1. Einleitung
[...]
Die Frage nach einer Gleichberechtigung der Geschlechter ist auch in der Gegenwart ein Thema, das die Gemüter erregt [...]
Um so bedeutender ist also die Frage nach einer Gleichstellung der Geschlechter in einer Zeit, die von Gegensätzlichkeiten geprägt ist: So erhielten Frauen in der Weimarer Republik zum einen neue staatsbürgerliche Rechte, und ihre Gleichstellung in der Ehe wurde mit der Weimarer Reichsverfassung postuliert, zum anderen waren sie in alten Traditionen und Normen verhaftet und diesen verpflichtet. „Als Sinnbild des Emanzipationsprozesses galt in der Weimarer Zeit die vermeintlich ökonomisch, politisch und sexuell befreite „Neue Frau“ [...].“
Doch wie emanzipiert war die gewöhnliche Arbeiterfrau wirklich? Wie gleichberechtigt war die Arbeitertochter gegenüber dem Arbeitersohn? Welche Handlungsspielräume hatten Frauen in der Weimarer Zeit?
Die Weimarer Zeit war bezüglich der Frage nach einer Gleichberechtigung der Geschlechter von Ambivalenzen geprägt. So kam es zu Neuerungen, die im geringen Maße zur Gleichstellung von Frauen und Männern beitrugen. Bedeutender waren allerdings juristische Kontinuitäten und Kontinuitäten in der Politik und der gesellschaftlichen Praxis, also im Rollenverständnis und im Verhalten, die die Frau weiterhin benachteiligten.
Um dies näher zu untersuchen, soll zunächst die rechtliche Stellung der Frau in der Weimarer Republik betrachtet werden, da diese die rechtliche Grundlage für eine mögliche Gleichstellung der Geschlechter darstellt (Kap. 2). Da die Möglichkeit des Erwirtschaften einer Lebensgrundlage eine wichtige Basis für ein selbstbestimmtes Leben darstellt, soll darüber hinaus der Frage einer Gleichberechtigung der Geschlechter im Berufsleben nachgegangen werden (Kap. 3). Dabei wird spezifisch Bezug auf die Möglichkeiten von Arbeitertöchtern und Arbeiterfrauen genommen.
Darüber hinaus soll gesellschaftliches Handeln im Mikrokosmos der Ehe und Familie analysiert werden. Da die eheliche Lebensgemeinschaft ein Ort ist, in dem sich durch das enge Zusammenleben und Handeln von Mann und Frau das wahre Maß der Gleichberechtigung zeigt, sollen abschließend einige Beispiele vorgeführt werden, die stellvertretend für die ehelichen Lebensumstände von Arbeiterfrauen stehen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die Rechtsstellung der Frau
- Die Weimarer Verfassung
- Das BGB von 1900
- Frau, Familie und Erwerbsleben
- Junge Mädchen und junge unverheiratete Frauen
- Verheiratete Frauen
- Frauenerwerbsarbeit und Arbeitsmarktpolitik
- Die eheliche Lebensgemeinschaft in der gesellschaftlichen Praxis: Häusliche Gewalt
- Fazit
- Literatur- und Quellenverzeichnis
- Literaturverzeichnis
- Quellenverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit analysiert die rechtliche und gesellschaftliche Situation von Arbeiterinnen in der Weimarer Republik, wobei der Fokus auf die Frage der Gleichberechtigung der Geschlechter liegt. Sie untersucht, inwiefern die Weimarer Verfassung und das BGB von 1900 eine tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern ermöglichten, welche Rolle die Arbeitswelt für Arbeiterinnen spielte und wie sich das Rollenverständnis von Mann und Frau in der ehelichen Lebensgemeinschaft manifestierte.
- Rechtsstellung der Frau in der Weimarer Republik
- Weibliche Arbeiterexistenzen und Erwerbsleben
- Gleichberechtigung und Ungleichheit in der Ehe und Familie
- Häusliche Gewalt und ihre Auswirkungen auf Arbeiterinnen
- Ambivalenzen der Gleichstellungsbestrebungen in der Weimarer Zeit
Zusammenfassung der Kapitel
Die Arbeit beginnt mit einer Einleitung, die die aktuelle Relevanz des Themas der Geschlechtergleichstellung betont und den historischen Kontext der Weimarer Republik als eine Zeit des Umbruchs und widersprüchlicher Entwicklungen in Bezug auf Frauenrechte beleuchtet.
Kapitel 2 untersucht die rechtliche Stellung der Frau in der Weimarer Republik. Es analysiert die Weimarer Verfassung und das BGB von 1900, um aufzuzeigen, welche rechtlichen Grundlagen für die Gleichstellung von Frauen und Männern geschaffen wurden.
Kapitel 3 beschäftigt sich mit der Frage der Gleichberechtigung von Frauen und Männern im Berufsleben, insbesondere in der Perspektive von Arbeiterinnen. Es beleuchtet die Situation von jungen Mädchen und unverheirateten Frauen sowie verheirateten Frauen in der Arbeitswelt und analysiert die Arbeitsmarktpolitik der Weimarer Republik.
Kapitel 4 betrachtet die eheliche Lebensgemeinschaft in der gesellschaftlichen Praxis und untersucht, wie sich die Gleichstellung von Mann und Frau in der täglichen Realität der Familie manifestierte. Es zeigt exemplarisch die Lebensumstände von Arbeiterfrauen auf und beleuchtet das Thema der häuslichen Gewalt.
Schlüsselwörter
Die Arbeit fokussiert auf die Themen der Geschlechtergleichstellung, der Rechtsstellung der Frau, der weiblichen Arbeiterexistenz, der Weimarer Republik, dem BGB von 1900, der ehelichen Lebensgemeinschaft, häuslicher Gewalt und den Ambivalenzen der gesellschaftlichen Veränderungen in der Weimarer Zeit.
Häufig gestellte Fragen
Wie war die Rechtsstellung der Frau in der Weimarer Republik?
Frauen erhielten das Wahlrecht und die Verfassung postulierte die Gleichstellung in der Ehe, jedoch blieben viele benachteiligende Regeln des BGB von 1900 bestehen.
Wer war die „Neue Frau“ der 1920er Jahre?
Sie galt als Sinnbild der Emanzipation – ökonomisch, politisch und sexuell befreit. Die Arbeit prüft, ob dieses Bild auch für die gewöhnliche Arbeiterfrau zutraf.
Welche Chancen hatten Arbeitertöchter im Berufsleben?
Obwohl Frauen neue Berufsfelder erschlossen, blieben Arbeitertöchter oft in schlecht bezahlten, ungelernten Tätigkeiten und traditionellen Rollenbildern verhaftet.
War die Ehe in der Weimarer Zeit wirklich gleichberechtigt?
In der Praxis dominierten oft alte Traditionen. Die Arbeit analysiert dies am „Mikrokosmos Ehe“, inklusive problematischer Aspekte wie häuslicher Gewalt.
Welchen Einfluss hatte die Arbeitsmarktpolitik auf Frauen?
Frauenerwerbsarbeit wurde oft als Konkurrenz zu Männern gesehen; nach dem Ersten Weltkrieg gab es Bestrebungen, Frauen wieder aus dem Arbeitsmarkt zu verdrängen.
Was sind die zentralen Ambivalenzen dieser Ära?
Es gab einen Kontrast zwischen fortschrittlichen Gesetzen (Verfassung) und der juristischen sowie gesellschaftlichen Kontinuität alter Normen.
- Quote paper
- Katharina Beyer (Author), 2011, "Gleichberechtigung der Geschlechter?" - Weibliche Arbeiterexistenzen in der Weimarer Republik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188221