen Vergleich von Buch und Film aufzuzeigen, wie unterschiedliche mediale Inszenierungen die ursprüngliche Botschaft des Autors verändern können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Analyse stützt sich auf erzählforschende Ansätze sowie tiefenpsychologische Modelle, um die Struktur und Symbolik des Werkes zu erschließen.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Vordergrund?
Im Hauptteil werden sowohl das Buch als auch der Film strukturiert analysiert, um die Divergenz zwischen dem Verständnis des Autors und der Vision des Regisseurs Wolfgang Petersen herauszuarbeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Kernbegriffe sind Phantásien, Individuationsprozess, literarische Adaption, Medienvergleich und die Problematik der Interpretation.
Warum war Michael Ende mit der Verfilmung unzufrieden?
Ende empfand den Film als Fehlinterpretation, da zentrale Aspekte wie der Individuationsprozess durch eine rein abenteuerorientierte Handlung ersetzt wurden, was die symbolische Tiefe des Originals einschränkte.
Welche Rolle spielt die "Verschmelzung" der Handlungsebenen im Roman?
Die Verschmelzung markiert den entscheidenden Rollenwechsel Bastians vom passiven Leser zum aktiven Produzenten der Geschichte, was zentral für seine innere Entwicklung und Selbstfindung ist.
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- Eric Mbarga (Author), 2012, Die unendliche Geschichte - (K)ein Buch für den Film?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192324