Im Sermon von dem heiligen, hochwürdigen Sakrament der Taufe (1519) findet sich Martin Luthers erste Abhandlung zur Taufe. Während er in diesem sogenannten Taufsermon sein Verständnis des Taufsakraments noch mit den Kategorien Augustins (Zeichen, Bedeutung und Glaube) entwickelt, geht er in De captivitate Babylonica ecclesiae (1520) über dessen Auffassung hinaus, indem er die Taufe „aus der Relation von Verheißung (promissio), Zeichen und Glaube interpretiert“. Seine Tauflehre hält Luther schließlich 1529 im Kleinen und Großen Katechismus fest. Das sich in diesen Lehrstücken widerspiegelnde Verständnis soll Gegenstand dieser Ar-beit sein. Dabei soll deutlich werden, dass Luther sein Taufverständnis in Auseinandersetzung mit seinen jeweiligen Gegnern konkretisiert.
Die Gliederung orientiert sich weitestgehend an der Auslegung der Taufe im Großen Katechismus: Zunächst wird Luthers Sakramentsverständnis auf Grundlage der Schrift De captivitate Babylonica ecclesiae dargelegt, anschließend Intention und Adressaten der Katechismen anhand ihrer Vorreden herausgearbeitet, um dann einzelne Aspekte der Taufe näher zu erläutern: Zuerst Wesen, sodann Nutzen und schließlich Empfang der Taufe. Im Anschluss sollen Luthers Argumente gegen das Taufverständnis des Spiritualismus herausgearbeitet werden. Anschließend wird die Kindertaufe als ein besonderer Teilaspekt thematisiert und in diesem Kontext Luthers Position zum Täufertum dargelegt. Nachfolgend soll die Bedeutung der Taufe erläutert und die Auslegung des Taufsakraments in den beiden Katechismen verglichen werden. Im letzten Teil der Arbeit wird ein Fazit gezogen.
Der besseren Lesbarkeit und Verständlichkeit halber wird nach Absprache mit dem Erstprüfer die Ausgabe der Katechismen nach Kurt Aland verwendet. Für weitere Schriften Luthers greife ich vor allem auf die Kritische Gesamtausgabe zurück. Zur Aufschlüsselung der von mir verwendeten Abkürzungen verweise ich auf das Abkürzungsverzeichnis der RGG.
Inhaltsverzeichnis
- A. Einleitung
- 1. Einführung
- 2. Luthers Sakramentsverständnis
- 3. Entstehung und Intention der Katechismen
- B. Hauptteil: Luthers Taufauslegung in den Katechismen
- 4. Das Wesen der Taufe
- 4.1 Die Stiftung der Taufe
- 4.2 Die Umschreibung der Taufe
- 4.3 Die Bedeutung des Wassers
- 5. Der Nutzen der Taufe
- 6. Der Empfang der Taufe
- 7. Luther und seine Gegner
- 7.2 Luthers Ablehnung des Spiritualismus
- 8. Die Kindertaufe
- 8.1 Kirchengeschichtliche Begründung der Kindertaufe
- 8.2 Die Lehre von der fides infantium
- 8.3 Luthers Ablehnung des Täufertums
- 9. Die Bedeutung der Taufe
- 4. Das Wesen der Taufe
- C. Schluss
- 10. Vergleich der Taufauslegungen in den Katechismen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht Martin Luthers Verständnis der Taufe, wie es in seinen Katechismen zum Ausdruck kommt. Der Fokus liegt auf der Entwicklung seiner Tauflehre im Kontext seiner Auseinandersetzung mit theologischen Gegnern. Die Arbeit analysiert Luthers Sakramentsverständnis und seine Auslegung der Taufe hinsichtlich Wesen, Nutzen und Empfang. Darüber hinaus werden die Kindertaufe und Luthers Kritik am Täufertum beleuchtet.
- Entwicklung von Luthers Taufverständnis
- Luthers Sakramentslehre im Vergleich zu seinen Zeitgenossen
- Die Bedeutung des Glaubens im Kontext der Taufe
- Die Rolle der Kindertaufe in Luthers Theologie
- Auseinandersetzung mit dem Spiritualismus
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Thematik ein und skizziert den Forschungsstand. Kapitel 2 erläutert Luthers Sakramentsverständnis auf der Grundlage seiner Schrift De captivitate Babylonica ecclesiae. Kapitel 4 untersucht das Wesen der Taufe, einschließlich ihrer Stiftung, Umschreibung und der Bedeutung des Wassers. Die Kapitel 5 und 6 befassen sich mit dem Nutzen und dem Empfang der Taufe. Kapitel 7 behandelt Luthers Auseinandersetzung mit seinen Gegnern, insbesondere seine Ablehnung des Spiritualismus. Kapitel 8 untersucht die Kindertaufe und Luthers Position zum Täufertum. Kapitel 9 beleuchtet die Bedeutung der Taufe.
Schlüsselwörter
Martin Luther, Taufe, Sakramente, Katechismus, Spiritualismus, Täufertum, fides infantium, Worttheologie, De captivitate Babylonica ecclesiae, Sakramentsverständnis.
Häufig gestellte Fragen
Wie versteht Martin Luther das Sakrament der Taufe?
Luther interpretiert die Taufe aus der Relation von göttlicher Verheißung (promissio), dem äußeren Zeichen (Wasser) und dem persönlichen Glauben des Empfängers.
Was ist der Unterschied zwischen dem Kleinen und Großen Katechismus bezüglich der Taufe?
Während beide Katechismen von 1529 die gleiche Lehre vertreten, dient der Große Katechismus einer ausführlicheren theologischen Begründung, während der Kleine Katechismus als Merkhilfe für das einfache Volk konzipiert ist.
Warum befürwortet Luther die Kindertaufe?
Luther begründet dies kirchengeschichtlich und durch die Lehre von der "fides infantium" (Kinderglaube), wonach Gott auch kleinen Kindern den Glauben schenken kann.
Gegen wen verteidigte Luther sein Taufverständnis?
Er setzte sich insbesondere mit dem Spiritualismus und dem Täufertum auseinander, die den objektiven Charakter des Sakraments oder die Gültigkeit der Kindertaufe infrage stellten.
Welche Rolle spielt das Wasser in Luthers Tauflehre?
Das Wasser ist für Luther nicht bloßes Wasser, sondern "ein Wasser, das in Gottes Wort gefasst und mit Gottes Wort gebunden ist", wodurch es göttliche Kraft erhält.
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- Sina Lethaus (Author), 2010, Luthers Verständnis der Taufe und der Kindertaufe in den Katechismen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187518