In der Sprachwissenschaft sind bislang viele notwendige Kriterien für die Unterschei-dung zwischen ergativen und unergativen Verben bestimmt worden. Ein hinreichendes Kriterium, das ohne Zusatzannahmen die Zuordnung zu einer Gruppe möglich macht, gibt es jedoch nicht. In dieser Arbeit sollen drei Ansätze zur Erklärung der Verhaltens-unterschiede betrachtet werden, die zum Teil auch versuchen, ein hinreichendes Krite-rium zur Unterteilung zu finden. Nachdem zunächst die Verhaltensunterschiede aufge-zeigt werden, die auch allgemein als Tests für Ergativität im Deutschen gelten (Wöll-stein-Leisten 1997: Kap.8), wird der syntaktische Erklärungsansatz von Adger (2004), einem Vertreter des Minimalistischen Programms, betrachtet, der eine Erklärung für das Verhalten ergativer Verben in der Basisstruktur (D-Struktur) und der Derivation findet. Ferner werden zwei semantische Erklärungsansätze für das Phänomen besprochen. Ab-raham (1994) erklärt die Verhaltensunterschiede mit der unterschiedlichen Ereignisstruktur der Verben, die bei ergativen Verben einen Zustandswechsel impli-ziert, bei unergativen Verben nicht. Der zweite semantische Erklärungsansatz von Dowty (1991) wendet einen Ansatz zu thematischen Proto-Rollen auf die Problematik an, der die intransitiven Verben zu vier Kategorien zuordnen kann.
Die verschiedenen Ansätze, sowohl der syntaktische als auch die semantischen, werden vorgestellt und kritisch besprochen. Dabei werden sie einerseits daraufhin überprüft, welche wesentlichen Annahmen sie zur Erklärung der Verhaltensunterschiede machen, andererseits daraufhin, ob sie eine plausible Zuordnung aller intransitiven Verben vor-nehmen oder transparent machen können, was sie zur Definition eines hinreichenden Kriteriums für Ergativität beitragen und welche Fälle sie gegebenenfalls nicht erfassen können.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung und methodisches Vorgehen
- 2. Verhaltensunterschiede zwischen ergativen (unakkusativen) und unergativen Verben
- 2.1 Ergativitätstests
- 2.2 Bewertung der Testkriterien für Ergativität
- 3. Syntaktischer Erklärungsansatz für die Verhaltensunterschiede Adger (2004)
- 3.1 Bewertung des Erklärungsansatzes von Adger
- 4. Semantische Erklärungsansätze für die Verhaltensunterschiede
- 4.1 Abraham (1994): Ergativa sind Terminativa.
- 4.2 Dowty (1991): Kap.8: The Unaccusative Hypothesis
- 4.3 Bewertung der semantischen Erklärungsansätze für die Verhaltensunterschiede
- 5. Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Unterscheidung zwischen ergativen (unakkusativen) und unergativen Verben im Deutschen und anderen Sprachen. Sie analysiert die syntaktischen und semantischen Unterschiede zwischen diesen Verbtypen, um die Gründe für ihr unterschiedliches Verhalten zu erklären.
- Untersuchung der syntaktischen und semantischen Merkmale von ergativen und unergativen Verben
- Analyse der Perfektauxiliarselektion im Deutschen
- Bewertung von syntaktischen und semantischen Erklärungsansätzen für die Verhaltensunterschiede
- Identifizierung und Analyse von Problemen und Grenzen bei der Zuordnung von Verben zu den beiden Verbtypen
- Entwicklung eines umfassenderen Verständnisses der Ergativität im Deutschen
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel führt in das Thema ein und erläutert die methodischen Ansätze der Arbeit. Das zweite Kapitel beschreibt die syntaktischen Verhaltensunterschiede zwischen ergativen und unergativen Verben im Deutschen. Dazu werden die gängigen Ergativitätstests vorgestellt und ihre Anwendung anhand von Beispielen demonstriert.
Im dritten Kapitel wird der syntaktische Erklärungsansatz von Adger (2004) betrachtet, der die Verhaltensunterschiede von ergativen Verben auf Basis der syntaktischen Struktur des Satzes erklärt. Das vierte Kapitel befasst sich mit semantischen Erklärungsansätzen, darunter die Theorie von Abraham (1994) und Dowtys (1991) Unaccusative Hypothesis. Diese Theorien erklären die Verhaltensunterschiede zwischen ergativen und unergativen Verben anhand der Ereignisstruktur und der thematischen Rollen der Verben.
Schlüsselwörter
Ergativität, unakkusative Verben, unergative Verben, Perfektauxiliarselektion, syntaktischer Erklärungsansatz, semantischer Erklärungsansatz, Ereignisstruktur, thematische Rollen, Minimalistisches Programm, Adger, Abraham, Dowty, Unaccusative Hypothesis, Verhaltensunterschiede, intransitive Verben
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen ergativen und unergativen Verben?
Ergative Verben (oft unakkusativ genannt) haben Subjekte, die sich wie Objekte verhalten, während unergative Verben „echte“ Subjekte haben, die oft eine Handlung kontrollieren.
Wie funktioniert der Perfektauxiliar-Test im Deutschen?
Ergative Verben bilden das Perfekt meist mit „sein“ (z. B. „er ist gefallen“), während unergative Verben meist „haben“ wählen (z. B. „er hat gelacht“).
Was besagt die „Unaccusative Hypothesis“ von Dowty?
Dowty nutzt thematische Proto-Rollen, um zu erklären, warum bestimmte Verben als unakkusativ eingestuft werden, basierend auf den semantischen Eigenschaften ihrer Argumente.
Welchen syntaktischen Ansatz verfolgt Adger?
Adger erklärt Ergativität im Rahmen des Minimalistischen Programms durch die Basisstruktur (D-Struktur) und die spezifische Derivation des Satzes.
Warum ist ein Zustandswechsel für ergative Verben typisch?
Laut Abraham impliziert die Ereignisstruktur ergativer Verben oft einen Übergang von einem Zustand in einen anderen (Terminativität), wie bei „einschlafen“.
Gibt es ein eindeutiges Kriterium für Ergativität?
Nein, es gibt viele notwendige Kriterien (Tests), aber kein einzelnes hinreichendes Kriterium, das alle Fälle ohne Zusatzannahmen abdeckt.
- Quote paper
- Susanne Beyer (Author), 2008, Ergative (unakkusative) vs. unergative Verben, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190591