Im Rahmen dieser Arbeit befasse ich mich mit der Frage, welche Auswirkung(en) die Digitalisierung auf die Produktion elektronischer Musik hat. Dabei liegen der Fragestellung zwei Thesen zu Grunde, deren Gültigkeit anhand von textuellen und empirischen Materials überprüft sowie mittels persönlicher Erfahrung exemplifiziert und belegt werden soll.
Es wird die These aufgestellt, dass sich eine Verschiebung der strukturellen Verhältnisse durch die Digitalisierung ergibt und der Künstler sich dadurch von der Plattenfirma emanzipiert. Weiterhin wird angenommen, dass Plattenfirmen mit einem klassischen Vertriebskonzept über kurz oder lang vom Markt verschwinden. Was in diesem Zusammenhang „klassisch“ (analog: „traditionell“) bedeutet und inwieweit sich das von den neuen Anforderungen unterscheidet, soll näher erläutert werden.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 MUSIKPRODUKTION VOR DER DIGITALISIERUNG
2.1 Zum „traditionellen“ Spannungsverhältnis
3 DIE DIGITALE MUSIKPRODUKTION
3.1 Der Fortschritt der Computer-Technik
3.2 Integration von analogen Geräten via MIDI
3.3 Musiksoftware als digitale Produktionsumgebung
3.4 Der Produzent als Einmannbetrieb am Beispiel von Feiyr.com
3.5 Das Spannungsfeld nach der Digitalisierung
4 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Produktion elektronischer Musik und analysiert die daraus resultierende Verschiebung der Machtverhältnisse zwischen Musikproduzenten und Plattenfirmen. Im Zentrum steht die Frage, inwieweit sich Künstler durch neue technische Möglichkeiten von traditionellen Labelstrukturen emanzipieren können.
- Struktureller Wandel der Musikwirtschaft durch Digitalisierung
- Analyse der Produktionsprozesse vor und nach der digitalen Zäsur
- Die Rolle der Musiksoftware als ökonomische Produktivkraft
- Selbstvermarktungsstrategien moderner Musikproduzenten
- Transformationsprozesse von ökonomischem zu kulturellem Kapital
Auszug aus dem Buch
3.3 Musiksoftware als digitale Produktionsumgebung
Die Digitalisierung der Produktionsumgebung ermöglicht es, zahlreiche Schritte in der Produktion einzusparen. Es ist nicht mehr notwendig analoge Geräte aufzunehmen, diese dann nachträglich zu bearbeiten – bspw. sie zu schneiden und zu effektieren –, sondern es ist möglich, die Quelldaten in Echtzeit mit Effekten zu versehen und zu bearbeiten, ohne dabei das „trockene“ Signal, zu verlieren. Ein nachträgliches Editieren bleibt somit stets möglich. Durch Musiksoftware wird die Arbeitsteilung aufgehoben bzw. die Value-Chain verkürzt. Der Produktionsprozess beschränkt sich nun mehr auf eine minimale Anzahl von Arbeitsschritten. Auch SMUDITS konstatiert der Musiksoftware bzw. dem Computer eine »wirtschaftliche Produktivkraft« (2002: 173).
Der Produzent ist nun Tonmeister, Sound-Engineer, Künstler und Sänger zugleich. Das von der Firma YAMAHA entwickelte Programm Vocalist, simuliert eine Sängerin bzw. einen Sänger, die/der wie ein virtuelles Instrument bedient werden kann. Durch Eingabe der Noten und des dazugehörigen Textes, entsteht ein virtuell erzeugter Gesangspart, der sehr nah an reale Gesangsleistungen heranreicht. Eine weitere, sehr beeindruckende Möglichkeit der Klangerzeugung bzw. viel mehr der Klangmanipulation, bietet die Firma CELEMONY mit ihrem Programm Melodyne: In der ersten Version konnte das Audiomaterial in seiner Struktur nur bedingt bearbeitet werden. Doch bereits dort war es möglich, die Höhe und Länge eines Tones zu verändern. Wurde zum Beispiel ein solcher in einem Gesangspart nicht richtig „getroffen“, konnte seine Atonalität durch eine Verschiebung in die richtige Tonhöhe aufgelöst werden. Grenzen fand das Programm in Akkorden bzw. mehrstimmigen Klangmaterial. In der aktuellen Version wurde eine Manipulation dessen jedoch möglich, so dass nun jedes beliebige Material verändert werden kann; bis dato gilt dies für unmöglich. Die kurz skizzierten Beispiele sind Stellvertreter der Erweiterung des Möglichkeitshorizontes in der der digitalen Produktion.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf die Produktion elektronischer Musik hat und stellt Thesen zur strukturellen Verschiebung zwischen Künstler und Plattenfirma auf.
