Diese Arbeit hat die Trendsportart Le Parkour zum Thema. Dabei wird zu Beginn die Entwicklung der Trendsportart und deren Erfinder David Belle näher betrachtet. Auf Basis einer ausführlichen Untersuchung des Themas Trendsport (auch aus sportsoziologischer Sicht interessant) wird Parkour wissenschaftlich als Trendsportart klasifiziert. Letztlich werden Ansätze zur sportdidaktischen Verwertung vorgestellt, diskutiert und analysiert.
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Ein Mann rennt um sein Leben. Es scheint, als könne ihn kein Hindernis aufhalten. Keine Mauer ist hoch genug, kein Spalt zu eng. Selbst ein Baukran kann den vermeintlichen Böse-wicht nicht aufhalten. In schwindelerregender Höhe bewegt sich der Mann balancierend, aber in hohem Tempo auf dem Kran, springt artistisch auf einen zweiten Kran und klettert auf und ab. Nur mit Mühe und weitaus weniger leichtfüßiger Eleganz folgt ihm der Geheimagent Ja-mes Bond. Diese Szene aus dem Film Casino Royale fordert Daniel CRAIG als Darsteller alles ab. Denn sein Gegenspieler wird gespielt von Sébastien FOUCAN, einem der Pioniere des Par-kour (vgl. BECK 2007: Abs. 3). Szenenwechsel. Im 2007 erschienen Film Mr. Bean macht Ferien läuft der Hauptdarsteller Rowan ATKINSON in einer Szene quer durch Paris und pas-siert dabei Hindernisse wie Fußgänger und Autos scheinbar teilnahmslos. Er läuft zielgerich-tet von A nach B, der einzige Unterschied zum vorherigen Beispiel sind die fehlenden artisti-schen Sprünge und Spezialeffekte. Viele Anhänger des Parkour vermuteten eine Parodie auf ihre Bewegungskultur. Stellt sich also die folgende Frage, wann genau das sture Geradeaus-laufen Merkmale des Parkour zu tragen beginnt (vgl. KEDVES 2007: 20). Eben solche Merkmale sind genauso Bestandteil dieses Kapitels wie die Entwicklung des Parkour von seinen Anfängen bis hin zu aktuellen Kommerzialisierungs- und Institutionalisie-rungsprozessen. Dem wird eine Betrachtung der Person David BELLE vorangestellt, der als Erfinder des Parkour gilt und daher eine tragende Rolle für die Entwicklung spielt. Die ab-schließende Diskussion befasst sich mit der zweiseitigen Interpretation des Parkour zum einen als Philosophie und Lebenseinstellung sowie zum anderen als Sport und Bewegungsform.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Le Parkour – zwischen Philosophie und Sport
2.1 Zur Person David Belle
2.2 Entwicklung von Le Parkour
2.3 Grundelemente des Parkour
2.4 Kommerzialisierungs- und Institutionalisierungsprozesse
2.5 Philosophie oder Sport?
3 Trendsportarten im Fokus gesellschaftlichen Wandels
3.1 Definition Sport und Trend
3.1.1 Der Terminus Sport
3.1.2 Der Terminus Trend
3.1.3 Anmerkungen zur Trendforschung
3.2 Gesellschaft und Jugendkultur im Wandel
3.2.1 Gesellschaft im Wandel
3.2.2 Generation X - die moderne Jugendkultur
3.3 Trendsport als Lebensstil
3.4 Stilbildende Aspekte im Trendsport
3.5 Die Genese von Trendsportarten
3.6 Kulturindustrielle Verwertung von Trendsportarten
3.7 Zwischenfazit
4 Le Parkour - Medienhype oder echte Trendsportart?
5 Der Trendsport Le Parkour in der Schule
5.1 Legitimation des Sportunterrichts
5.2 Trendsportarten im Sportunterricht
5.3 Vermittlung von Trendsportarten
5.4 Wagniserziehung im Sportunterricht
5.5 Le Parkour im Sportunterricht
5.5.1 Legitimation von Le Parkour durch den Lehrplan
5.5.2 Zielsetzungen
5.5.3 Eine Unterrichtsreihe Le Parkour
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende wissenschaftliche Hausarbeit analysiert das Bewegungsphänomen Le Parkour, ausgehend von dessen Entstehungsgeschichte und Philosophie, um es als moderne Trendsportart innerhalb der aktuellen Sport- und Jugendkultur theoretisch einzuordnen und pädagogische Verwertungschancen für den Sportunterricht an Schulen aufzuzeigen.
