Liest man heute Platons oder Aristoteles Ausführungen zu den Unterschieden zwischen Mann und Frau, erscheinen sie auf den ersten Blick abstrus und sehr weit von unserem heutigen Geschlechterverständnis entfernt. Bei genauerer Betrachtung der antiken Vorstellungen lassen sich jedoch Parallelen zur heutigen Gesellschaft erkennen, die zu der Frage führen, inwiefern das, was sich in den Werken der griechischen Philosophen findet, auch heute noch Bestand hat. In Zeiten, in denen das Frauenwahlrecht genauso selbstverständlich ist, wie Studentinnen an Hochschulen oder Frauen in der Bundeswehr fällt es schwer, die heutige Gesellschaft nach wie vor als androzentrisch wahrzunehmen. Dass das männliche Geschlecht auch heute noch an häufig als Maßstab angesehen wird, ist vielen nicht bewusst.
Eine Gesellschaft ohne die geschlechtliche Klassifikation in Mann und Frau ist kaum vor-stellbar, da eben diese Zweigeschlechtlichkeit seit Jahrtausenden als natürliche Grundbedin-gung für Fortpflanzung angesehen wird. Auch in diesem Punkt unterscheidet sich die heutige nicht von der antiken Gesellschaft.
Ausgehend von dem Text „Platon, Aristoteles und der Geschlechterunterschied“ von Giulia Sissa (1993) erfolgt in der vorliegenden Arbeit eine Darstellung antiker und neuzeitlicher Vorstellungen über den Geschlechterunterschied. Zentrale Fragen sind hierbei: ‚Wie sehen die allgemeinen Vorstellungen über das Geschlecht in der jeweiligen Zeit aus?‘, ‚Wodurch unter-scheiden sich weibliches und männliches Geschlecht?‘ und ‚Welche antiken Vorstellungen haben auch heute noch bestand?‘
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Der Geschlechterunterschied in der Antike
- 2.1. Platon
- 2.2. Aristoteles
- 2.3. Minderwertigkeit der Frau
- 3. Neuzeitliche Geschlechterforschung: Geschlecht als soziales Konstrukt
- 4. Frauen damals und heute
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Hausarbeit untersucht den Geschlechterunterschied in der Antike und der Neuzeit, ausgehend von Giulia Sissas Werk „Platon, Aristoteles und der Geschlechterunterschied“. Die Arbeit analysiert die antiken Vorstellungen von Platon und Aristoteles und vergleicht sie mit neuzeitlichen Perspektiven. Ein zentrales Anliegen ist die Frage nach der Aktualität antiker Geschlechtervorstellungen.
- Antike Geschlechtervorstellungen bei Platon und Aristoteles
- Konzept des Geschlechts als soziales Konstrukt in der Neuzeit
- Vergleich der antiken und neuzeitlichen Perspektiven auf den Geschlechterunterschied
- Analyse der Rolle der Frau in der Antike und der Neuzeit
- Bewertung der Kontinuität und des Wandels im Geschlechterverständnis
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1 (Einleitung): Die Einleitung führt in die Thematik ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Aktualität antiker Geschlechtervorstellungen in den Mittelpunkt. Sie verweist auf die scheinbare Diskrepanz zwischen antiken und modernen Geschlechterverständnissen.
Kapitel 2 (Der Geschlechterunterschied in der Antike): Dieses Kapitel präsentiert die Autorin Giulia Sissa und ihr Werk. Es beleuchtet die unterschiedlichen Auffassungen von Platon und Aristoteles zum Geschlechterunterschied und hebt die oft beschriebene inferiore Stellung der Frau hervor. Die Verknüpfung antiker Vorstellungen mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen wird als wichtiger Aspekt von Sissas Arbeit hervorgehoben.
Kapitel 2.1 (Platon): Der Abschnitt analysiert Platons unterschiedliche Konzepte von "Geschlecht", betrachtet seine Schöpfungsgeschichte im Timaios und seine Ausführungen in der Politeia zur Gleichstellung von Mann und Frau im Idealstaat. Die Ambivalenz in Platons Schriften bezüglich der Geschlechterrollen wird diskutiert.
Häufig gestellte Fragen
Wie sah Aristoteles den Unterschied zwischen Mann und Frau?
Aristoteles betrachtete die Frau oft als minderwertig oder als "unvollkommenen Mann", was seine Sicht auf Biologie und Gesellschaft prägte.
Vertrat Platon eine modernere Sicht auf Frauenrollen?
In seiner "Politeia" schlug Platon vor, dass Frauen im Idealstaat die gleichen Aufgaben wie Männer (z.B. als Wächter) übernehmen könnten, was für die Antike revolutionär war.
Was bedeutet "Geschlecht als soziales Konstrukt"?
In der neuzeitlichen Forschung wird betont, dass Rollenbilder nicht rein biologisch vorgegeben sind, sondern durch gesellschaftliche Erwartungen und Erziehung entstehen.
Welche antiken Vorstellungen wirken bis heute nach?
Die Arbeit untersucht, inwieweit androzentrische Maßstäbe (der Mann als Norm) auch in der heutigen modernen Gesellschaft noch unbewusst verankert sind.
Was ist die zentrale These von Giulia Sissa?
Sissa analysiert die Verknüpfung antiker philosophischer Texte mit der tatsächlichen sozialen Stellung der Frau und zieht Parallelen zur heutigen Geschlechterforschung.
- Quote paper
- B. Sc. Jana Bösche (Author), 2011, Der Geschlechterunterschied in Antike und Neuzeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186998