2 MUSIKPRODUKTION VOR DER DIGITALISIERUNG: Dieses Kapitel analysiert die klassischen Produktionsstrukturen der Musikwirtschaft, die durch hohen Kapitalaufwand und eine ausgeprägte Arbeitsteilung mit Abhängigkeiten von Plattenfirmen geprägt waren.
3 DIE DIGITALE MUSIKPRODUKTION: Hier werden die technischen Voraussetzungen und Neuerungen beleuchtet, die durch Computertechnik und Musiksoftware eine Entmaterialisierung der Musikprodukte ermöglicht und den Produktionsprozess grundlegend vereinfacht haben.
4 FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass sich Produzenten durch die Digitalisierung emanzipiert haben, während Plattenfirmen sich vom Tonträgerproduzenten zum spezialisierten Medienpartner wandeln müssen, um ihre Relevanz im Markt zu behaupten.
Schlüsselwörter
Digitalisierung, Musikproduktion, Plattenfirmen, Musikwirtschaft, Selbstvermarktung, Elektronische Musik, Kapital, Bourdieu, Musiksoftware, MIDI, Entmaterialisierung, Transformationsprozess, Gatekeeper, Technischer Fortschritt, Produktionsumgebung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Einfluss der Digitalisierung auf die Musikindustrie und wie dieser technische Wandel die Arbeitsweisen sowie das Machtgefüge zwischen Musikern und Labels verändert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die technologische Evolution der Musikproduktion, die ökonomischen Aspekte von Musik als Produkt und die veränderten Möglichkeiten der Distribution und Vermarktung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu belegen, dass durch die technologische Entwicklung eine Emanzipation des Künstlers von traditionellen Plattenfirmen stattgefunden hat und sich die Bedeutung der verschiedenen Kapitalsorten im Sinne von Bourdieu verschoben hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse textuellen und empirischen Materials sowie auf die Anwendung soziologischer Theorien, insbesondere des Kapitalbegriffs nach Pierre Bourdieu, um die Machtverhältnisse im Feld der Musikwirtschaft zu beschreiben.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der traditionellen Musikwirtschaft, eine detaillierte Betrachtung der digitalen Werkzeuge wie MIDI und Musiksoftware sowie die Untersuchung neuer Vertriebsformen wie etwa durch Feiyr.com.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Digitalisierung, Emanzipation, Entmaterialisierung, ökonomisches Kapital, Selbstvermarktung und Strukturwandel geprägt.
Wie verändert sich die Rolle des Produzenten durch Software wie Melodyne?
Die Software ermöglicht eine tiefgreifende Manipulation von Klangmaterial in Echtzeit, wodurch der Produzent die volle Kontrolle über den gesamten Produktionsprozess gewinnt und Aufgaben wie Gesangskorrektur eigenständig ausführen kann.
Welche Strategie verfolgen Labels laut dem Autor, um ihre Relevanz zu sichern?
Labels fungieren zunehmend als Orientierungshilfen in der digitalen Informationsflut und spezialisieren sich als Medienpartner auf gezielte Promotionslösungen, anstatt sich rein als Tonträgerhersteller zu verstehen.
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- B.A. Markus Feiks (Author), 2011, Digitalisierung als Zäsur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188036