- Historische Entwicklung und philosophische Grundlagen von Le Parkour
- Soziologische Analyse des Trendsportbegriffs und gesellschaftlicher Wandel
- Kommerzialisierungs- und Institutionalisierungsprozesse moderner Bewegungsformen
- Pädagogische Relevanz und Legitimation von Parkour im Sportunterricht
- Didaktische Konzepte zur Vermittlung und Wagniserziehung
Auszug aus dem Buch
2.1 Zur Person David Belle
Um das wahre Parkour verstehen zu können, ist es meines Erachtens sehr interessant, hinter den Mythos des Erfinders zu schauen und mehr als nur den wohl besten Traceur der Welt zu sehen. Denn wer versucht die Person David BELLE zu verstehen, der entwickelt ein Verständnis von Parkour, das über die sensationellen Sprünge und beeindruckenden Bilder hinausreicht.
David BELLE wurde 1973 in Frankreich geboren und von seinem Großvater aufgezogen, der ihm viele Geschichten über BELLEs Vater, Raymond BELLE, erzählte. In einem Interview beschreibt David BELLE diese Geschichten als Spiderman und Tarzan-Geschichten, die in ihm den Wunsch weckten, einmal wie Spiderman durch die Lüfte zu schwingen (vgl. WILKINSON 2007: 1). Raymond BELLE war das große Vorbild des jungen David. Geboren 1939 in Indochina, dem heutigen Vietnam, wurde er auf Grund der Rebellion kommunistischer Kräfte gegen die französische Kolonialmacht von seiner Familie getrennt und in einem Waisenlager als Kindersoldat ausgebildet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Entstehungsgeschichte der Arbeit und der Fragestellung zur theoretischen Einordnung von Parkour.
2 Le Parkour – zwischen Philosophie und Sport: Analyse der Ursprünge, der Rolle David Belles und der Entwicklung der Parkour-Bewegung.
3 Trendsportarten im Fokus gesellschaftlichen Wandels: Theoretische Herleitung des Trendsportbegriffs im Kontext gesellschaftlicher Modernisierungsprozesse.
4 Le Parkour - Medienhype oder echte Trendsportart?: Kritische Prüfung, ob Parkour die wissenschaftlichen Kriterien einer Trendsportart erfüllt.
5 Der Trendsport Le Parkour in der Schule: Didaktische Diskussion über die Implementierung von Parkour im Sportunterricht inklusive Wagniserziehung.
6 Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der Ergebnisse und Einschätzung der zukünftigen Entwicklung von Parkour.
Schlüsselwörter
Le Parkour, Traceur, Trendsport, Sportunterricht, Wagniserziehung, David Belle, Jugendkultur, Individualisierung, Kommerzialisierung, Institutionalisierung, Bewegungskultur, Körpererfahrung, Körperkult, Schulsport, Innovationsprozesse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht das Phänomen Le Parkour als subkulturelle Bewegungsform, beleuchtet deren Entwicklung sowie die philosophischen Hintergründe und diskutiert Einsatzmöglichkeiten im pädagogischen Kontext des schulischen Sportunterrichts.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit verknüpft sportwissenschaftliche und soziologische Theorien zu Trendsportarten mit der praktischen Realität von Le Parkour und analysiert die Spannungsfelder zwischen Subkultur, Kommerzialisierung und Schule.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Parkour wissenschaftlich fundiert als Trendsportart einzuordnen und aufzuzeigen, wie diese Form der Bewegung sinnvoll und sicher in den Schulsport integriert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Untersuchung, die existierende Literatur, soziologische Gesellschaftstheorien und sportpädagogische Konzepte heranzieht, um Parkour zu klassifizieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine philosophische und soziologische Grundlagenanalyse von Parkour, die theoretische Definition von Trendsportarten im gesellschaftlichen Wandel und eine detaillierte Auseinandersetzung mit didaktischen Vermittlungsansätzen.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Parkour, Trendsport, Wagniserziehung, Jugendkultur und Schulsport geprägt.
Inwieweit spielt die Person David Belle für Parkour eine Rolle?
David Belle gilt als Erfinder und prägende Identifikationsfigur. Seine Biografie und seine Sichtweise auf Parkour als Lebenseinstellung sind maßgeblich für die kulturelle Entwicklung und Authentizität der Bewegung.
Wie unterscheidet sich Parkour laut Autor von anderen Trendsportarten?
Der Autor arbeitet heraus, dass Parkour sich durch seine Philosophie (Verzicht auf Wettbewerb, Fokus auf Selbsteinschätzung und Effizienz) sowie durch seine eher informelle Organisationsstruktur deutlich von kommerziell geprägten "Hypes" abgrenzt.
Welche pädagogische Herausforderung sieht der Autor beim Einsatz in der Schule?
Die größte Herausforderung liegt in der Vermittlung der Parkour-Philosophie (Respekt, Selbstverantwortung), ohne dass der Sport im Unterrichtsalltag zu einem "modernen Turnen" degradiert wird oder das notwendige Sicherheitsrisikomanagement die Kreativität der Schüler erstickt.
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- Thomas Bauer (Autor), 2008, Das Phänomen Le Parkour, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186616